LETZTES UPDATE: 10.10.2018; 09:27
Diese Seite als Lesezeichen hinzufügen

Rede von Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka anlässlich des Gebetsfrühstücks

Dienstag, 29. Mai 2018

Großer Gott, an diesem Morgen kommen wir zu dir und wollen dir danken. Du hast uns vieles geschenkt und uns mehr Möglichkeiten gegeben, zu gestalten, als vielen anderen. Wir bitten dich mit Demut und Vertrauen um deinen Frieden, deine Weisheit, deine Kraft, um der Verantwortung, die wir tragen, auch gerecht werden zu können.

Lass uns heute die Welt betrachten mit Augen, die voller Liebe sind. Lass uns unsere Nächsten als die Menschen empfangen, die du durch uns lieben willst. Schenke mir die Bereitschaft, den Menschen mit Hingabe zu dienen und alles Gute, das du in sie hineingelegt hast, zu entfalten. Unsere Worte sollen Sanftmut ausstrahlen und unser ganzes Verhalten soll Frieden stiften. Nur jene Gedanken, die Segen verbreiten, sollen in uns haften bleiben. Verschließe unsere Ohren vor jedem übelwollenden Wort und jeder böswilligen Kritik. Mögen unsere Zungen nur dazu dienen, das Gute hervorzuheben.

Wir bitten dich, segne dieses Frühstück und die Gespräche, die wir während des Frühstücks führen werden. Amen.

Meine sehr geehrten Damen und Herren! Eminenz! Exzellenzen! Liebe Vertreter aus Kultur, Wirtschaft, Politik, der Gesellschaft, aber vor allem unserer Religionsgemeinschaften! Ich darf mich zuallererst ganz herzlich bedanken. Wenn wir das zweite Mal dieses Gebetsfrühstück in Österreich veranstalten können, dann gilt der Dank den Organisatoren. Es sind so viele, ich darf stellvertretend unsere beiden Abgeordneten erwähnen, die das mit viel Einsatz und viel persönlichem Engagement vorangetrieben haben. Sie brauchten mich nicht zu überzeugen, sondern sie haben mich ganz einfach eingeladen, das zu tun, was ich auch gerne getan habe. Liebe Abgeordnete Kugler, lieber Abgeordneter Ragger, herzlichen Dank für euer Engagement! (Beifall.)

Einer, den Sie alle kennen, umtriebig seit Jahren, ob als Abgeordneter oder nicht als Abgeordneter, einer, der diese Idee nach Österreich getragen hat und das letzte Mal auch mit unserem Klubobmann Lopatka veranstaltet hat, ist der Abgeordnete außer Dienst Pepi Höchtl. Wer kennt ihn und seine Umtriebigkeit nicht? – Pepi, herzlichen Dank, dass du diese Idee nach Österreich gebracht hast, dass du nicht müde wirst – er ist ja nicht in Pension, er ist maximal im Unruhestand –, dich für diese Sache so einzusetzen! (Beifall.)

Meine sehr geehrten Damen und Herren! Das Gebetsfrühstück ist eine Idee, die aus Amerika kommt, die heute in Europa Fuß gefasst hat und die uns einmal mehr bewusst macht, dass Religion und Glaube ganz wesentliche Bestandteile gesellschaftlichen Handelns sind. Auch wenn wir in einem Staat leben, der Religion sehr stark von der Politik trennt, so sind viele Menschen – und mehr als wir glauben – schlussendlich durch die Religion beeinflusst, durch den Glauben als Motivation geführt, ihr politisches Handeln, ihr gesellschaftliches Handeln, ihr künstlerisches Handeln auch unter diesem Aspekt zu sehen. Nicht alles liegt in Menschenhand!

Ich habe heute in diesem Gebet auch das Thema der Liebe aufgeworfen und erinnere mich an die Predigt am letzten Sonntag, dem Dreifaltigkeitssonntag, der in meiner Heimat am Sonntagberg eine ganz besondere Bedeutung hat, weil diese Kirche der Dreifaltigkeit, also Gott selbst, gewidmet ist. Abt Petrus hat diese drei Themen, die ihm aus der Botschaft von Franziskus ganz wichtig erschienen sind, was die Liebe für ihn ausmacht – das Geben, das Nehmen und auch das Teilen –, zum Inhalt seiner Predigt gemacht.

Dieses Geben, den Menschen etwas geben, ist, glaube ich, für alle, die in der Politik tätig sind, ob sie nun glauben oder nicht, einer der wesentlichen Motivatoren, sich überhaupt zu engagieren: etwas geben zu können, für das man etwas zurückbekommt, das sich an Werten orientiert. Das kann man nicht in Geld messen, das kann man nicht in der Anerkennung messen, sondern in der tiefen Zufriedenheit, für den Nächsten etwas zu tun.

Er hat aber auch gemeint: Wenn man etwas gibt, muss es auch angenommen werden. Ein Geschenk zu geben und derjenige, der beschenkt wird, kümmert sich nicht darum oder es ist ihm egal, frustriert den Gebenden. Ich denke, es ist auch eine Kunst, etwas annehmen zu können. Es verlangt Toleranz, Offenheit und einen Gestaltungswillen, das, was man tut, und auch das, was man vielleicht nicht immer bereit ist, anzunehmen, doch in einer großen Offenherzigkeit zu tun. Man wird sehen, dass es ja dann auch den Menschen vielleicht in besonderer Art und Weise zu diesem Begriff der Demut führt, etwas anzunehmen.

Und schlussendlich das Teilen: Das tun wir heute in ganz besonderer Art und Weise am Tisch, wir teilen miteinander, vor allem das Gespräch.

Es ist heute das zweite Gebetsfrühstück, und Sie kennen ja den österreichischen Spruch: Einmal ist keinmal, zweimal ist Zufall und dreimal ist Tradition! So darf ich Sie einladen, nächstes Jahr wieder zu kommen, damit wir die Tradition dieses Gebetsfrühstücks auch in Österreich hochhalten.

In diesem Sinne auch ein herzliches Danke an unsere drei – wie es so schön heißt – Keynote Speaker, an diejenigen, die uns heute auch mit Gedanken bereichern: Frau Doraja Eberle, ehemalige Landesrätin in Salzburg und Kämpferin an vielen Fronten, den Minister außer Dienst aus Ungarn – ich war erst vor Kurzem in Ihrer Heimat – Zoltán Balog. Herzlichen Dank für Ihr Kommen! Auch Ihnen, Herr Burgschauspieler Peter Matić, vielen herzlichen Dank, dass Sie sich bereit erklärt haben, uns heute mit Ihren Gedanken zu bereichern!

Ihnen wünsche ich nicht nur heute einen gestärkten Tagesverlauf, sondern mögen Sie auch in allen anderen Bereichen Ihres Lebens bereichert und gestärkt sein. (Beifall.)

Fotoalbum