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Rede von Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka bei der Demokratiewerkstatt Profi-Ehrung

Donnerstag, 21.06.2018

Liebe Schülerinnen und Schüler,

es freut mich, dass ihr heute gekommen seid, um die Auszeichnung der Demokratiewerkstatt in Empfang zu nehmen, ich grüße euch daher herzlichst. Es freut mich, dass ihr alle da seid, aus allen Teilen Wiens und Niederösterreichs. Ich grüße eure Lehrpersonen, die mit euch mitgekommen sind, die diese Workshops mit euch mitgestaltet haben. Vor allem gilt mein herzlicher Gruß auch unseren Abgeordneten, die sich in den Workshops immer wieder der Diskussion stellen, und Botschafter Wolte, der auch da ist. Für viele war die Demokratiewerkstatt ein ganz besonderes Erlebnis, bei dem man sehen kann, was im Parlament eigentlich passiert und welche Aufgaben ein demokratisches und demokratisch gewähltes Parlament hat.

Das Schülerparlament oder die Wahl zum Klassensprecher kennt ihr wahrscheinlich auch aus eurem eigenen Erfahrungsbereich. Ihr wisst vielleicht das eine oder andere aus den Zeitungen oder aus Gesprächen mit euren Eltern oder Freunden, und ihr kennt vielleicht das eine oder andere auch aus den Social Media, wo man den Abgeordneten begegnet. Vielleicht hat der eine oder andere schon eine Übertragung aus dem Parlament gesehen. Es ist für uns jedenfalls ganz wichtig, und darum freut es mich ganz besonders, dass ihr so oft gekommen seid.

Die Demokratie war in Österreich nicht selbstverständlich. Wisst ihr, welches Jubiläum wir heuer feiern? Hat jemand eine Ahnung, welches Jubiläum Österreich heuer feiert? (Ruf von SchülerInnen: 100 Jahre Demokratie!) – 100 Jahre Demokratie oder 100 Jahre Republik! Leider Gottes war es in diesen 100 Jahren nicht immer so, dass wir eine Demokratie gehabt haben. Wer weiß, wann es keine Demokratie in Österreich gegeben hat? (Ruf von SchülerInnen: Während des Zweiten Weltkrieges!) – Während des Zweiten Weltkrieges, während der Naziherrschaft, in der Nazizeit, zwischen 1938 und 1945 gab es keine Demokratie in unserem Sinne. Es gab auch zwischen 1933 und 1938 keine Demokratie, auch da gab es eine Diktatur. Das heißt, die Demokratie ist in Österreich nichts Selbstverständliches.

Wann werdet ihr wahlberechtigt sein? Wisst ihr das? (Ruf von SchülerInnen: Mit 16!) – Mit 16! Was ihr schon wisst, das ist ja ganz toll! Und wenn ihr dann einmal wahlberechtigt seid und selbst Mitglieder des Parlaments wählen könnt, Abgeordnete wählen könnt, dann werdet ihr euch überlegen, wem ihr eure Stimme schenkt, und dann werdet ihr einen Beitrag dazu leisten, dass die im Parlament vertretenen Parteien sich um das kümmern, was die nächsten Generationen betrifft oder was euch dann im Berufsleben, als Student, als Schüler oder als Lehrling ganz besonders betrifft.

An das, was im Parlament als Gesetz beschlossen wird, muss sich die Gesellschaft auch halten. Da ist in der Vergangenheit einiges passiert, da passiert jetzt etwas, und es wird auch in der Zukunft so sein, wenn wir die Demokratie hochhalten. Da gibt es natürlich unterschiedliche Meinungen. Die gibt es aber bei euch in der Klasse auch, oder? Oder seid ihr immer alle einer Meinung? Sind immer alle einer Meinung, wenn ihr auswählt, wo der Ausflug hingeht? (Nein-Rufe.) – Und wie geht man dann damit um, wenn Leute sagen: Na, das gefällt mir eigentlich nicht!, aber die Mehrheit dafür ist? Was tut man dann? (Ruf von SchülerInnen: Abstimmen!) – Da stimmt man ab. Und was ist nach der Abstimmung? (Ruf von SchülerInnen: Dann hat die Mehrheit gewonnen!) – Wenn sich die Mehrheit entscheidet, dann müssen auch die Angehörigen der Minderheit mitgehen. Die haben vielleicht keine Freude, aber vielleicht können sie sich auch daran beteiligen.

Das, glaube ich, ist für uns etwas ganz Wesentliches, dass wir mit den unterschiedlichen Meinungen respektvoll umgehen, den Andersdenkenden, den Andersüberlegenden genauso wertschätzend gegenübertreten. Da geben die Erwachsenen nicht immer das beste Beispiel ab, das weiß ich, aber wir müssen auch immer lernen, wir müssen uns das auch von Tag zu Tag immer wieder neu überlegen. Das ist nicht immer leicht.

Was passiert in einer Diskussion oft, wenn man miteinander redet und es zwei verschiedene Meinungen gibt? Wozu kann es da kommen? (Ruf von SchülerInnen: Zu einem Streit!) – Da kann es bis zu einem Streit kommen. Wenn man streitet, wie ist dann die Stimme? (Ruf von SchülerInnen: Sehr unangenehm!) – Da wird sie unangenehm. (Ruf von SchülerInnen: Es wird lauter!) – Es wird lauter! Man versucht, sein Argument mit noch mehr Stärke durchzubringen. Es wird dadurch nicht besser. Man sollte sich überlegen, welchen klugen Gedanken man noch finden könnte, damit man den anderen überzeugen kann. Es ist unsere Arbeit als Parlamentarier, die anderen im Parlament, aber auch die Menschen draußen zu überzeugen, dass das, was wir beschließen, zum Wohl der Menschen ist.

Das und vieles andere mehr habt ihr aus den Workshops mitgenommen, daher gilt ein herzliches Dankeschön unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Demokratiewerkstatt. Ich möchte das heute ganz offiziell sagen: Sie machen eine ganz hervorragende Arbeit in Kleingruppen. Ich darf mich ganz herzlich bei unseren Abgeordneten bedanken, die immer wieder ihre Zeit zur Verfügung stellen, um mit euch zu diskutieren, und die auch unterschiedliche Standpunkte einbringen. Ich darf mich bei allen bedanken, die euch begleitet haben, vor allem bei den Lehrerinnen und Lehrern, die euch überhaupt darauf gebracht haben, hierherzukommen und euch dieser außerschulischen Weiterbildung und Bildung zu unterziehen. Dafür ein herzliches Dankeschön!

Ich darf gleich damit beginnen, die einzelnen Klassen vor den Vorhang zu holen. Ich werde jeden von euch mit einer Medaille auszeichnen; die Klassensprecher und eure Klassenlehrerin oder den Klassenlehrer bitten wir nun heraus.

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