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Rede von Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka anlässlich der Verleihung des Alfred Fried Photography Award, 20.9.2018

Donnerstag, 20.9.2018

Meine sehr geehrten Damen und Herren!
Werte Journalistinnen und Journalisten!
Liebe Fotografinnen und Fotografen, Preisträgerinnen und Preisträger, die Sie heute bei einem ganz außerordentlichen Termin für das österreichische Parlament schon voller Erwartung anwesend sind.

Den Alfred Fried Photography Award zu verleihen, ist sicherlich einer der schönsten, der bemerkenswertesten Termine, die ein Präsident des Nationalrates wahrnehmen kann. Ich freue mich, dass so viele Menschen gekommen sind, Lois Lammerhuber als Protagonist dieses Wettbewerbs, als personifzierte Vorjury und viele, die mit ihm gekommen sind. Ich freue mich ganz besonders, dass Frau Schmidt von Ican da ist; 2017 wurden ihre Organisation und deren Repräsentanten mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet.

Ich grüße alle Mitglieder der Jury ganz besonders. Ich weiß, wie hart Juryarbeit ist, noch dazu bei dem ungeheuer großen Volumen, das hier eingesendet wurde, das es zu begutachten galt und dann nach bestem Wissen und Gewissen auch eine gute Entscheidung zu treffen. Jeder Bewerb steht und fällt mit der Qualität der Jury.

Ihnen Lois Lammerhuber und seine Frau vorzustellen, ist in diesem Kreise sicherlich müßig. Er ist durch zahlreiche Publikationen, durch seine Arbeit ein nimmermüder Kämpfer für die Fotografie in Österreich, in Europa und eigentlich weltweit geworden.

Ich danke dafür, dass wir diese Preisverleihung das erste Mal im Ausweichquartier des österreichischen Parlaments stattfinden lassen können. Ausweichquartier deshalb – für unsere Gäste: Wir sind gerade bei der Renovierung unseres Parlaments, eines Baus, der aus dem 19.Jahrhundert stammt und die Ringstraße in ganz besonderer Art und Weise prägt, natürlich nicht nur baulich, sondern auch von seiner Ausstrahlung her, und mit hohem Verantwortungsbewusstsein in das 21.Jahrhundert geführt werden soll.

Daher sind wir nun in der Hofburg, wo wir auf der einen Seite unseren Plenarsaal haben, wo wir aber auch in einzelnen Baukörpern unserer notwendigen parlamentarischen Arbeit nachgehen können, wo die Parteien, Klubs und Organisationseinheiten untergebracht sind. Das Dachfoyer ist quasi unser kleines Veranstaltungsetablissement, das natürlich auch die Geschichte dieser Hofburg in ganz besonderer Art und Weise erzählt. Von dieser gibt es auch ganz besondere Fotos, vor allem aus den 1990er-Jahren, als dieser Teil des Redoutensaals abgebrannt war und man mit einer zeitgenössischen Architektur diesem alten gewachsenen Baukörper die Handschrift des 20.Jahrhunderts hinzugefügt hat.

Ich glaube, so gesehen ist das ein Ort, der den Fotografen vielleicht auch in dem Ambiente gerecht wird, jenen Fotografen, die sich in einer ungeheuer großen Zahl – es waren über 5.000 aus 137 Ländern – an diesem Wettbewerb beteiligt haben.

Es ist ein internationaler Preis, der sich dem Thema Frieden verschrieben hat. Damit sind wir bei dem zentralen Thema von Alfred Fried, der selbst Friedensnobelpreisträger – wie auch Bertha von Suttner – war, der sich letzten Endes auch in seiner Darstellung und seiner Haltung lange vor den Gräueln des Ersten Weltkrieges dafür eingesetzt hat, in einer friedenserhaltenden, in einer pazifistischen Art und Weise einen Beitrag zur gesellschaftlichen Gestaltung unseres Erdkreises zu leisten.

Baruch de Spinoza hat einmal gemeint, Friede ist nicht Abwesenheit von Krieg und von Gewalt, sondern Friede ist eine Haltung, Friede ist eine Einstellung, Friede ist eine Haltung, die aus der zutiefst menschlichen Seele, aus dem menschlichen Grundbedürfnis, mit den Artgenossen friedlich zusammenzuleben, kommt. So sehe ich auch die Fotografien unserer Presseredakteure, wenn Sie sie in den Journalen und den aktuellen Zeitungen sehen. Dort, wo sie Qualität haben, geht es ihnen nicht darum, das Sensationelle abzubilden, sondern geht es auch darum, die Geschichte dahinter zu erzählen, den Menschen das zu zeigen, was hinter einem abgebildeten Gegenstand liegt. Es geht auch im Foto, das in der Form wie in der Malerei die Abstraktion dessen sucht, was eigentlich die Intention ist oder was sich dahinter verbirgt, darum, etwas zu zeigen, was gar nicht nur im Foto festzuhalten ist, dass es nämlich eine Geschichte ist. Gerade in der Reportage zeigt sich das in ganz besonderer Art und Weise.

Ich darf mich bei allen Journalisten bedanken, die gerade dieses Medium in ganz besonderer Art und Weise zu ihrem eigenen gemacht haben. Es ist ein schönes Zeichen, dass man auch anlässlich dieser Preisverleihung wieder jener Menschen gedenkt, die im Zuge ihrer Berufsausübung zu Tode kommen. Und wir wissen, das passiert nicht nur in den Krisenherden, nicht nur in jenen Gegenden, die weitab von Österreich zu finden sind, das findet auch in Europa statt. Wenn wir mit großer Betroffenheit in die Slowakei sehen, wo zwei Journalisten ermordet wurden, weil sie offenbar über jene recherchiert haben, denen es in ihrer Recherche auch entsprechend an den Kragen geht, dann macht uns das natürlich, wenn das im Herzen Europas passiert, doppelt betroffen. Genauso sind hier Malta und viele andere besondere Hotspots zu erwähnen.

Ich denke, dass gerade der Journalismus und das Foto in besonderer Art und Weise einen großen Beitrag dazu leisten, die Wahrheit ans Licht zu bringen. Natürlich ist es immer nur ein Ausschnitt, natürlich ist es immer nur eine Momentaufnahme. Aber aus vielen Momentaufnahmen, aus vielen einzelnen Bildern entsteht dann das, was wir im Bewussten auch wahrnehmen, wodurch wir uns unsere Meinung bilden können. Wir als Rezipienten sind davon abhängig, wie ernsthaft, mit welcher Recherche Sie ans Werk gehen und mit welcher Glaubhaftigkeit und Glaubwürdigkeit Sie Ihrem Beruf nachgehen.

Daher ein herzliches Dankeschön an alle, die hier eingesendet haben, ein herzliches Dankeschön an jene, die die Arbeit der Jury auf sich genommen haben, und insbesondere an Lois Lammerhuber und seine Frau, die in dieser Vorauswahl auch viel Arbeit auf sich genommen haben.

Ich glaube, der heurige Preis steht auch gerade in Österreich unter besonderen Auspizien, denn vor wenigen Tagen ist einer der ganz großen österreichischen Fotografen verstorben, einer jener, der gerade diese Bildgeschichte in ganz besonderer Art und Weise bemüht hat, einer jener, der eine ungeheuer lange Zeitspanne durchmessen hat. Dies tat er nicht nur aus dem österreichischen Blickwinkel, sondern aus dieser Leidensgeschichte Österreichs, auch aus Flucht, Vertreibung, hier keine Heimat zu haben, nach Israel ausgewandert sein zu müssen, dort studiert zu haben, viele Erfahrungen gesammelt zu haben und dann wieder zurückzukommen, auch wenn er nicht zuerst die Adresse Österreich im Fokus hatte. Mit seiner ersten Frau, einer Journalistin der United Press, hat er auch dann diese besondere Arbeit auf sich genommen und wurde ein zeitgeschichtlicher Wegbegleiter vieler Persönlichkeiten, aber auch der ganz gewöhnlichen Menschen – nicht nur der berühmten Persönlichkeiten, sondern auch vieler sehr, sehr eindrucksvoller Persönlichkeiten, die in der Geschichte namenlos geblieben sind.

Sie kennen ihn wahrscheinlich alle – seine Tochter ist heute hier –, es ist Erich Lessing. Sein großes Werk, das ich in einer sehr persönlichen Erklärung seiner Tochter vor wenigen Wochen in Israel im Österreichischen Hospiz kennenlernen durfte, hat, glaube ich, in vielen von uns tiefe Spuren hinterlassen.

So, denke ich, sind es viele, die sich solche Persönlichkeiten immer wieder als Vorbild nehmen, sich an ihrer Künstlerschaft orientieren, daran orientieren, auch neue Wege gehen zu wollen, individuell zu sein, nicht eine Kopie zu sein, nicht verwechselbar zu sein, sondern in seinem persönlichen Ausdruck auch dieses Unverwechselbare zum Ausdruck zu bringen. Ich meine, dass gerade die heutige Verleihung auch ein wenig das Gedenken an diesen großen österreichischen Fotografen wachhalten darf.

In diesem Sinne noch einmal herzlichen Dank für die Ausrichtung dieses Preises. Ich gratuliere jetzt schon allen Preisträgerinnen und Preisträgern und freue mich, wenn es Ihnen gelingt, mit Ihren Bildern – wie es vereinbart ist, verbleiben diese Bilder im Parlament und werden auch in einer Ausstellung gezeigt – viele Menschen zu rühren und zu einer Auseinandersetzung oder zu einem Dialog einzuladen, der eines zum Ziel hat: ein wenig einen Beitrag für den Frieden, das Zusammenleben der Menschen in den kleinen Einheiten, in größeren Einheiten, in unserem Parlament, in unserer Gesellschaft und darüber hinaus in der Welt zu leisten. Das wünsche ich mir von ganzem Herzen.

Ein herzliches Dankeschön für Ihr Kommen und Ihre Anwesenheit!

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