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Rede von Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka anlässlich einer Chanukka-Feier im Palais Epstein

Montag, 3. Dezember 2018

Liebe Mitglieder des Seniorenclubs des Café Centropa! Es ist für uns eine ganz große Freude, dass wir Sie heute hier im Palais Epstein anlässlich des Chanukka-Festes auch in einem besonderen Jahr willkommen heißen können. Es ist, glaube ich, ein ganz besonderer Moment: erstens, weil das unser – unter Anführungszeichen – „Ausweichquartier“ des Parlaments ist, das Sie derzeit in Renovierung befindlich sehen, und zweitens, weil es auch einen schönen Rahmen für das Chanukka-Fest gibt.

Ich freue mich, dass der Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde bei uns zu Gast ist. Lieber Oskar Deutsch, herzlich willkommen! 

Ich freue mich, dass Oberrabbiner Eisenberg bei uns ist. Das ist eine große Freude!

Ich freue mich, dass der Chef von Centropa hier ist. Ich habe sein Wirken erst vor Kurzem in Mazedonien kennenlernen dürfen. Herzlich willkommen, Herr Serotta!

Was wäre eine Veranstaltung, bei der es um jüdische Feste und Angelegenheiten unserer jüdischen Gemeinde geht, wenn nicht die Frau Botschafterin des Staates Israel hier auch zugegen wäre? – Frau Botschafterin, herzlich willkommen!

Sie kommt natürlich nicht alleine, sie hat gleich einen Botschafterkollegen mitgenommen. Daher darf ich auch den deutschen Botschafter recht herzlich bei uns willkommen heißen!

Sie wissen, dass wir in diesem Jahr 80 Jahre des Beginns der Naziherrschaft in Österreich gedenken, der Schoah, die vielen Familien von Ihnen ungeheures Leid zugefügt hat. Sie wissen, dass die Republik Österreich auch eine gewisse Zeit gebraucht hat, sich ihrer Geschichte so zu stellen, dass wir heute auch aufrecht – trotz allem Leid – sagen können: Wir bitten nicht nur um Verzeihung, sondern wir tun, was in unseren Möglichkeiten steht. Eine Frau, die uns dabei auch im Nationalfonds ganz wesentlich begleitet hat, ist Hannah Lessing. Auch sie darf ich recht herzlich willkommen heißen!

Es freut mich, dass dieses Chanukka-Fest möglich geworden ist und dass es von einer Frau organisiert wurde. Wenn es dann brennt, dürfen Frauen nicht mehr arbeiten; ich habe gehört, dann sind Frauen von der Arbeit befreit. Dann müssen endlich alle Männer Hand anlegen. – Es gibt sogar zögerlichen Applaus. Herr Mag. Fastenbauer, ich bin neugierig darauf!

Ich denke, es ist in unseren Religionen ganz wichtig – auch wenn wir immer wieder in die Geschichte zurückblicken und es da viel Traurigem zu gedenken gilt –, dass wir auch bereit sind zu feiern, wenn es ein besonderes Fest gibt, das auch ein wenig Licht bringen soll. Sie wissen, wir feiern jetzt den Advent. Wir feiern den Advent, in dem wir auch in Österreich die Ankunft des Messias begehen. Es ist eigentlich eine Fastenzeit und eine stille Zeit, aber es ist auch eine Zeit des Lichtes – bescheidenerweise: Es brennt derzeit nur eine Kerze am Adventkranz.

Sie haben ein wunderbares Fest, das an das Jahr gemahnt – für jene, die in der jüdischen Zeitrechnung nicht so firm sind: das Jahr 164 vor Christi Geburt –, als die Wiedereinweihung dieses Tempels gefeiert wurde. Ich denke, für uns ist es notwendig, aus der Geschichte Vertrauen zu gewinnen, um auch für die neuen Herausforderungen offen zu sein. Es gemahnt ja auch an Hanna, die mit ihren sieben Söhnen die jüdische Religion nicht verraten hat und mit diesem Glauben und mit dieser Festigkeit das zum Ausdruck bringt, das auch heute unsere Leitschnur ist, nämlich zu unserem Glauben und zu unserer Identität zu stehen. Schlussendlich ist das auch für das Selbstbehauptungsrecht der Juden und Jüdinnen etwas ganz Wesentliches.

So freue ich mich, dass wir Sie heute hierher bitten durften, dass Sie unserer Einladung gefolgt sind. Ich hoffe, dass Sie anschließend auch noch im ersten Stock, wenn es in den unterhaltsamen und gemütlichen Teil übergeht, unsere Gäste sind. In diesem Sinne: Ein herzliches Willkommen und ein schönes Fest die nächsten Tage hindurch!