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Rede von Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka anlässlich der Podiumsdiskussion: "80 Jahre Beginn des II. Weltkriegs - Überfall auf Polen", 02.09.2019

Montag, 2. September 2019

Es gilt das gesprochene Wort.

Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin!
Sehr geehrter Herr Präsident!
Sehr geehrte Exzellenzen!
Vor allem werte Wissenschafter, die Sie uns heute Einblick in diese Thematik geben!

Ich freue mich, dass Sie sich bereit erklärt haben, vor Publikum zu diskutieren, um Ihre Erkenntnisse im Dialog auch für uns zu erweitern und zu vertiefen.

Ich komme gerade aus Warschau, wo ich als Vertreter Österreichs an den Gedenkfeiern teilnehmen durfte. Dieser Tag in Warschau hat mir wieder mehr Verständnis für das heutige Polen gebracht, weil ich mit Journalisten sowie mit Überlebenden, die dieses Terrorregime in unseren Konzentrationslagern in Mauthausen und Gusen überlebt haben, reden konnte und dann auch noch eine äußerst emotionale Aufführung des Requiems von Krzysztof Penderecki miterleben durfte, bei der – was unüblich ist – im Hintergrund Bilder zur polnischen Geschichte gezeigt wurden.

Der Herr Präsident hat schon angesprochen, dass Polen, das Hitler überfallen hat, nachdem er Österreich, das Sudetengebiet und die gesamten Tschechoslowakei einfach okkupiert hatte, für Europa zu einem ganz besonderen Beispiel der Aggressivität Hitlers geworden ist.

Vor 80 Jahren hat das Deutsche Reich aus Größenwahn, Menschenverachtung und rassistischen Überlegungen mit einer nie dagewesenen Aggressivität und Brutalität einen Vernichtungskrieg entfacht, in dessen Asche 65 Millionen Menschen begraben wurden. 13 Millionen oder noch mehr Menschen – die Zahlen gehen da noch höher – wurden ermordet. Es wurde schon angesprochen: Das war etwas noch nie Dagewesenes, etwas aus historischer Sicht nicht Vergleichbares, und alle heutzutage immer wieder getätigten Vergleiche muten angesichts der Einmaligkeit dieses Verbrechens fast obszön an.

Auch wenn es damals als Staat nicht bestanden hat, war Österreich daran beteiligt. Wir haben lange gebraucht, bis wir uns ganz bewusst dieser Vergangenheit gestellt haben. Ich glaube, jede Nation, jeder Staat benötigt ein klares Bekenntnis zu seiner Geschichte, um seine Zukunft nachhaltig gestalten zu können. Mit der Gründung der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl wurde etwas geschaffen, das sich heute als Europäische Union präsentiert – es ist aber nicht fertig, weil wir noch die Aufgabe haben, diese Union zu komplettieren, insbesondere am Westbalkan –, auf das wir auf der einen Seite durchaus stolz sein dürfen – die EU wird schließlich immer als die Friedensunion apostrophiert –, auf der anderen Seite müssen wir aber Obacht geben, dass dieses Europa nicht durch Nationalismen, Chauvinismen, wieder aufkeimenden Antisemitismus und Rassismus in Gefahr gebracht wird.

Alleine zu bestehen wird wohl nicht nur aus wirtschaftlichen, sondern vor allem auch aus gesamteuropäischen und kulturellen Überlegungen und Verantwortlichkeiten nicht möglich sein. Kein Staat kann sich aus Europa verabschieden! Deshalb ist es für uns so wichtig, zurückzusehen, wie es damals gewesen ist. Natürlich gibt es immer unterschiedliche Sichtweisen auf die historische Faktenlage, wir sollten aber nicht müde werden, zu den Quellen vorzudringen. Auch in Österreich entdecken wir immer wieder Massengräber – durch Zufall oder aufgrund historischer Forschung –, die deutlich machen, wie wir das Vergessen über das Geschehene zu stülpen versucht haben.

Gerade angesichts dieses Gedenkens der Ereignisse von vor 80 Jahren wünsche ich mir, dass wir nicht nur die historische Erinnerung wachhalten, sondern auch unseren daraus entstehenden Auftrag für das Heute und das Morgen erfüllen: eine Stärkung der Demokratie, eine Stärkung der Rechtsstaatlichkeit und eine Stärkung des Vertrauens in die Demokratie und die Rechtsstaatlichkeit, um das Zusammenleben der Menschen und Völker bestmöglich zu organisieren.

In diesem Sinne: ein herzliches Dankeschön an die Historikerrunde! Ich freue mich auf die, wie ich meine, spannende Diskussion. – Danke schön.