Parlamentskorrespondenz Nr. 762 vom 21.07.2026

Antworten auf gesellschaftliche und wirtschaftliche Krisen durch Forschung, Technologie und Innovation

Österreichischer Forschungs- und Technologiebericht 2026 zu Schwerpunkten der österreichischen FTI-Politik

Wien (PK) – Der Forschungs- und Technologiebericht gibt Auskunft über die aus Bundesmitteln geförderten Maßnahmen in den Bereichen Forschung, Technologie und Innovation (FTI). Den aktuellen Bericht für 2026 haben Wissenschaftsministerin Eva-Maria Holzleitner, Innovationsminister Peter Hanke sowie Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer (III-345 d.B.) gemeinsam vorgelegt.

Schwerpunkte der österreichischen FTI-Politik sind dabei Fragen der Sicherheit, der Resilienz und der technologischen Souveränität im Einklang mit den europäischen Zielen vor dem Hintergrund gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Krisen, geopolitischer Spannungen und tiefgreifender struktureller Veränderungen. Gleichzeitig würden sich aber auch neue Chancen für Wohlstand, Innovation, Arbeitsplätze und Zusammenarbeit ergeben. Daher entwickle man bestehende strategische Ansätze der FTI-Politik mittels der österreichischen Industriestrategie 2035 konsequent weiter, um diese Potenziale gezielt zu nutzen und zukunftsorientiert zu gestalten, betonen die Ressortverantwortlichen im Vorwort des Berichts.

Resilienz und technologische Souveränität als übergeordnete Ziele in geopolitisch herausfordernden Zeiten

Resilienz und technologische Souveränität sind laut den drei Ressortverantwortlichen die Leitlinien der österreichischen FTI-Politik. Damit solle auf eine zunehmend komplexe Bedrohungslage – geprägt durch geopolitische Spannungen, hybride Angriffe, wirtschaftliche Abhängigkeiten und die Folgen des Klimawandels – ressortübergreifend reagiert werden. Prioritäre Themen seien dabei Cybersicherheit in der Forschung, Wissenschaftskommunikation und Vertrauensbildung, die Versorgungssicherheit mit kritischen Rohstoffen sowie die Stärkung des Standorts in Schlüsseltechnologiefeldern wie der Halbleiterindustrie.

Bei der Forschungssicherheit verfolge die Bundesregierung einen strategischen, risikobasierten Ansatz, um die österreichischen Universitäten und Forschungseinrichtungen beim Aufbau eines institutionellen Risikomanagements zu unterstützen, teilt der Bericht mit. Das BMFWF finanziere den Cyber Resilience Plan für die Jahre 2025–2027 mit 45 Mio. €. Mit der Initiative zur Verankerung der Friedens- und Konfliktforschung auf europäischer Ebene solle Forschung zu den geopolitischen Herausforderungen für Europa, zur regionalen und globalen Rolle Europas und zu den verschiedenen Dimensionen von Frieden und Sicherheit gefördert werden.

F&E-Quote in Österreich weiter über Zielwert

Laut dem Forschungs- und Technologiebericht 2026 lag Österreich erneut unter den Top-3-Ländern hinsichtlich Aufwendungen für Forschung und Entwicklung im EU-Vergleich. Österreichs Forschungsquote übertraf zum 13. Mal in Folge den europäischen Zielwert von 3 %. Die Statistik Austria schätzte Ende April, dass sie für das Jahr 2026 bei 3,34 % liegen werde. Mit dem 4 %-Ziel für die Forschungsquote bekenne sich die Bundesregierung in ihrem Regierungsprogramm klar zu einem starken und international wettbewerbsfähigen Forschungs- und Innovationsstandort, hält der Bericht fest.

Auch bei anderen FTI-Indikatoren und Innovationsrankings zähle Österreich EU-weit zu den führenden Ländern. Das Wachstum der vergangenen Jahre beim Anteil der F&E-Beschäftigten an der gesamten Erwerbsbevölkerung habe sich fortgesetzt und zum dritten Mal einen Anteil von über 2 % ergeben.

Österreich weiterhin "Strong Innovator"

Laut dem European Innovation Scoreboard befinde sich Österreich mit einem guten 8. Platz im EU-Vergleich weiterhin in der Gruppe der Strong Innovators, stellt der Bericht fest. Die internationalen FTI-Rankings würden zeigen, dass man bei den MINT-Graduierten erneut Platz 2 habe halten können. Bei den ERC-Grants 2024 (European Research Council) liege Österreich auf Platz 2. Österreich habe auch einen überdurchschnittlichen Anteil an Patentanmeldungen im Bereich nachhaltiger Technologien im EU-Vergleich. Bei der Anzahl an Patentmeldungen im Bereich Quantentechnologien habe Österreich die bereits sehr starke Platzierung im EU-27-Vergleich um einen Rang auf Platz 2 verbessern können.

Zwischen hohen Forschungsaufwendungen und dem tatsächlichen wirtschaftlichen Output werde aber weiterhin ein Missverhältnis festgestellt, heißt es im Bericht. Die Bundesregierung wolle daher Schritte setzen, damit aus Spitzenforschung künftig noch mehr Innovation, Wertschöpfung und wirtschaftliche Anwendungen am Standort Österreich entstehen.

FTI-Strategie 2030 und Umsetzung durch das FoFinaG

Der maßgebliche Rahmen für die FTI-Politik Österreichs ist die FTI-Strategie 2030. Die Umsetzung der Strategie erfolgt ressortübergreifend über dreijährige FTI-Pakte auf Basis des Forschungsfinanzierungsgesetzes (FoFinaG). Das FoFinaG stellt auch die Grundlage für die Governance der elf zentralen Einrichtungen der außeruniversitären Forschung und der Forschungsförderung dar. Um mit den öffentlichen Universitäten auch die zentralen Trägerinnen der Grundlagenforschung in Österreich berücksichtigen zu können, werden durch den jeweils geltenden Gesamtösterreichischen Universitätsentwicklungsplan (GUEP) jene Ziele und Handlungsfelder der FTI-Strategie und des Paktes mittelbar umgesetzt, die mit den Schwerpunkten des GUEP korrespondieren.

Der FTI Pakt 2027–2029 legt laut dem Bericht den Fokus auf die Förderung von Schlüsseltechnologiefeldern, die Stärkung von exzellenter Forschung und Technologietransfer und Diffusion und Impact von Forschungsergebnissen. Er umfasse auch Initiativen zur Erreichung der Klima- und Energieziele durch eine Transformations-Offensive, die Stärkung europäischer und internationaler Kooperation sowie Forschungssicherheit, Qualifizierung, Nachwuchsförderung und Gleichstellung, Effizienz und Effektivität im FTI-System und die Stärkung von Vertrauen in Wissenschaft und Demokratie.

Die im Jahr 2025 durchgeführte Halbzeitevaluierung der FTI-Strategie bescheinige eine gute Umsetzung, hält der Bericht fest. Sie habe aber zugleich eine Fokussierung auf Wirkungsorientierung bzw. Effizienz des öffentlichen Mitteleinsatzes empfohlen. Weitere Punkte, die es zu beachten gelte, sind Qualifikation und Talente, private Investitionen und Risikokapital sowie die Entwicklung und der Einsatz kritischer Schlüsseltechnologien zur Steigerung der Innovationsleistung.

Mehr Wettbewerbsfähigkeit durch Industriestrategie 2035

Ziel der neuen Industriestrategie Österreich 2035 ist es, Österreich bis 2035 unter die zehn wettbewerbsfähigsten Industrienationen zu bringen. Um dabei Forschung und Innovation als zentralen Wachstumsmotor für die heimische Wirtschaft zu nützen, sollen im Zuge der Strategie bis 2029 rund 2,6 Mrd. € in Schlüsseltechnologien und Stärkefelder investiert und Wettbewerbsfähigkeit, Resilienz und nachhaltiges Wachstum des Industriestandorts langfristig gesichert werden. Die Strategie setze auf eine Stärkung der industriellen Innovationskraft, einen höheren Innovationsoutput sowie einen beschleunigten Technologietransfer von der Forschung in die Anwendung, führt der Bericht aus.

Zentral sei dabei die Schlüsseltechnologie-Offensive. Sie identifiziert neun Schlüsseltechnologien und industrielle Stärkefelder: Künstliche Intelligenz, Halbleiter, fortgeschrittene Produktionstechnologien, Quantentechnologien, Advanced Materials, Life Sciences, Energie- und Umwelttechnologien, Mobilität sowie Luft- und Raumfahrt. Von 2026 bis 2029 sollen für die Schlüsseltechnologie-Offensive rund 2,6 Mrd. € bereitgestellt werden.

Weitere Kernelemente der Strategie mit FTI-Bezug sind die Transformations-Offensive, die Stärkung des Technologietransfers und der strategischen öffentlichen Beschaffung, sowie FTI-Beiträge in den Bereichen Weltraum, Kreislaufwirtschaft und Mobilität. Als wichtige Initiativen nennt der Bericht auch das Impulsprogramm "Industrielle Schlüsseltechnologien – Leitbetriebe 2030", das Förderprogramm TWIN TRANSITION und den Startup- und Scale-up-Dachfonds.

Maßnahmen im Rahmen der FTI-Strategie

Die Umsetzung der FTI-Strategie wird von zahlreichen Maßnahmen und damit einhergehenden Förderungsaktivitäten auf nationaler Ebene begleitet. Zu den laut Bericht "mit großem Mehrwert für Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft auf nationaler Ebene eingeführten bzw. beschlossenen FTI-Maßnahmen" zählen etwa die AI Factory, das Förderungsprogramm für KMU "Markt.Einstieg", die Initiative MINT-Regionen, die Schaffung von Zentren der Forschungs- und Wissenschaftskommunikation sowie der Österreichische Forschungsinfrastruktur-Aktionsplan 2030.

Aktuelle Entwicklungen im Hochschulbereich

Da das FTI-System und das Hochschulsystem sich wechselseitig bestärken, hat das BMFWF die "Hochschulstrategie 2040" in Form eines breit angelegten, partizipativen und ergebnisoffenen Strategiediskurses lanciert. Ziel laut dem Bericht ist es, bis zum ersten Quartal 2027 eine Strategie für Österreichs Hochschulen bis 2040 zu erstellen. Von der Strategie erwarte man sich auch zukunftsweisende Impulse für das österreichische FTI-System. Themen seien dabei etwa die Stärkung wettbewerbsfähiger, inklusiver Wissenschaftskarrieren und damit einhergehend attraktive Rahmenbedingungen für Forschende und Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler.

Da Wissenschaftskommunikation und Science Engagement an Bedeutung gewinnen würden, habe man entsprechende Maßnahmen in die Leistungsvereinbarungen der öffentlichen Universitäten für 2025–2027 integriert. Damit wolle man Desinformation und dem schwindenden Vertrauen in Wissenschaft und Demokratie entgegenwirken. (Schluss) sox


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