Parlamentskorrespondenz Nr. 775 vom 29.07.2026
Zahl der Fahrgäste im Bahnverkehr 2025 etwas gesunken, Güterverkehr zeigte leichten Anstieg
Bericht der Schienen-Control über die Entwicklung im österreichischen Eisenbahnverkehr
Wien (PK) – Die Aufgabe der Schienen-Control ist es, als Eisenbahnregulierungsbehörde über den gleichberechtigten Zugang aller Eisenbahnunternehmen zum Schienennetz zu wachen und einen freien und diskriminierungsfreien Wettbewerb auf der Schiene zu gewährleisten. Mobilitätsminister Peter Hanke hat dem Nationalrat den aktuellen Jahresbericht über die Tätigkeit der Behörde für das Jahr 2025 (III-377 d.B.) vorgelegt.
Leichter Rückgang der Fahrgastzahlen
Die Schienen-Control bewertet die Entwicklung des österreichischen Schienenpersonenverkehrs für 2025 als grundsätzlich positiv. Der Bericht verweist auf ein anhaltend hohes Leistungsvolumen von 138,9 Mio. Personenzugkilometern, die erbracht wurden. Damit lag die Bahn leicht über dem Wert des Jahres 2024. Insgesamt wurden 2025 rund 347,5 Mio. Reisende gezählt, was einen Wert knapp unter dem Niveau von 2024 bedeutet bzw. einen Rückgang von rund 0,3 %. Die ÖBB-Personenverkehr AG verzeichnete dabei sogar einen Rückgang der Fahrgäste von zwei Prozent. Die Mitbewerber der ÖBB konnten hingegen ihre Anteile im Personenreiseverkehr deutlich ausbauen. Sie beförderten 2025 bereits knapp 16 % der Reisenden.
Ausschlaggebend für den leichten Rückgang der Fahrgastzahlen war laut dem Bericht vor allem der Nahverkehr. Hier machten sich die zweimonatige Sommersperre der Wiener S-Bahn-Stammstrecke und der Trend zur verstärkten Nutzung von Homeoffice bemerkbar. Im Fernverkehr stiegen hingegen die Fahrgastzahlen um ein Prozent an.
Anstieg des Beförderungsvolumens im Güterverkehr
Im Schienengüterverkehr stieg 2025 das Volumen um knapp fünf Prozent. Nach dem deutlichen Rückgang im Jahr 2023 war 2025 mit rund 117,6 Mio. beförderten Nettotonnen das zweite Jahr in Folge wieder ein leichter Anstieg zu verzeichnen. Der Marktanteil der Rail Cargo Austria ging dabei weiter zurück und betrug 2025 rund 52 % der Nettotonnenkilometer.
Auf den Haupttransitachsen dominierten zudem die Mitbewerber der Rail Cargo Austria den Schienengüterverkehr deutlich. Sie erzielten auf der Brenner- und Westachse jeweils über 60 % Marktanteil bei den Bruttotonnenkilometern. Der Bericht kommt zu einer gemischten Bilanz. Zum einen habe der wachsende Wettbewerb den Markt belebt, andererseits sei die Leistungsfähigkeit des Schienengüterverkehrs nun über mehrere Jahre hinweg nicht wesentlich gesteigert worden.
Als Grund dafür wird auf die angespannte konjunkturelle Situation verwiesen. Auch würden baustellenbedingte Streckensperren, insbesondere die Generalsanierungen im deutschen Netz und die Sperre der Tauernbahn, den Güterverkehr belasten. Umleitungen, die höhere Kosten verursachen, hätten den Verlagerungsdruck hin zur Straße verschärft, insbesondere bei den Transportarten Einzelwagen- und Kombinierter Verkehr, die im direkten Wettbewerb zum Lkw-Verkehr stehen, stellt die Schienen-Control fest. Insgesamt nehme der Bedarf an Trassen außerhalb des Jahresfahrplans zu. Darin zeige sich, dass der Schienengüterverkehr dringend bessere Planbarkeit der Trassenführung benötige, insbesondere im Zusammenhang mit Baustellen-Koordination.
Mehr Bewerber am Schienenverkehrsmarkt
Ende 2025 waren laut dem Bericht in Österreich 98 Eisenbahnunternehmen tätig, wovon elf im Vergleich zum Vorjahr neu hinzugekommen waren, hauptsächlich im Güterverkehr. Insgesamt waren im Berichtsjahr 74 Unternehmen berechtigt, das ÖBB-Netz zu nutzen. Davon gehörten vier zum ÖBB-Konzern, neun standen mehrheitlich unter Kontrolle ausländischer Marktführer, 13 im öffentlichen und 48 im privaten Eigentum.
Im Fernverkehrsmarkt setzte sich 2025 der intensive Wettbewerb zwischen ÖBB-Personenverkehr, Westbahn und RegioJet fort. Vor allem wird dazu von den Unternehmen der Ticketverkauf genützt, indem bei einem frühen Kauf Rabatte von bis zu 70 % und mehr gegenüber dem Standardtarif gewährt würden, berichtet die Schienen-Control. Gegenüber dem Vorjahr seien die Ticketpreise jedoch im Durchschnitt mehrheitlich gestiegen, insbesondere auch beim Klimaticket.
Stand des österreichischen Schienennetzes
Im Jahr 2025 wuchs das österreichische Schienennetz um 17 Kilometer auf insgesamt 5.638 Kilometer. Maßgeblich war dafür vor allem die vollständige Inbetriebnahme der Koralmstrecke zwischen Graz und Klagenfurt. Das volle Wirkungspotenzial für den Fern- und Nahverkehr werde jedoch erst ab 2026 vollständig in den Fahrgastzahlen sichtbar werden, merkt der Bericht an. Die Verbindung Bruck an der Leitha – Petronell-Carnuntum wurde Ende 2025 stillgelegt.
Weitere Infrastrukturprojekte umfassten die Elektrifizierung von Zubringerstrecken zum Cargo Center Graz sowie die Strecke Wettmannstätten – Wies-Eibiswald. Der Gesamtanteil der elektrifizierten Strecken lag in Österreich bei rund 76 %. Anfang 2025 seien mit der Elektrifizierung der Mattersburgbahn und der Traisentalbahn weitere Projekte initiiert worden.
Die Netzbelastung durch Bauarbeiten habe sich gegenüber dem Vorjahr erhöht, gibt die Schienen-Control bekannt. 2025 habe man 126 mehrtägige Baustellen verzeichnet, die zu Kapazitätseinschränkungen von über 30 % führten, gegenüber 115 im Jahr 2024. Vor allem hätten sich Sperren von mehr als drei Wochen fast verdoppelt.
Im Rahmen des Modernisierungsprogramms der ÖBB-Infrastruktur AG seien zahlreiche Bahnhöfe barrierefrei ausgebaut, neue Haltepunkte eröffnet oder verlegt und einige wenige alte Stationen aufgelassen worden. Auch grenzüberschreitend habe es Fortschritte im Eisenbahnnetz gegeben. Hervorgehoben wird die vollständige Inbetriebnahme der elektrifizierten Verbindung zwischen Marchegg und Devínska Nová Ves in der Slowakei.
Bei den Anschlussbahnen sei ein leichter Rückgang zu verzeichnen, teilt die Schienen-Control mit. Von den 930 erreichbaren Gleisanschlüssen seien lediglich 488 tatsächlich bedient wurden, um sechs weniger als 2024. Die Hälfte des gesamten Umschlags entfalle dabei auf nur 16 Unternehmen, angeführt von voestalpine Linz, gefolgt von voestalpine Donawitz, Linz Service GmbH und dem Ennshafen. Der Stadthafen Linz sei mit 20 Anschlussbahnen weiterhin der am dichtesten vernetzte Bahnhof Österreichs, merkt der Bericht an.
Pünktlichkeit im Bahnverkehr 2025
Die Pünktlichkeit im österreichischen Personenverkehr verbesserte sich laut dem Bericht im Jahr 2025 auf ein durchschnittliches Niveau von 94,1 % (gemessen ab einer Verspätung von 5 Minuten und 29 Sekunden). Der Nahverkehr liege dabei mit 94,8 % Pünktlichkeit weiterhin deutlich vor dem Fernverkehr, der sich nur leicht auf 81,4 % steigern habe können. Die Westbahn habe im Fernverkehr mit 85,7 % etwas besser abgeschnitten.
Als besonders sieht die Schienen-Control dabei die grenzüberschreitenden Züge aus Deutschland, Italien und Ungarn. Als Hauptursachen für Verspätungen im Personenverkehr zeigten sich laut dem Bericht Probleme der Eisenbahnverkehrsunternehmen selbst (29 %), wie etwa Fahrzeugdefekte sowie Infrastrukturausfälle (24 %). Im Fernverkehr werden hingegen Störungen durch Nachbarbahnen (34 %) als Verursacher von Verspätungen benannt.
Schwerpunkte der Arbeit der Schienen-Control Kommission
Die Schienen-Control Kommission eröffnete im Berichtsjahr 2025 mehrere Verfahren zu Themen wie Bahnstrom, Zugang zur Eisenbahninfrastruktur, Serviceeinrichtungen und Serviceleistungen sowie Entgelten und Wegeentgelten. Der Bericht verweist unter anderem auf ein mehrere Jahre dauerndes Verfahren, dessen Inhalt die Rechtmäßigkeit der Entgelte eines Eisenbahninfrastrukturunternehmens, der gewährte Zugang zur Infrastruktur und zur Nutzung von Stationen sowie von Bahnstrom waren. Hier habe das von der Schienen-Control eingeleitete Wettbewerbsüberwachungsverfahren zu beträchtlichen Tarifsenkungen geführt. Rund 164,7 Mio. € seien den Eisenbahnverkehrsunternehmen rückvergütet worden, teilt die Schienen-Control mit.
Die Beschwerde eines Eisenbahnverkehrsunternehmens wegen der Ablehnung einer von ihm bestellte Ad-hoc-Trasse führte laut dem Bericht zur Zusage des betroffenen Infrastrukturunternehmens, für Verbesserungen bei der Bearbeitung von Anträgen zu sorgen. Die Regulierungsbehörde beobachte derzeit auch die Umsetzung von Instandhaltungsfenstern auf einigen eingleisigen Strecken, teilt der Bericht mit.
Eine Lösung sei auch für den Zugang zu begehrten Örtlichkeiten für den Fahrscheinverkauf in Wien Hauptbahnhof, Wien Meidling und Graz Hauptbahnhof gefunden worden. Die Beschwerde eines Eisenbahnverkehrsunternehmens betreffend den Zugang zu einer spezifischen Softwareapplikation eines Infrastrukturbetreibers habe die Schienen-Control hingegen abgewiesen.
Der Bericht verweist auch darauf, dass die Schienen-Control weiterhin intensiv in die europäische Zusammenarbeit der Eisenbahnregulierungsbehörden eingebunden sei. Insbesondere wirke sie in Netzwerken wie IRG-Rail (Independent Regulators' Group – Rail), ENRRB (European Network of Rail Regulatory Bodies) und SERAF (Single European Railway Area Forum) mit, um regulatorische Fragen zu koordinieren und den EU-Gesetzgebungsprozess mitzugestalten. (Schluss) sox