Österreichische Jugendstrategie in den Bereichen Bildung, Beteiligung, Lebensqualität und Miteinander
Vierter Umsetzungsbericht informiert über Maßnahmen und Fortschritte in den einzelnen Handlungsfeldern
Wien (PK) – Ziel der österreichischen Jugendstrategie ist es, die Jugendpolitik aller Ressorts zu koordinieren sowie unter Einbindung junger Menschen und relevanter Stakeholder Handlungsbedarfe zu erkennen und entsprechende Maßnahmen zu entwickeln. Der nun vom Bundeskanzleramt vorgelegte vierte Umsetzungsbericht informiert über die bestehenden jugendpolitischen Aktivitäten sowie über die Fortschritte in den vier Handlungsfeldern Bildung und Beschäftigung, Beteiligung und Engagement, Lebensqualität und Miteinander sowie Medien und Information. Die Gesamtkoordination und strategische Weiterentwicklung obliegt dem Kompetenzzentrum Jugend im BKA, wobei die Ziele gemeinsam mit allen Ressorts entwickelt werden (III-375 d.B.).
Im Fokus der 35 Ziele umfassenden Jugendstrategie stehen alle 14- bis 24-Jährigen in Österreich, einzelne der insgesamt 169 Maßnahmen richten sich jedoch auch an Kinder und Personen bis 30 Jahre. Die Einbindung der Lebensrealität junger Menschen ist in Form von sogenannten Reality Checks vorgesehen, wobei bei rund der Hälfte der Maßnahmen eine direkte Beteiligung gegeben war. In knapp zwei Dritteln der Fälle wurden Organisationen mit Jugendexpertise involviert.
Der Bericht enthält zudem eine Zusammenschau aller nationalen Aktionspläne und Strategien, die einen jugendpolitischen Beitrag leisten. Ein eigenes Kapitel des rund 232 Seiten umfassenden Berichts widmet sich zudem der internationalen Einbettung der österreichischen Jugendstrategie und insbesondere der Zuordnung zu den European Youth Goals.
Neugestaltung der Jugendziele in Aussicht gestellt
Ziel der Jugendpolitik sei es, junge Menschen zu einem selbständigen und eigenverantwortlichen Leben zu befähigen und ihre produktiven und kreativen Potenziale für gemeinschaftliches und gesellschaftliches Engagement nutzbar zu machen, wird im Bericht hervorgehoben. Die österreichische Jugendstrategie stelle dabei ein zentrales Instrument dar, da sie das Bewusstsein dafür stärke, dass junge Menschen in allen Ressorts als zentrale Akteurinnen und Akteure wahrgenommen werden und dazu beitrage, dass ihre Bedürfnisse in politische Entscheidungen einfließen.
Im Juli 2025 sei im Ministerrat eine Neugestaltung der Jugendziele beschlossen worden, um eine noch stärkere Beteiligung der Ressorts und eine bereichsübergreifende Zusammenarbeit sicherzustellen. Es sei im Laufe des Jahres 2026 geplant, die Jugendziele an aktuelle Gegebenheiten anzupassen und neue Themenfelder, die sich am aktuellen Regierungsprogramm orientieren, aufzunehmen.
Unterstützung am Bildungsweg und bei der Jobsuche
Im Bereich "Bildung und Beschäftigung" geht es vorrangig darum, jungen Menschen in Österreich die Möglichkeit zu bieten, ihre Fähigkeiten und Talente in einer sich dynamisch verändernden Welt zu entfalten. Sie sollen in die Lage versetzt werden, die Herausforderungen in Bildung und Arbeitsmarkt erfolgreich zu bewältigen. Durch qualitätsvolle Bildung, gezielte Förderung und umfassende Unterstützung könne ein solides Fundament für persönliche Entfaltung, gesellschaftliche Teilhabe und beruflichen Erfolg gelegt werden, zeigen sich die Autorinnen und Autoren überzeugt. Mit einer ganzheitlichen und inklusiven Herangehensweise soll zudem sichergestellt werden, dass alle Jugendlichen die gleichen Chancen auf ein selbstbestimmtes und erfolgreiches Leben erhalten.
Vor allem sollen auch junge Mädchen nachhaltig für MINT-Berufe begeistert und ihnen abseits von weiblichen Rollenklischees vielfältige Karrieremöglichkeiten aufgezeigt werden. Darunter fallen etwa Angebote für Lehrlinge im Ressort für Landesverteidigung, die Teilnahme an der Initiative "Astronaut for a Day" oder das digitale Jahr mit geförderter Ausbildung und bezahlter Praxis für Frauen zwischen 17 und 27 Jahren.
Als weitere konkrete Maßnahmen werden unter anderem die Einführung einer Ausbildungsgarantie bis 25, die Bereitstellung einer Berufsausbildungsassistenz für Jugendliche mit Vermittlungshindernissen, die Unterstützung junger Leute bei der Gründung ihres ersten eigenen Unternehmens (aws First Incubator) oder diverse Maßnahmen zur Förderung der Finanzbildung angeführt.
Manche Jugendliche benötigen nach Beendigung ihrer Schullaufbahn mehr Zeit und Unterstützung, um sich am Arbeitsmarkt zurechtzufinden. Daran knüpft etwa das Programm AusbildungsFit (AFit) an, das vor allem auf ausgrenzungsgefährdete junge Menschen abzielt. Das Programm 18plus wiederum richtet sich an Schülerinnen und Schüler an AHS und BHS in den beiden Jahren vor der Matura und begleitet sie bei ihrer Studien- und Berufswahl.
Im Rahmen der Initiative "Klasse Job" sollen wiederum junge Menschen für den Lehrerinnen- bzw. Lehrerberuf begeistert werden. In Ergänzung zur bisherigen Möglichkeit, als Buddy in der Sommerschule mitzuwirken, können die interessierten Jugendlichen auch schon an den Pädagogischen Hochschulen Vernetzungs- und Informationsangebote nutzen, Kurse besuchen und ECTS-Anrechnungspunkte für ein künftiges Lehramtsstudium sammeln. Seit dem Schuljahr 2024/25 gibt es ab der 8. Schulstufe auch die Möglichkeit, im Rahmen des Programms "Unterrichtsluft schnuppern" den Berufsalltag von Lehrerinnen und Lehrern hautnah kennenzulernen.
Mitreden, mitgestalten und mitbestimmen
Junge Menschen sollen bei Entscheidungen, die ihre Lebenswelt betreffen, bestmöglich mitreden, mitgestalten und mitbestimmen können. Das Handlungsfeld "Beteiligung und Engagement" widmet sich daher der Förderung der aktiven Teilhabe junger Menschen in gesellschaftlichen und politischen Entscheidungsprozessen sowie der Entwicklung von geeigneten Rahmenbedingungen und Anreizsystemen für ein freiwilliges Engagement. So werden unter anderem der Ausbau von Mitbestimmungsmöglichkeiten junger Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in Betrieben, politische Bildung im Unterricht und die aktive Mitgestaltung Jugendlicher in Politik, Wissenschaft, Klimaschutz, Kultur und Sport als Prioritäten in diesem Zusammenhang genannt.
Im Konkreten verweist der Bericht unter anderem auf Bildungsaktivitäten zur Abfallvermeidung und Kreislaufwirtschaft, die Förderung von Kunst- und Kulturprojekten mit und für Schulen, die Verleihung des "Climate Action Award" an Jugendliche, diverse Maßnahmen zur Förderung des Vertrauens in Demokratie und Wissenschaft, die Entwicklung von alternativen Sanktionierungsmaßnahmen für Jugendliche im Strafvollzug, die Etablierung einer Arbeitsgruppe "Präventive Maßnahmen gegen sexualisierte Gewalt an und durch Kinder und Jugendliche" oder den Ausbau der Hotline der Schulpsychologie, die in Kooperation mit Rat auf Draht betrieben wird.
Fortgesetzt wird auch das Projekt "Gesund aus der Krise", durch das niederschwellige psychotherapeutische und psychologische Beratungs- und Behandlungsmöglichkeiten im Einzel- und Gruppensetting für Kinder und Jugendliche bis 21 Jahre angeboten werden. Somit können im Zeitraum von Oktober 2025 bis Juni 2027 weitere ca. 30.000 Kinder und Jugendliche professionelle psychologische, psychotherapeutische und musiktherapeutische Unterstützung erhalten.
Lebensqualität und Miteinander
Junge Menschen bei ihrer Entwicklung ins Erwachsenenalter darin zu unterstützen, Verantwortung zu übernehmen und ihr Leben aktiv zu gestalten, ist eine weitere Maxime in der heimischen Jugendstrategie. Adressiert werden im Handlungsfeld "Lebensqualität und Miteinander" daher die Bereiche Gesundheit, Umwelt, Familie, Mobilität, persönliche Lebensperspektiven und Lebenszufriedenheit. Ohne die Jugendlichen zu bevormunden, sollen die persönlichen, sozialen und gesellschaftlichen Kompetenzen gestärkt werden. Der Fokus liegt auf der Förderung eines respektvollen und solidarischen Miteinanders, das den Zusammenhalt in der Gesellschaft stärkt.
Unter den Zielen dazu finden sich die Deradikalisierung junger Menschen, die Steigerung der psychosozialen Gesundheit, sichere Mobilität, die zeitgemäße Reform des Kindschaftsrechts sowie die Integrationsunterstützung für Jugendliche mit und ohne Migrationshintergrund.
Workshops in Schulen zum Thema Extremismusprävention, die Weiterentwicklung der Werte- und Orientierungskurse speziell für junge Flüchtlinge, die Initiative Wohlfühlzone, die Förderung vielfältiger Bewegungs- und Sportprogramme für Jugendliche in den Schulen, die Weiterführung des kostenloses Klimatickets für alle Grundwehr- und Zivildiener oder die Stärkung der mentalen Gesundheitskompetenzen von Schülerinnen und Schülern sind nur einige der in diesem Bereich aufgelisteten Maßnahmen. Neu eingerichtet wurde 2025 auch die Qualitätssicherungsstelle für Kinderschutz, die ein österreichweites Gütesiegel an Unternehmen und Organisationen vergibt, die mit Kindern und Jugendlichen arbeiten und diesen dabei ein sicheres und förderndes Umfeld bieten wollen.
Medien und Information
Jugendliche sind oft Vorreiter bei der Nutzung neuer Technologien und Medien, stehen aber auch vor Herausforderungen wie Cybermobbing, Hassrede und der Verbreitung von "Fake News", heißt es im Bericht. Wichtig sei daher, die Medien- und Informationskompetenz von jungen Menschen und ihres Umfelds zu fördern. Jugendliche sollen vor allem dazu befähigt werden, sich sicher, kritisch und verantwortungsvoll in der digitalen Welt zu bewegen.
Im vierten Handlungsfeld wird daher verstärkt Augenmerk auf die Bereitstellung jugendgerechter, relevanter Informationen und die Entwicklung von Kompetenzen gelegt, die es Heranwachsenden ermöglichen, fundierte Entscheidungen zu treffen und mit den Herausforderungen der digitalen Gesellschaft souverän umzugehen.
Informationen und Orientierungshilfen dazu bieten unter anderem die Websites von "Saferinternet" oder das "Österreichische Jugendportal", das auch einen Faktencheck zum Thema künstliche Intelligenz anbietet. Gleichzeitig werden auch Bildungsveranstaltungen für Eltern zur Stärkung der Medienkompetenz in der Familie organisiert.
Im Zuge des Gewaltpräventionsprogramms "All Right – Alles was Recht ist!" werden Beratungen und Schulungen von jungen Erwachsenen im Alter von 13 bis 17 Jahren durchgeführt, wobei ein straffreies Heranwachsen der Jugendlichen im Vordergrund steht. 2025 erfolgte eine Anpassung des Programms, um geschlechterspezifische Unterschiede in der Wahrnehmung von Gewaltsituationen besser zu berücksichtigen.
Derzeit wird auch an einem Materialienkoffer für Schulklassen und Jugendzentren gearbeitet, der nicht nur Informationen zum Digital Services Act (DSA), sondern auch zum Thema sexualisierte Online-Gewalt enthalten soll. Da freie Medien Schülerinnen und Schülern eine gute Gelegenheit bieten, journalistische Techniken zu üben und praktische Erfahrungen zu sammeln, werden entsprechende Workshops auch finanziell unterstützt. (Schluss) sue