E-Control: Wettbewerb nimmt auf Energiemärkten wieder zu
Tätigkeitsbericht der Regulierungsbehörde für 2025 liegt vor
Wien (PK) – Im Jahr 2025 hat sich im Vergleich zu den vorhergehenden Krisenjahren der Strom- und Gasmarkt wieder etwas erholt, ziehen die Vorstände der E-Control Wolfgang Urbantschitsch und Alfons Haber im Tätigkeitsbericht der Regulierungsbehörde für 2025 Bilanz (III-401 d.B.). Trotz schwieriger geopolitischer Entwicklungen habe es 2025 keine Versorgungsprobleme mit der Strom- oder Gasversorgung gegeben. Die Konsumentinnen und Konsumenten könnten sich in Österreich auf eine sichere Versorgung mit Strom und Gas verlassen, wird im Bericht betont. Weitere Themen des Tätigkeitsberichts sind die Entwicklung des Strom- und Gasverbrauchs, der Stand des Ausbaus Erneuerbarer Energien, aber auch die Darstellung von Energiearmut.
Höherer Stromverbrauch 2025
Der Stromverbrauch stieg 2025 um 2,5 % gegenüber 2024. Unter Berücksichtigung der Pumpspeicherung stieg er in diesem Zeitraum um 3 %. Von den 2.250 GWh Mehrverbrauch entfallen 513 GWh auf Pumpspeicherung, 45 GWh auf Kraftwerks-Eigenbedarf und Transportverluste sowie 1.692 GWh auf elektrischen Endverbrauch. Die energetische Bedarfsdeckung aus erneuerbaren Energien belief sich 2025 auf 77,9 %. Außerdem wurde Österreich im Berichtsjahr mit 4,1 TWh wieder zum Netto-Importeur.
Die Verfügbarkeit der Stromversorgung war laut E-Control auch 2024 wieder "sehr gut". So betrugen die ungeplanten Versorgungsunterbrechungen exklusive regional außergewöhnlicher Ereignisse 23,41 Minuten. Die absolute Anzahl aller ungeplanten Ausfälle sank im Vergleich zu 2023.
Kalter Winter erhöhte Gasverbrauch
Auch der Gasverbrauch stieg gegenüber 2024. Aufgrund des höheren Bedarfs für Wärme- und Stromerzeugung von Februar bis April und im Oktober wurden 6.337 GWh bzw. 8,3 % mehr an Gas benötigt. Damit setzte sich der Abwärtstrend der Vorjahre nicht fort. Der Speicherstand zum 1. Oktober 2025 betrug 85,6 TWh, das waren im Vergleich zum Vorjahr um 9,1 % weniger. Aufgrund des Transitstopps russischen Gases durch die Ukraine gab es 2025 signifikante Änderungen beim Import und Export. So nahmen etwa die Importe aus Deutschland und Italien um 300 % bzw. 1.300 % zu, während die Importe aus der Slowakei beinahe zum Erliegen kamen. Andere Quellen und hier insbesondere LNG-Lieferungen gewannen an Bedeutung. Nach den Gasversorgungsszenarien der E-Control sei die Gasversorgung für die kommenden zwei Jahre in allen gerechneten Szenarien gesichert und die strategische Gasreserve müsse nicht in Anspruch genommen werden.
Erdgasinfrastruktur künftig für Wasserstoffversorgung
Im Verteilnetz geht die Anzahl der Zählpunkte weiterhin leicht zurück, was zu Überlegungen für Stilllegungen führt, ist dem Bericht zu entnehmen. Mit rechtlichen Vorgaben aus dem Dekarbonisierungspaket der EU soll ein Rechtsrahmen für Investitionen in die Wasserstoffinfrastruktur geschaffen werden. Mit der Umwidmung der bestehenden Erdgasinfrastruktur für Wasserstoff soll die Transformation in diesem Bereich möglichst kosteneffizient erfolgen. So soll unter anderem eine der drei TAG-Pipelines auf 380 km für Wasserstoff umgerüstet werden.
Ausbau erneuerbarer Energien verläuft bei Strom planmäßig
Das Erneuerbaren-Ausbau-Gesetz (EAG) verpflichtet Österreich, bis 2030 den gesamten Stromverbrauch bilanziell aus erneuerbaren Quellen zu decken und den Anteil erneuerbarer Gase auf 5 TWh zu erhöhen. Der Ausbau der erneuerbaren Stromerzeugung verlief dem Bericht zufolge 2024 weiterhin planmäßig. So lag der Anteil erneuerbarer Energien an der Bruttostromerzeugung bei rund 94 % (2023: etwa 91 %). Während die Zielerreichung bei erneuerbarem Strom durch den anhaltenden Ausbau von Photovoltaik und Windkraft gut voranschreitet, seien im Gasbereich zusätzliche Anstrengungen erforderlich. Die inländische Einspeisung von Biomethan liege weiterhin deutlich unter dem Ausbaupfad. Immerhin habe sich aber die Zahl der Produktionsanlagen auf 22 erhöht. Zum Erreichen dieser Ziele sei aufgrund der Anforderungen der Erneuerbaren an die Infrastruktur auch der Ausbau der Stromnetze essentiell, wird im Bericht angeführt. Die Entwicklung der Energiegemeinschaften in Österreich verläuft dem Bericht zufolge "dynamisch". Nach 2.618 solcher Gemeinschaften Ende 2024 sind diese bis Juni 2025 auf 3.876 angestiegen.
Preise für Haushalte rückläufig…
2025 prägten volatile Märkte und strukturelle Anpassungen den Großhandel für Strom und Gas sowie den Haushaltsmarkt, wird im Bericht angeführt. So sei das Strompreisniveau im Spotmarkt im Vergleich zu 2024 gestiegen, auf den Terminmärkten wird jedoch von geringeren Preisen in den Folgejahren ausgegangen. Die Gaspreise reagierten in dieser Zeit stark auf Witterung, Nachfrage und geopolitische Entwicklungen. So blieben die Gaspreise 2025 im Großhandel insgesamt höher als im Vorjahr, von Mai bis August sogar höher als 2023.
Für Haushalte sei die Anzahl an Angeboten für Neukundinnen und -kunden wieder auf nahezu Vorkrisenniveau gestiegen, während die Zahl der bundesweit tätigen Lieferanten stabil blieb. Im Gasbereich hingegen blieben die Angebote für Neukundinnen und ‑kunden unter dem Vorkrisenniveau, und auch die Zahl der Anbieter war geringer. Die Preise für Haushalte entwickelten sich sowohl im Strom- als auch im Gasbereich laut Bericht insgesamt rückläufig, wobei sich das Preisspektrum deutlich verengte. Die Wechselraten stiegen bei Strom auf 5,4 % (2024 4,7 %) und sanken bei Gas auf 6,3 % (2024 6,5 %). Damit liegen diese europaweit weiterhin im unteren Mittelfeld.
Eine Kooperation der E-Control mit der Bundeswettbewerbsbehörde lieferte umfassende Einblicke in die Angebots- und Wettbewerbssituation in diesem Bereich. Die Analysen zeigten, dass die Märkte in Versorgungsgebieten weiterhin von etablierten Anbietern dominiert werden. Auf dieser Basis wurden Empfehlungen für mehr Transparenz und Wettbewerb entwickelt.
…aber erhebliche finanzielle Belastung für viele Haushalte
2025 sei die Situation der Haushalte von einer erheblichen finanziellen Mehrbelastung gekennzeichnet gewesen, wird im Bericht weiters angeführt. Dies spiegelte sich in den hohen Zahlen bei Maßnahmen wider, die auf die Nichteinhaltung vertraglicher Pflichten zurückzuführen waren. Allein im September 2025 wurden 4.891 Stromabschaltungen registriert, davon 3.124 aufgrund von Vertragsauflösungen und 1.767 aufgrund von Aussetzungen. Diese Zahlen würden den hohen Druck auf finanziell schwache Haushalte verdeutlichen. Ende September 2025 befanden sich insgesamt 34.068 Strom- und 897 Gas-Kundinnen und -Kunden in der Grundversorgung. Außerdem wurden im September 5.541 Ratenzahlungsvereinbarungen von Stromlieferanten und 616 von Netzbetreibern abgeschlossen. Die Nutzung von Vorauszahlungszählern blieb sowohl bei Strom als auch bei Gas auf einem niedrigen Niveau.
Energieeffizienzziele nicht auf Kurs
Die E-Control berichtet als Monitoringstelle jährlich über Fortschritte bei der Energieeffizienz. Zwar liegt der Endenergieverbrauch 2023 klar unter dem linearen Zielpfad und damit auf Kurs zum Verbrauchsziel von 920 PJ im Jahr 2030, doch bleiben die erforderlichen kumulierten Endenergieeinsparungen weit hinter den Vorgaben zurück. Die strategischen Maßnahmen, mit denen Österreich die bis 2030 vorgesehenen 650 PJ an Einsparungen erzielen will, würden bislang nicht die nötige Wirkung entfalten. (Schluss) pst