Bundesrat Stenographisches Protokoll 643. Sitzung / Seite 65

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völkerung der Gemeinden zu helfen. Das ist natürlich mit einem gewissen Werbeeffekt verbunden; das ist ja ganz klar.

Was meiner Meinung nach noch sehr wichtig ist, ist das gesellschaftliche Ereignis, der vorhandene Kontakt zur Bevölkerung. Das fängt damit an, daß die Feuerwehrleute von Haus zu Haus gehen und Karten im Vorverkauf verkaufen. Auch dadurch ist ein sehr wichtiger Kontakt gegeben. Dieser Kontakt besteht vor allem auf dem Land, dort ist das ganz anders als in den Städten oder in den Großstädten.

Meine Damen und Herren! Das hat ja auch dahin gehende Auswirkungen, daß im Rahmen von Zeltfesten Musikkapellen auftreten, die dabei berühmt werden. Heute berühmte Musikkapellen aus Österreich sind bei Zeltfesten bekannt geworden, und sie haben für Österreich dann in weiterer Folge Werbung gemacht.

Weiters gefällt mir diese Doppelspielerei betreffend die Wirte überhaupt nicht. Ich kann von meiner Gemeinde reden, und ich weiß, daß es in vielen Gemeinden in Kärnten so ähnlich und wahrscheinlich in Oberösterreich auch nicht anders ist. In meiner Gemeinde gibt es zum Beispiel vier Feuerwehren, einen Gemeindefeuerwehrkommandanten, der selbst Wirt ist, und zwei Ortskommandanten, die auch Wirte sind. Na, was glauben Sie, Frau Kollegin Haunschmid, was die mir erzählen: ob wir deppert sind, daß wir hier so eine Diskussion – ich sage es genauso, wie es mir gesagt wird –, führen? (Bundesrätin Haunschmid: Es geht ja nicht um Zeltfeste, sondern um Abgaben!)  – Nein, ich weiß schon, worum es geht. Sie wollen das nicht haben.

Ich kann noch einmal sagen, sie sind voll dafür, miteingebunden zu werden. Sie sehen es auch nicht so, daß sich diese Gesetzesnovelle gegen die Gastronomie richtet. Das muß man auch einmal sagen. In der Bevölkerung wird anders geredet, und ich sage Ihnen auch, wie es den anderen Wirten geht. Diese machen ebenfalls ein gutes Geschäft, wenn in einer Ortschaft ein Zeltfest stattfindet. Der Wirt selbst macht in der Regel ohnehin nichts – das muß man auch sagen –, aber er partizipiert mit, weil Leute auch zu ihm kommen, weil sie sich verpflichtet fühlen, auch den Wirt zu besuchen. "Ja, grüß’ dich, wie geht’s dir denn?!", so ähnlich läuft das auf dem Lande ab. Es kommen ja zusätzliche Leute in den Ort und zu den Wirten, die sonst nicht in den Ort kämen, die sonst nirgendwo hingehen, aber zu einem Zeltfest, das ja oft mit Kirchtagen verbunden ist, kommen die Leute von überall her. Sie brauchen nicht zu glauben, daß Leute bei den Wirten abgehen. Nein, sie kämen sonst gar nicht! Sie kommen ausschließlich anläßlich dieser Gelegenheit.

Meine Damen und Herren! Ich habe schon von Feuerwehrkommandanten gehört: Na gut, wenn wir kein Zeltfest machen dürfen, dann soll es die Gemeinde machen, dann tun wir nichts mehr, dann zahlt sie eben dafür. – Wieviel dabei verlorengeht, ist unglaublich! Ich sage Ihnen noch einmal: Das ist ein gesellschaftliches Ereignis; Feuerwehren tragen mit diesem Geld auch zur Ortsverschönerung bei. Da wird nicht nur irgendwohin auf Ausflug gefahren (Bundesrätin Haunschmid: ... Leitbild für Österreich!) Nein, das wird auch mit allem Drum und Dran gemacht. (Bundesrat Payer: Wenn sie auf Ausflug fahren, dann geben sie das Geld dem Wirt!)

Noch etwas möchte ich hier erwähnen. Es gibt ja nicht nur den gesellschaftlichen Kontakt. Es gibt bei Zeltfesten auch den Kontakt der Feuerwehrleute untereinander. (Bundesrätin Haunschmid: Das gibt es im Wirtshaus auch!) Es fährt doch eine Feuerwehr zu anderen, nach dem Motto: Wir müssen euch auch besuchen. Da kommt dann der Kommandant und fragt seinen Kollegen: "Was hast denn du für Probleme?" Es werden dort gewisse Dinge ausgesprochen, und ich glaube, das ist für eine Kumpelhaftigkeit – und Feuerwehrleute sind eben auch Kumpel – äußerst wichtig. Ich möchte daher bei dieser Gelegenheit allen Feuerwehrkameraden Dank und Anerkennung für ihre Tätigkeit aussprechen. (Beifall bei SPÖ und ÖVP.)

Dasselbe gilt für die Kultur- und Sportvereine. Auch dort wird Jugendförderung betrieben – alleine für die Auftritte von Sängern und für Turniere, die dadurch möglich werden. Ich erwähne nur die Bergwacht, das Rote Kreuz, auch den Kriegsopferverband und vor allem den Lions-Club. Es werden auch etliche Veranstaltungen für Behinderte durchgeführt, abgesehen davon, daß es


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