LETZTES UPDATE: 17.07.2017; 14:08
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Das Prinzip der Autarkie

Schon bei der Planung des Parlamentsgebäudes wurde großer Wert darauf gelegt, dass die Versorgung der VolksvertreterInnen auch in Krisen- und Kriegszeiten sichergestellt war. Die sogenannte Autarkie (Selbstversorgung) muss auch heute noch gewährleistet sein. Für diesen Zweck ist eine umfangreiche Infrastruktur eingeplant worden: technische Einrichtungen, die zum reibungslosen Betrieb des Parlamentsgebäudes notwendig sind (z. B. Notstromaggregate, Notölheizung), und auch das dafür notwendige Personal (ElektrikerInnen, SchlosserInnen, TischlerInnen, etc).

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Im gesamten Parlamentsgebäude gibt es für das Wartungspersonal eine Menge Arbeit. Nicht nur das Austauschen der unzähligen Leuchtmittel, sondern auch die Wartung der Rohrpostanlage und die Stromversorgung zählen dazu.

Ursprünglich wurden die Beleuchtungskörper im Parlamentsgebäude mit Gas betrieben. Die Originalluster wurden erst nachträglich elektrifiziert.

Für die Stromversorgung in Krisenzeiten stehen drei dieselbetriebene Notaggregate, sogenannte USV-Anlagen, zur Verfügung. Sie sorgen für eine unterbrechungsfreie Stromversorgung und springen von selbst an, wenn das öffentliche Stromnetz ausfällt.

Anfang 2009 wurde zudem der erste Teil einer Photovoltaikanlage am Dach des Parlaments fertig gestellt. Auch sie liefert unterbrechungsfrei Strom, allerdings reicht die Menge nicht aus, um die Energieversorgung im Ernstfall zu übernehmen. Die neue Technologie bietet jedoch zahlreiche weitere Vorteile.

Einsatz modernster Technologie für bessere Energienutzung

Anstelle der alten Verglasung mit Drahtglas wurden neuartige Glaselemente in Isolierglasausführung mit Photovoltaik-Technik eingebaut. Dadurch wird die Gebäudehülle des Parlaments schrittweise an die Anforderungen einer modernen Wärmedämmung herangeführt. Diese Verbesserungsmaßnahme bewirkt einerseits eine Energieeinsparung und andererseits die energiepolitisch sinnvolle Nutzung erneuerbarer Energien.

1. Wärmeschutz

Im Speziellen wird der Wärmedurchgang drastisch um etwa 70 Prozent reduziert, so dass die darunter befindlichen Räume nun besser isoliert sind. Durch den Einbau dieser neuen Technologie in Isolierglasbauweise wurde der u-Wert, vormals k-Wert (Wärmedurchgangskoeffizient), von etwa 5 auf ca. 1,3 W/m²K abgesenkt.

2. Licht

Besonders großer Wert wurde auf die Erhaltung der lichttechnischen Werte in den unter dem neuen Glasdach befindlichen Räumlichkeiten gelegt. Durch die semitransparenten Solarzellen aus Silizium, die den Strom produzieren, wird nur soviel Licht durchgelassen, wie nach Maßgabe der Lichttechnik vorgegeben wurde. Es braucht daher keine zusätzliche Verschattungseinrichtung eingebaut werden, um eine Überwärmung der darunter befindlichen Räume zu verhindern.

3. Strom

Die Solarstromanlage produziert jetzt den Strom, der für die Beleuchtung der unter dem Glasdach befindlichen Räume benötigt wird. Bei Einspeisung der Energie in das Stromnetz des Parlaments wird die von den Solarzellen erzeugte Gleichspannung von einem Wechselrichter in Wechselspannung umgewandelt. In Summe werden die beiden Anlagen auf dem Dach etwa so viel Strom produzieren, wie zwei moderne Einfamilienhäuser verbrauchen. Weiters kann der Strom aus der Photovoltaikanlage im Falle eines Netzausfalles unterbrechungsfrei in das Netz des Parlaments eingespeist werden; dieser Vorgang geschieht innerhalb von Millisekunden.

Wartungsfreies System für die nächsten drei bis fünf Jahre

Die Photovoltaikanlage benötigt in den nächsten Jahren keine Wartung. Erst nach etwa drei bis fünf Jahren werden die Verbindungskontakte auf der Gleichstromseite kontrolliert. Wenn Fehler auftreten, so werden diese über die Elektronik in den Wechselrichtern erkannt und an die Zentrale gemeldet.

Ausblick in die Zukunft

Das Parlament benötigt etwa 5.600.000 kWh pro Jahr für Beleuchtungen und elektrische Einrichtungen. In Zukunft soll im Zuge von weiteren Renovierungsarbeiten schrittweise eine Verminderung des Fremdenergieeinsatzes erreicht werden und laufend mehr erneuerbare Energie in das Netz eingespeist werden. Dadurch wird auch das Parlament seinen Beitrag zum Klimaschutz leisten.

Rohrpost gegen weite Wege

Da die Wege sowohl im Parlament als auch zu den Nebengebäuden sehr weit sind, wurde eine Rohrpostanlage installiert. Mit der Rohrpost werden Dokumente zwischen sechs Häusern befördert: Stationen dafür befinden sich im Parlamentsgebäude, im Haus Doblhoffgasse 3, im Haus Reichsratsstraße 1, im Haus Reichsratsstraße 7, im Haus Reichsratsstraße 9 und in der Bartensteingasse 2. Die Rohrpost-Hülsen werden mit Hilfe von Druckluft versandt, wobei der Druck durch einen Ventilator aufgebaut wird.

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Beheizung

Das gesamte Parlamentsgebäude wurde anfangs mit Hochdruckdampf beheizt. Der Dampfkessel verschlang pro Tag zwischen fünf und zehn Tonnen Steinkohle. 1974 entschied man aus Kosten- und Umweltgründen, einen Fernwärmeanschluss zu installieren.

Aber auch nach dieser Umstellung von Kohleheizung auf Fernwärmeversorgung gibt es im Parlamentsgebäude nach wie vor die sogenannte Notkesselfeuerungsanlage, bestehend aus drei Ölkesseln mit je 2 MW Heizleistung. Dazu gehören auch Tanks, die insgesamt 75.000 Liter Heizöl fassen. Sollte also die Beheizung durch Fernwärme ausfallen, kann das Haus trotzdem warm gehalten werden und auch Warmwasser ist weiterhin verfügbar.

Belüftung

Für die Belüftung und Frischluftzufuhr gibt es im Parlamentsgebäude zwei unterschiedliche Techniken, die beide vom Architekten Theophil Hansen ausgearbeitet wurden.

Klappensystem

Im Keller unter dem Nationalratssitzungssaal findet man eine Reihe manuell verstellbarer Klappen, durch die Frischluft nach oben in den Sitzungssaal befördert wird. Die Frischluft wird von außen angesaugt und gefiltert. Dann gelangt sie in ein Befeuchter-, Vorheiz-, Hauptheiz- oder Kühlregister, wo sie nach Bedarf gewärmt oder gekühlt wird.

Pro manuell bedienbarer Klappe werden im Saal zwei bis drei Sitzplätze belüftet. Das von Hansen ausgeklügelte Klappensystem funktioniert nach den Gesetzen der Thermik: warme Luft steigt nach oben, kalte Luft sinkt zu Boden. Die MitarbeiterInnen der hausinternen Klimatechnik sind für die händische Einstellung der Klappen verantwortlich.

Steigschächte

In den übrigen Räumen, wie zum Beispiel auch in der Säulenhalle, wird Luft von oben zugeführt. Über den Dachboden durch sogenannte Steigschächte wird Frischluft eingeblasen. Die verbrauchte Luft kann über den Zwischenboden oder über Schächte unten an den Seitenwänden entsorgt werden.

Die großen Säle (Nationalrat, Bundesrat, Bundesversammlung, Säulenhalle, Budgetsaal, Besprechungszimmer) verfügen heute zudem über eine eigene Lüftung, die gemeinsam mit der Zentrallüftung die Versorgung der Räume mit Warmluft übernimmt. Alle anderen Räume werden über Radiatoren beheizt.

Im Bundesratssaal findet sich ein luftdurchlässiger Klimateppich, über den Luft von unten zugeführt werden kann. Wären die Poren des Teppichs stärker verschmutzt, würde die Klimatisierung des Saales nicht mehr einwandfrei funktionieren.