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Gauhaus der Wiener NSDAP

Im August 1940 löste Baldur von Schirach Bürckel als Gauleiter und Reichsstatthalter ab. In Ab­gren­zung zu seinem Amtsvorgänger wählte er als Dienstsitz das frühere Bundeskanzleramt am Ballhausplatz. Das Parlamentsgebäude wurde zum Gauhaus der NSDAP erklärt und diente damit fortan als Re­prä­sen­ta­ti­ons­bau der Partei.

Als Gauhaus der NSDAP sollte das Parlamentsgebäude auch weiterhin als „Hüterin der Interessen des Volkes“, wie die gleichgeschaltete Tageszeitung „Das Kleine Blatt“ schrieb, wahrgenommen werden. Allerdings kam es hier zu einer Umdeutung, da mit dem Volk nunmehr eine rassisch definierte Volks­gemeinschaft gemeint war. Aus dem Parlament, dem Sitz einer ehemals demokratisch gewählten Volks­vertretung, war ein Repräsentationsbau einer rassistischen Partei geworden, die sich an der Spitze dieser Volksgemeinschaft sah. Hier hielt Schirach insgesamt 18 Volkssprechtage ab, an denen er Wien­er­innen und Wiener – in Anwesenheit der Presse – zu Vorsprachen in sein Büro lud. Zur gleichen Zeit wirkte er an den 1942 einsetzenden Judendeportationen mit, die 1939 von Bürckel initiiert worden waren.

In seiner Zeit als Gauhaus fanden im Parlamentsgebäude mehr als 270 Veranstaltungen statt, die bis 1945 von Zehntausenden besucht wurden. Dazu zählten etwa Sportereignisse sowie politische Ver­an­stal­tungen wie Parteischulungen und Tagungen. Das größte Ereignis stellte der Europäische Ju­gend­kon­gress im September dar. Der mehrtägige Kongress – es kamen etwa 1.600 Vertreter aus 14 Län­dern – wurde im großen Saal des Gauhauses eröffnet, also im ehemaligen großen Sitzungssaal des Parlaments. Ebenso zu nennen sind die vielen, an Frauenorganisationen der Partei gerichteten Ver­an­stal­tungen im Gauhaus sowie die im Juli 1943 abgehaltene Reihe „Werden wir den Krieg gewinnen?“, die von 9.000 Menschen besucht wurde.

Luftangriffe auf Wien

Ab dem März 1944 wurde Wien Ziel alliierter Luftangriffe. Schon 1942 hatte man mit dem Bau eines Gau­befehlsstandes auf dem Gallitzinberg begonnen, seit dem Herbst 1943 wurden Ausweichquartiere für Abteilungen der Gauleitung gesucht. Schirach selbst betrat das Parlamentsgebäude immer seltener, zumal sich sein Büro im ehemaligen Bundeskanzleramt befand und er dieses zuletzt in seine Dienstvilla auf der Hohen Warte verlegte.

Das Parlamentsgebäude wurde am 7. Februar und am 21. Februar von Fliegerbomben getroffen. Es gab zwar keine Todesopfer im Haus, allerdings wurden viele Räum­lich­kei­ten aufgrund der Zerstörungen unbenutzbar. Kurz vor Kriegsende befanden sich nur noch die Gauamtsleiter und einige Sekretärinnen im Gauhaus. Die letzten Tage des Parlamentsgebäudes unter dem NS-Regime sind kaum rekonstruierbar. Während der „Schlacht um Wien“ im April 1945 brachen Brände im bereits von den Bomben ge­schä­dig­ten Bau aus. Die deutsche Wehrmacht ordnete schließlich am 9. April die Aufgabe der Wiener In­nen­stadt an.