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Parlamentskorrespondenz Nr. 926 vom 23.11.2010

Themenfelder:
Parlament allgemein
Format:
Veranstaltungen
Stichworte:
Parlament/Buchpräsentation/Prammer/Schärf

Buchpräsentation im Hohen Haus

Schärfs Tagebuchnotizen über ein schwieriges Jahr 1952

Wien (PK) – Im Beisein der Familie des seinerzeitigen Bundespräsidenten Adolf Schärf präsentierte Nationalratspräsidentin Barbara Prammer heute einen weiteren Band der Edition von Adolf Schärfs Tagebuchnotizen. An der Präsentation des Bandes über das Jahr 1952 nahmen auch der ehemalige Außenminister Peter Jankowitsch sowie die ehemaligen Bundesratspräsidenten Herbert Schambeck und Anna Elisabeth Haselbach teil.

In ihrer Begrüßung meinte Prammer, die Notizen Schärfs beeindruckten durch ihre Genauigkeit, wodurch sie an Bedeutung kaum zu überbieten seien. Das Jahr 1952 sei ein schwieriges gewesen, wovon diese Notizen Zeugnis ablegten. Schärf sei als Partei- und Klubobmann sowie als Vizekanzler im Zentrum des Geschehens gestanden. Die Regierung habe sich riesigen Herausforderungen gegenübergesehen, sei es doch darum gegangen, das Land wieder aufzubauen. Die Notizen böten einen Blick hinter die Kulissen und gäben Einblick in das Selbstverständnis einer Regierung, die einfach nicht scheitern durfte.

Bereits in diesen Notizen erkenne man jedoch, dass die Zweite Republik die Antithese zur Ersten darstelle, wobei sich heute zeige, dass dieser Weg ein erfolgreicher war. Ohne Kenntnis der Geschichte, so Prammer, sei kein Gestalten der Zukunft möglich, und so könne auch heute noch die Frage, ob die Politik Gestaltungsfähigkeit besitze, positiv beantwortet werden.

Die Herausgeberin Gertrude Enderle-Burcel dankte für die Möglichkeit, das Buch an diesem passenden Ort präsentieren zu können, sei es doch jahrzehntelang Schärfs Zuhause gewesen, wo er sein politisches Rüstzeug erworben habe. Kreisky habe Schärf einst als einen Stillen der Politik gewürdigt, dessen Wirken gleichwohl von grundlegender Bedeutung war. Dies lasse sich anhand seiner Tagebuchnotizen sehr gut nachvollziehen, meinte die Herausgeberin.

Sie dankte den MitarbeiterInnen der Österreichischen Gesellschaft für historische Quellenstudien für ihre engagierte Mitarbeit, äußerte jedoch gleichzeitig die Befürchtung, dass ein solches Engagement nicht mehr möglich sein werde, sollten die Sparpläne der Bundesregierung, die außeruniversitäre Forschung betreffend, in die Praxis umgesetzt werden.

Enderle-Burcel ging sodann auf die inhaltlichen Schwerpunkte des Bandes ein und erklärte, das Buch sollte als Pflichtlektüre für PolitikerInnen in Koalitionen gelten, denn es zeige eindrucksvoll, wie eine Zusammenarbeit zweier antagonistischer Kräfte allmählich zu einem Ende komme. Trotz der Sparpolitik der Regierung hoffte die Rednerin, in zwei Jahren einen weiteren Band der Tagebuchnotizen Schärfs vorlegen zu können und dankte abschließend der Familie Schärfs, die Finanzierung des vorliegenden Bandes ermöglicht zu haben.

Anschließend diskutierten der ehemalige Vizekanzler Hannes Androsch und der ehemalige Generalsekretär der Industriellenvereinigung Herbert Krejci unter der Moderation von Peter Huemer mit der Herausgeberin über Werk und Wirkung Adolf Schärfs. Das Buch "Adolf Schärf – Tagebuchnotizen 1952" ist im Innsbrucker Studienverlag erschienen und zum Preis von 39,90 € im Buchhandel erhältlich. (Schluss)

HINWEIS: Fotos von dieser Veranstaltung finden Sie – etwas zeitverzögert – auf der Website des Parlaments (www.parlament.gv.at) im Fotoalbum.