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Parlamentskorrespondenz Nr. 1056 vom 14.11.2011

Themenfelder:
Parlament allgemein
Sachbereich:
Vermischtes
Stichworte:
Parlament/Margaretha Lupac-Stiftung/Wissenschaftspreis

Margaretha Lupac-Stiftung: PreisträgerInnen stehen fest

Wissenschaftspreis: Einstimmige Entscheidung in Jury und Kuratorium

Wien (PK) – Die PreisträgerInnen des diesjährigen Wissenschaftspreises der Margaretha Lupac-Stiftung stehen fest: Jury und Kuratorium haben sich einstimmig darauf geeinigt, Univ.Prof. DDr. Christiane Spiel sowie die Projektplattform "Jüdische Repräsentation und Antisemitismus im österreichischen Parlament, 1861-1938" unter der Leitung von Univ.Prof. Dr. Eva Kreisky gemeinsam mit den NachwuchsforscherInnen Mag. Matthias Falter und Mag. Saskia Stachowitsch auszuzeichnen.

Die Preisträgerin Christiane Spiel

Christiane Spiel ist weit über die Grenzen der wissenschaftlichen Community bekannt. Sie und ihr Team arbeiten insbesondere intensiv zu den Themenfeldern der Gewaltprävention in Schulen und Kindergärten, der Integration von MigrantInnen in multikulturellen Schulen und der Förderung von Geschlechtergerechtigkeit. Sie etablierte den Fachbereich Bildungspsychologie als wissenschaftliche Disziplin und konzipierte ein Strukturmodell, das Bildungskarriere und Lebenslanges Lernen in den Mittelpunkt stellt. Der zweite Forschungsschwerpunkt liegt im Bereich Evaluation und Qualitätsmanagement. In diesem Zusammenhang führte sie Auftragsprojekte der Rektorenkonferenz durch, die sich mit dem Hochschulzugang, Auswahlverfahren sowie der Anerkennung non-formaler und informeller Lernerfahrungen auseinandersetzen.

Hervorzuheben ist das Projekt "Weiße Feder – gemeinsam für Fairness und gegen Gewalt", das bis 2013 umgesetzt wird. Christiane Spiel hat, basierend auf der einschlägigen Literatur sowie in Kooperation mit den ExpertInnen des Unterrichtsministeriums, die Generalstrategie zur Gewaltprävention in Kindergärten und Schulen entwickelt. Auf dieser Basis wurde mittlerweile ein umfassendes Angebot realisiert – vgl. www.weissefeder.at. Sie ist Autorin zahlreicher Publikationen.

Projektplattform "Jüdische Repräsentation und Antisemitismus im österreichischen Parlament, 1861-1938"

Eva Kreisky hat gemeinsam mit den NachwuchsforscherInnen Matthias Falter und Saskia Stachowitsch seit 2007 mehrere Forschungsprojekte zu den Zusammenhängen zwischen Parlamentarismus, Demokratieentwicklung und jüdischer politischer Repräsentation und Partizipation in Österreich durchgeführt. Thema der Untersuchungen waren daher auch die Transformationen von Antisemitismus als politische Strategie im parlamentarischen Diskurs und seine Bedeutung als antiparlamentarische Ideologie. Die Projektplattform "Jüdische Repräsentation und Antisemitismus im österreichischen Parlament, 1861-1938" wird von der Jury unter dem Vorsitz von em.Univ.Prof. Dr. Manfried Welan als Pionierarbeit gesehen, da damit erstmalig eine intensive Auseinandersetzung mit dem Thema der jüdischen Abgeordneten und ihrem Wirken in die Tat umgesetzt wurde. Die Ergebnisse dieser Forschung werden die Basis für weitere wissenschaftliche Arbeiten darstellen.

Die Daten der Abgeordneten sind auf der Website des Parlaments (www.parlament.gv.at, unter "Wer ist Wer" – "ParlamentarierInnen seit 1918") bereits verfügbar. Es handelt sich dabei um "work in progress", da neue Erkenntnisse immer wieder einfließen und weitere Projekte zu Antisemitismus und Parlamentarismusentwicklung nach 1945 folgen sollen.

Eva Kreisky ist derzeit Vizedekanin der Fakultät für Sozialwissenschaften an der Universität Wien und Universitätsrätin an der Universität Innsbruck. Ihre Forschungsschwerpunkte beschäftigen sich mit politischer Theorie und Ideengeschichte, Staats- und Institutionentheorien, Parlamentarismus- und Demokratieforschung, der Politik der Geschlechterverhältnisse sowie mit der jüdischen politischen Geschichte und Antisemitismus in Österreich. Sie ist Autorin zahlreicher Publikationen.

Matthias Falter und Saskia Stachowitsch sind beide wissenschaftliche MitarbeiterInnen am Institut für Politikwissenschaften an der Universität Wien.

Der Wissenschaftspreis der Margaretha Lupac-Stiftung

Der Wissenschaftspreis wird 2011 bereits zum vierten Mal verliehen. PreisträgerInnen im Jahr 2005 waren Patricia Heidl für ihre Dissertation zum Parteienbegriff und ein Autorenteam rund um Wolfgang C. Müller für eine Publikation über die österreichischen Abgeordneten. 2007 wurden eine Publikation von Emmerich Talos und Herbert Obinger zum Politikwechsel des Jahres 2000 und die Dissertation von Astrid Dietrich über Medien und EU ausgezeichnet. 2009 ging der Preis an den Doyen der österreichischen Geschichtsforschung, den Historiker Gerald Stourzh, der sich in seiner Lehrtätigkeit und seinen Forschungsarbeiten mehr als 50 Jahre lang mit Demokratie, Verfassung, Diktatur sowie Menschen- und Bürgerrechten beschäftigt, und den Politikwissenschaftler Hubert Sickinger, der vor allem als Experte für das Thema Parteienfinanzierung in der Öffentlichkeit bekannt ist, sich aber auch generell mit der Rolle von Parteien, etwa in der Lokalpolitik, befasst.

Margaretha Lupac

Margaretha Lupac, geboren am 28. April 1910 in Wien, war während des Zweiten Weltkriegs als Rot-Kreuz-Helferin und Sachbearbeiterin für wehrwirtschaftliche Angelegenheiten tätig. Ihre damaligen Erlebnisse, aber auch das soziale Elend, die Arbeitslosigkeit und die wirtschaftliche Not in der Ersten Republik haben aus ihr eine außergewöhnliche Patriotin gemacht, die Leopold Figls Appell vom "Glauben an dieses Österreich" zum Lebensmotto erhob.

Lupac arbeitete zwischen 1949 bis zu ihrer Pensionierung 1973 als Inkassantin im Österreichischen Wirtschaftsverlag. Nach ihrem Tod im Februar 1999 vermachte sie ihr gesamtes Vermögen in der Höhe von rund 1,5 Mio. € der Republik Österreich für Zwecke des Parlaments.

Auf Basis dieses Vermögens wurde im Jahr 2001 beim Nationalrat die Margaretha Lupac-Stiftung für Parlamentarismus und Demokratie eingerichtet. Sie vergibt seit dem Jahr 2004 abwechselnd einen Demokratiepreis und einen Wissenschaftspreis, die mit jeweils 15.000 € dotiert sind. (Schluss)