Suche
Diese Seite als Lesezeichen hinzufügen

Parlamentskorrespondenz Nr. 759 vom 02.07.2019

Themenfelder:
Gesundheit
Format:
Plenarsitzungen des Nationalrats
Stichworte:
Nationalrat/​Konversionstherapien

Nationalrat einstimmig für gesetzliches Verbot von Konversionstherapien an Minderjährigen

Im Vordergrund steht der Schutz von Kindern und Jugendlichen

Wien (PK) – Die Ausübung von Konversions- und vergleichbaren reparativen Therapieformen an Minderjährigen soll verboten werden. Die Bundesregierung soll unter Einbindung der wissenschaftlichen Fachvereinigungen unverzüglich eine diesbezügliche Regierungsvorlage ausarbeiten. Das ist der Inhalt des SPÖ-ÖVP-Entschließungsantrags, der in der heutigen Plenarsitzung des Nationalrats auf Grundlage eines ursprünglichen SPÖ-Antrags eingebracht und einstimmig angenommen wurde. "Wir stoppen heute Homo-Heiler in Österreich", freute sich Mario Lindner (SPÖ), von dem die Initiative ausgegangen ist.

Mit dem Begriff "Konversionstherapie" werden jene umstrittenen Methoden bezeichnet, die darauf abzielen, Homosexualität in asexuelles oder heterosexuelles Verhalten umzuwandeln. In Österreich spielen diese Methoden zwar kaum eine Rolle, anders als etwa in Deutschland und in den USA, dennoch will man mit diesem Antrag ein klares Zeichen setzen.

Die RednerInnen in dieser Debatte – Martin Engelberg (ÖVP), Mario Lindner (SPÖ), Brigitte Povysil (FPÖ), Nikolaus Scherak (NEOS) und Gabriela Schwarz (ÖVP) – waren sich darin einig, dass derartige Therapien und Versuche, die sexuelle Orientierung zu verändern, unethisch sind und zu großen gesundheitlichen Schäden wie Depressionen bis hin zu Selbstmord führen können. Es sei ein völliger Schwachsinn zu glauben, sexuelle Orientierung umändern zu können, meinte Scherak. Die Konversionstherapie sei keine Behandlung, sie helfe nicht und heile auch nicht, bekräftigte Lindner. Homosexualität sei keine Krankheit, hielt Schwarz unmissverständlich fest und appellierte, Kinder so zu lassen, wie sie sind, und nicht zu versuchen, deren Anlagen umzudrehen. Vielmehr gehe es darum, hinzuschauen, hinzuhören und Hilfe zu geben.

Mit dem abgeänderten Antragstext wolle man eine klare Abgrenzung zu anerkannten medizinischen und psychotherapeutischen Methoden bis hin zur Seelsorge schaffen, unterstrichen Engelberg und Povysil, die im Zusammenhang mit der Konversionstherapie von Scharlatanerie sprach. Povysil unterstrich, dass man mit diesem Antrag einen Präzedenzfall dafür schaffe, nicht evidenzbasierte therapeutische Methoden zu verbieten. Man müsse zwar die Freiheit des Einzelnen, privat über die Behandlung selbst zu bestimmen, respektieren, aber Kinder und Jugendliche seien immer prioritär zu schützen, begründete sie die Zustimmung der FPÖ. (Fortsetzung Nationalrat) jan