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Parlamentskorrespondenz Nr. 119 vom 08.02.2021

Themenfelder:
Parlament allgemein/​Arbeit/​Technologie
Format:
Vermischtes
Stichworte:
Parlament/​Arbeit/​Inklusion/​Digitalisierung/​Sobotka

Digitalisierung für mehr Chancen von Menschen mit Behinderungen am Arbeitsmarkt

Virtuelle Auftaktveranstaltung der Zero-Project-Konferenz 2021 im Parlament

Wien (PK) – Die Digitalisierung bietet viele Chancen für die Beschäftigung von Menschen mit Behinderungen im ersten Arbeitsmarkt. Darüber waren sich die TeilnehmerInnen der virtuellen Auftaktveranstaltung zur Zero-Project-Konferenz 2021, zu der Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka, die Essl Foundation und die Sinnbildungsstiftung eingeladen hatten, einig. Unter dem Titel "Arbeit – Inklusion – Informationstechnologie" wurde über einen Perspektivenwechsel in der inklusiven Beschäftigung diskutiert und Inspiration durch VordenkerInnen und innovative Lösungen präsentiert.

Die Digitalisierung, die während der Corona-Pandemie einen Schub gemacht habe, müsse eine neue Art der Inklusion ermöglichen, betonte Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka in seinen Eröffnungsworten. Der neue Arbeitsminister Martin Kocher zeigte sich in seiner Keynote überzeugt, dass Digitalisierung viele Chancen biete, aber kein Allheilmittel sei. Es brauche daher weiterhin politische Maßnahmen, um alle Gruppen mitzunehmen. Weitere Denkanstöße lieferten der CEO von Consumer Banking and Payments der Barclays-Bank Ashok Vaswani und der Gründer der Essl Foundation und Zero-Project-Initiator Martin Essl. Im Anschluss stellten drei ausgewählte nationale und internationale Projekte ihre Arbeit für mehr Chancengerechtigkeit in einer inklusiven Arbeitswelt vor.

Sobotka: Digitalisierung darf nicht zu Exklusion führen

Die Inklusion am Arbeitsmarkt sei heute mehr denn je ein wesentliches Thema, sagte der Nationalratspräsident einleitend. Die Digitalisierung habe durch die Pandemie nämlich einen Schub gemacht. Das dürfe nicht zu einem Exklusionsfaktor werden, sondern müsse eine neue Art der Inklusion ermöglichen, so Sobotka. Auch das Parlament fühle sich diesem Ziel verpflichtet, sagte er. Es sei das Anliegen aller Parteien, Inklusion im Parlament zu ermöglichen, insbesondere in Form von digitaler Barrierefreiheit.

Der Nationalratspräsident legte dar, dass zwischen 15 und 20 Prozent der Bevölkerung auf zusätzliche Unterstützung angewiesen seien. Es liege an uns allen, diesen Menschen die gleiche Zugänglichkeit zu bieten. Eine Zertifizierung für Unternehmen, die nicht nur die physische, sondern auch die digitale Barrierefreiheit umsetzen, wäre für Sobotka ein wichtiger Schritt. Dass wegen der Corona-Pandemie Videokonferenzen und Livestreams vorangetrieben wurden, erachte er als etwas Positives. Man solle auch in Zukunft die Möglichkeit stärker nutzen, viele Menschen durch dieses Medium schnell zu erreichen, etwa auch, um die Initiativen des Zero Project in die Breite zu bringen, sagte der Nationalratspräsident.

Kocher: Digitalisierung kein Allheilmittel

Auch Arbeitsminister Martin Kocher betonte, dass die fortschreitende Digitalisierung eine große Chance für die nächsten Jahre und Jahrzehnte biete. Diese Potenziale würden sich aber nicht von selbst realisieren. Es brauche eine breite gesellschaftliche Debatte, wie wir in Zukunft arbeiten und leben wollen. Dabei müsse sichergestellt werden, dass am Arbeitsmarkt keine Gruppe ausgeschlossen werde. Die Digitalisierung biete gerade für Menschen mit körperlichen Einschränkungen zahlreiche Chancen. So könnten etwa ergonomischere Arbeitsplätze entstehen, eingeschränkte Sinneswahrnehmungen könnten durch technische Hilfsmittel ausgeglichen werden. Von diesen Vorteilen würden aber nicht alle Menschen mit Behinderungen gleichwertig profitieren, zeigte Kocher auf. Bei psychischen Einschränkungen oder Lernschwierigkeiten berge die Digitalisierung auch die Gefahr einer geringeren sozialen Einbindung.

Die Digitalisierung sei deshalb kein Allheilmittel, man müsse auf alle Gruppen Acht geben. Nicht zuletzt deshalb sei Inklusion weiterhin auf politische Maßnahmen angewiesen, so Kocher. Er führte den Erwerb neuer Kompetenzen durch bedarfsgerechte Schulungen als eine zentrale Maßnahme am Arbeitsmarkt an. Menschen mit Behinderungen seien daher ausdrücklich eine Zielgruppe der Corona-Joboffensive. Auch in Zukunft sei die Zusammenarbeit mit VertreterInnen von Menschen mit Behinderungen wichtig, um mehr Inklusion zu schaffen, so Kocher. Dafür wolle er sich einsetzen und damit die Zukunft der Arbeit für alle Menschen, die in Österreich leben, gestalten.

Vaswani: Inklusion ist unternehmerisch sinnvoll

Der CEO von Consumer Banking and Payments der Barclays-Bank Ashok Vaswani zeigte in seiner Keynote auf, warum die Inklusion von Menschen mit Behinderungen nicht nur moralisch geboten, sondern auch unternehmerisch sinnvoll ist. Er betonte, dass Behinderungen nicht nur in Extremen, sondern entlang eines breiten Spektrums existieren. Auch er habe etwa früher besser gesehen und sei jetzt bei schlechter Beleuchtung dankbar über die Taschenlampenfunktion auf seinem Smartphone. Die MitarbeiterInnen eines Unternehmens müssten deshalb die KundInnen entlang dieses großen Spektrums widerspiegeln. Nur so könnten alle Perspektiven eingebracht und auf die Bedürfnisse aller eingegangen werden, zeigte sich Vaswani überzeugt.

Essl: Verbesserungen für Menschen mit Behinderungen sind nur über Innovationen und Überzeugung durch PraktikerInnen möglich

Die Rechte von Menschen mit Behinderungen können nur durch Innovationen vorangetrieben werden, zeigte sich Zero-Project-Initiator Martin Essl überzeugt. Er stellte den "Zero-Project-Almanach 2021" vor, der auf 300 Seiten die Arbeit von Zero Project mit insgesamt 662 ausgezeichneten Innovationen dokumentiert. Weil herausragende Lösungen oft im Verborgenen blieben, wolle Zero Project eine globale Plattform und die Möglichkeit zur Vernetzung mit EntscheidungsträgerInnen bieten, so Essl. Die diesjährige Zero-Project-Konferenz finde ab Mittwoch digital statt. Auf drei Kanälen gebe es insgesamt 86 Stunden Programm, wie der Initiator ankündigte.

Essl ging zudem auf die schwierige Situation von Menschen mit Behinderungen am Arbeitsmarkt ein. Er wies darauf hin, dass viele Menschen mit Behinderungen sich nicht als arbeitssuchend melden würden, weil sie nach den vielen Diskriminierungen und Frustrationen aufgegeben hätten. Dabei sei ein Job essenziell, weil er das Selbstverständnis eines Menschen ausmache. Er appellierte daher an die Unterstützung der EntscheidungsträgerInnen, um Teststellungen und Rahmenbedingungen zu schaffen, um die Wirkung der vielen Initiativen auch in Österreich umzusetzen. (Fortsetzung) kar/ibe

HINWEIS: Fotos von dieser Veranstaltung sowie eine Rückschau auf vergangene Veranstaltungen finden Sie auf der Website des Parlaments. Eine Aufzeichnung der Veranstaltung ist als Video-on-Demand in der Mediathek des Parlaments verfügbar.