Bundesrat Stenographisches Protokoll 624. Sitzung / Seite 33

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Meine Damen und Herren! Wir haben es natürlich leicht, wir können aus dem Bericht Punkte herausgreifen, die uns besonders interessieren. Ich halte das auch so, zumal ich annehme, daß die Diskutanten diesen Bericht noch genauestens analysieren werden.

Ich widme mich der schulischen Vorbildung der Berufsschüler. Ich darf anmerken, daß markante Verbesserungen gegenüber der Zeit, als zum Beispiel ich eine Berufsschule besucht habe, festzustellen sind, auch wenn ich später die Berufsberatung kritisieren werde, die natürlich Meilen über dem Niveau liegt, das 1960 Absolventen von Pflichtschulen dargeboten wurde. Damals hat es einfach geheißen: Der Test ergibt, du bist praktisch veranlagt, du wirst wahrscheinlich Mechaniker, Schlosser oder ein Arbeiter, oder: Du hast zwei linke Hände, du gehst in den Kaufmannsberuf. So wurde gesprochen 1962 bei einer Berufsberatung in der Hauptschule Walserfeld, die ich dann verlassen habe.

Die Voraussetzung für den Eintritt in eine österreichische Berufsschule ist die Absolvierung der neunjährigen Schulpflicht und der Abschluß eines Lehrvertrages. 1994 kamen zirka 40 Prozent der Berufsschüler aus dem Polytechnischen Lehrgang, zirka 22 Prozent aus der Hauptschule. Der Anteil der Berufsschüler, die aus weiterführenden Vollzeitschulen AHS, BMS, BHS in die Berufsschule übertraten, lag 1994 bei zirka 37 Prozent.

Der Anteil der Lehranfänger mit nicht mehr als Volksschulbildung lag im Jahre 1994 bei 0,15 Prozent. Dabei dürfte die Verbesserung der schulischen Versorgung eine bedeutende Rolle spielen. In absoluten Zahlen ausgedrückt ist der Anteil der Lehranfänger nur mit Volksschulausbildung von 5 351 im Jahr 1970 auf 63 im Jahr 1994 zurückgegangen. Dafür mag zum einen eine Bildungsoffensive, zum anderen aber auch eine zielorientierte Rahmenpolitik ausschlaggebend sein. Dabei möchte ich jedoch anmerken, daß es bei der Versorgung der Berufsschulen in Ballungszentren und Landeshauptstädten gegenüber dem Hinterland beträchtliche Mängel gibt, die es gemeinsam anzugehen gilt. Da können berufsbildende Typen wie Volkshochschule oder BFI alleine das Auslangen nicht finden. Da sind wir gefordert, entsprechend mitzuwirken.

Obwohl die Zubringerfunktion des Polytechnischen Lehrganges und der Hauptschule für die Berufsschule unumstritten ist fast zwei Drittel der Berufsschüler kommen von dort , so ist auch in diesem Bereich eine gewisse Dynamik feststellbar. Bis zum Jahr 1975 stieg der Anteil der Lehranfänger aus diesen beiden Schultypen beständig an und war 1975 mit zirka 79 Prozent am höchsten. Vom Jahr 1976 an ging der Anteil aus diesen beiden Schultypen Hauptschule und Polytechnischer Lehrgang wieder zurück, und zwar so stark, daß er zuletzt weit unter den Stand von 1970 gefallen ist.

Analog zu dieser Entwicklung vollzieht sich eine Gegenbewegung, und zwar ein stark steigender Anteil von Lehranfängern aus weiterführenden Vollzeitschulen. Kamen 1970 nur etwa 12 Prozent der Lehranfänger aus der AHS, BMS oder BHS, so lag dieser Anteil 1994 über 36 Prozent. Ein Großteil dieser Drop-outs hat das neunte Schuljahr negativ abgeschlossen und wählt die Lehre, weil der angestrebte Bildungsgang nicht bewältigt wurde. Wie Berufsschullehrer berichten, ist die Lernmotivation bei vielen dieser Umsteiger in die Berufsschule äußerst niedrig. Dabei kommen sowohl Momente von partieller Leistungsunterforderung als auch individuelles Bildungsversagen als Ursache in Frage.

Das ist auch ein Punkt, der höchste Anforderungen an den Lehrkörper, aber auch an die Schulgemeinschaft selbst stellt. Da gilt es wirklich, nachzudenken, Anreize zu schaffen, damit man jene motiviert, die meinen, schon alles von der Vorschulbildung mitbekommen zu haben und der Berufsschule keine Aufmerksamkeit mehr entgegenbringen zu müssen. Das Gegenteil wird erreicht. Auch jene Berufsschüler oder -schülerinnen, die diesen Bildungsschub noch nicht mitmachen konnten, haben natürlich Anlaß, sich anzupassen. Der gemeinsame Lernerfolg wird dann zu wünschen übrig lassen.

Da ist es wichtig, den Lehrkörper so auszustatten, daß er diesen Anforderungen auch gerecht wird und letztendlich dann ein guter gemeinsamer Ausbildungserfolg erreicht werden kann.

Die schulische Vorbildung männlicher und weiblicher Berufsschüler ist auch interessant. Insgesamt gab es in Österreich im Jahr 1994 26 746 männliche und 13 951 weibliche Lehranfänger.


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