Bundesrat Stenographisches Protokoll 635. Sitzung / Seite 146

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Deshalb haben wir in diesem Bericht  damit bin ich schon am Schluß, Frau Präsidentin  konkret auf die Wunden hingewiesen. Die Verschuldungsstruktur ist das, was wir jetzt, in einer Niedrigzinsphase, verändern müssen.

Die Marketingstrukturen müssen von der Illusion, daß Österreich Werbung und ein Tourismusverband, wie groß oder wie klein er auch ist, die Lösung bringen, weggehen. Wer nicht selbst auf dem Markt ist, wird selbst nicht mehr auf dem Markt sein.

Nächster Punkt: Wenn ich unsere Strukturen anschaue, weiß ich nicht, dient der Tourismus unseren Strukturen, oder dienen unsere Strukturen dem Tourismus. Das darf ich auch einmal kritisch anmerken, denn langsam hat man es satt, wenn man ständig hört: Wir sind bereit!, aber in dieser Richtung nichts geschieht. Ich werde jetzt keine Länder zitieren, die einen haben ein paar hundert, die anderen ein paar Dutzend Verbände. Wir müssen uns dazu bekennen, daß heute die Zeit der betriebswirtschaftlichen Betrachtung der Unternehmen da ist, und diese werden sich umschauen müssen  es wird sich niemand anderer für sie umschauen.

Es gibt sicherlich noch einiges zu tun  ich will mich jetzt nicht weiter mit diesem Punkt aufhalten , im Tourismus gibt es eine ganze Reihe von Dingen, über die wir reden müssen. Nur ein Kurzbericht aus der Servicestelle meines Hauses: Im letzten Jahr sind die Lobhudeleien über Österreich deutlich stärker geworden. Wir haben auch aus der deutschen Gästebefragung ein viel besseres Signal, als wir es aus der Befragung hatten, die diesem Bericht zugrunde lag, auch was die Preisrelation betrifft. Aber: Wir haben einen Horror vor Inklusivpreisen, und vor allem Familienreisende haben es satt, für jedes Cola, für jedes kleine Ketchup-Patzerl extra 40 S oder 50 S hinzulegen. Der Welcome-Drink, den ich weltweit überall bekomme, sieht in Österreich so aus, daß das erste Mineralwasser 60 S kostet  wenn auch nicht in allen Betrieben.

Die Gäste wollen Inklusivpreise. Wir haben in Österreich keine Preisanzeigen. Es weiß keiner, wenn er irgendwo vorbeifährt, wie teuer man wo wohnt. Falls manche von Ihnen schon in Australien unterwegs waren: Sie werden gesehen haben, wie stolz Hotels draußen ihre Preise anschreiben.

Wir haben in Österreich auch keine late-night-rates. Wenn man erst um 23 Uhr oder 24 Uhr ein Zimmer nimmt, zahlt man in Amerika den halben Preis. Bei uns zahlt man, wenn man um 2 Uhr früh kommt, immer noch den vollen Preis.

Oder: Die größte Beschwerdegruppe in unserer Servicestelle waren heuer einzelne Hotelgäste, die bis zu sieben Quartiere anfragen mußten, ob sie für eine Nacht ein Zimmer bekommen, und dann den doppelten Preis bezahlten. Meine Damen und Herren! Auch das ist etwas, das angesprochen werden muß.

Aber insgesamt zeigt sich die Situation im Tourismus rosiger. Alle WTO-Prognosen, auch die Prognosen über Tourismusbewegungen, zeigen, daß wir uns der Touristen nicht erwehren werden, wir müssen nur die richtigen erwischen. Gott sei Dank zeigt eine Analyse, die wir Ihnen im nächsten Bericht bringen können, daß Österreich in der Zwischenzeit der bessere Ort für die besseren Touristen geworden ist.  Erste Schlußfolgerung.

Zweite Schlußfolgerung: Wir werden weiter auf Qualität setzen müssen, und das wird das Crowding-out, das Aufgeben der Niedrigschichten, die keine Aussicht haben, allerdings beschleunigen; dazu habe ich schon einige Worte verloren.

Frau Präsidentin! Hoher Bundesrat! Im Tourismus kann ein solcher Bericht nur eine Momentbeleuchtung sein, vor allem, wenn er auch noch ein bißchen später diskutiert wird. Aber diese "Beleuchtung" hat jedenfalls gezeigt, daß es gilt, im Tourismus prägnant neue Schwerpunkte zu verfolgen. Es ist jetzt die Stunde der Unternehmer, und sie sollen uns sagen, wo wir ihnen weiterhelfen müssen. Dazu zählt auch manches in der Steuerpolitik, und mein Hauptanliegen ist nicht die Getränkesteuer. Die aufgeklärten Wirte und Hoteliers wissen, daß jede Steuerersatzlösung, die auf Gemeindeertrag und -basis hin orientiert ist, dreimal teurer kommt als die Getränkesteuer, die ihnen erlaubt, die höchsten Aufschläge auf die Getränke vorzunehmen, die es überhaupt gibt.  Ende dieser Belangsendung. (Heiterkeit.)


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