Bundesrat Stenographisches Protokoll 635. Sitzung / Seite 163

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20.45

Bundesrat Franz Wolfinger (ÖVP, Oberösterreich): Geschätzter Herr Präsident! Herr Staatssekretär! Geschätzte Damen und Herren! Ich habe mir den Sportbericht über das Jahr 1996 sehr genau durchgesehen. Wir haben von den Vorrednern schon sehr viel über die zahlreichen Facetten der Förderung des Sports in dessen vielen Bereichen gehört. Aber ein Bereich ist anscheinend noch nicht zur Sprache gekommen, und den möchte ich kurz anreißen. Sie können mir glauben, daß ich dabei weiß, wovon ich rede, denn ich bin durch meine berufliche Tätigkeit mit den Senioren verbunden und weiß, was in diesem Bereich getan wird. Ich möchte kurz die Bedeutung des Seniorensports hervorheben.

Wenn wir in die Vergangenheit blicken, müssen wir feststellen, daß Sport eigentlich ausschließlich ein Privileg der Jugend war. Unsere Gesellschaft hat sich aber in den letzten Jahren und Jahrzehnten stark verändert, und diese Veränderungen haben auch vor den älteren Menschen nicht haltgemacht. Das Pensionistendasein von einst hat jedenfalls mit dem Verhalten der Senioren von heute nicht mehr viel gemeinsam. Die Veränderungen in der Arbeitswelt und die Fortschritte in der modernen Medizin haben entscheidend dazu beigetragen, daß die körperliche Verfassung besser geworden ist, sodaß heute bei vielen Menschen das biologische Alter mit dem kalendarischen nicht mehr übereinstimmt.

Die Statistiken zeigen uns auch, daß das Durchschnittsalter steigt. Zurzeit sind zirka 20 Prozent der Gesamtbevölkerung über 60 Jahre alt, und die Zahlen werden in den nächsten Jahren laufend höher werden. Eben diese Entwicklung hat auch für den Sport eine nicht zu unterschätzende Bedeutung erlangt und zur Einführung des Seniorensports geführt. Seit es medizinisch erwiesen ist, daß sportliche Aktivität die wirkungsvollste Waffe im Kampf gegen das vorzeitige Altern ist, kann man davon ausgehen, daß der Seniorensport in seiner ganzen Breite nicht nur für den einzelnen, sondern auch für die Allgemeinheit von Bedeutung ist. Vernünftig betriebener Seniorensport bietet uns die Chance, die uns gegebenen Lebensjahre gesünder, aktiver, ausgefüllter und zufriedener zu verbringen.

Es ist allgemein bekannt und wird durch Untersuchungen immer wieder bestätigt, daß in unserem Land jährlich Hunderte Menschen durch Sturzunfälle im häuslichen Bereich sterben und von ihnen mehr als 80 Prozent über 60 Jahre alt sind. Die Zahl der Verletzten geht in die Tausende. Wenn wir durch gezielte Arbeit im Seniorensport nur einen kleinen Prozentsatz dieser Unfälle verhindern können, dann ersparen wir dem einzelnen viel Leid und der Allgemeinheit wahrscheinlich erhebliche Kosten.

Um aber Seniorensport sinnvoll betreiben und vermitteln zu können, benötigt es gut ausgebildete Lehrwarte und Übungsleiter. Alle, die im Seniorenbereich tätig sind, müssen sich daher bemühen, daß wir dieser Forderung gerecht werden. Nicht zuletzt müssen aber auch die für den Sport zuständigen Stellen den Worten Taten folgen lassen und dem Seniorensport die Unterstützung angedeihen lassen, die ihm seiner hohen Bedeutung nach zusteht.

Kurz noch zur Bedeutung des Seniorensports für den einzelnen: Die größte Bedeutung im Leben hat wohl für jeden von uns die Gesundheit. Also muß das oberste Ziel, das sich der Seniorensport setzt, ebenfalls die Gesundheit sein. Mit zunehmendem Alter nimmt die körperliche und geistige Leistungsfähigkeit ab, und diese versuchen wir mit dem Seniorensport zu reaktivieren  dort, wo es möglich ist, sie noch zu steigern, und sie dort zu erhalten, wo Steigerungen kaum noch zu erwarten sind , um auf diese Weise dem Alterungsprozeß entgegenzuwirken.

Der Seniorensport hat seine große Bedeutung in der Verbesserung der Fertigkeiten in der Altersmotorik, in der Verminderung des Unfallrisikos, in der Hebung der Freude und Zufriedenheit und in der Verbesserung des allgemeinen Wohlbefindens. Durch gezielte sportliche Betätigung kommt es zu positiven Auswirkungen auf den Stütz- und Bewegungsapparat sowie auf Knochen, Wirbelsäule, Gelenke, Sehnen, Bänder, Bandscheiben und Muskulatur, auf das Herz- und Kreislauf-System, den Atemapparat, das zentrale und vegetative Nervensystem und nicht zuletzt auch auf den Stoffwechsel.


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