Bundesrat Stenographisches Protokoll 640. Sitzung / Seite 11

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Zweitens leben wir in Österreich in einem freien Staat, in dem jeder studieren kann, was er will. Es kann aber niemandem zugesichert werden, daß er im Anschluß an sein Studium genau jenen Arbeitsplatz erhält, auf den er sich vorbereitet hat. Das heißt, wir müssen von den Jugendlichen, die mit ihrem Studium fertig sind, verlangen, daß sie flexibel sind.

Bezüglich der Lehrerzahlentwicklung kann man nur sagen, daß derzeit etwa 7 000 auf der Warteliste stehen, was aber nicht heißt, daß 7 000 arbeitslos sind. Wirklich arbeitslos gemeldet sind 800 bis 1 000. Es kann keine Garantie abgegeben werden, daß man dann, wenn man ein Lehramtsstudium abgeschlossen hat, einen Arbeitsplatz bekommt. Es erhalten alle Maturanten von mir einen Brief, in dem ganz klar drinnen steht, mit welchen Wartezeiten sie zu rechnen haben. Bei Deutsch und Geschichte sind es derzeit acht bis zehn Jahre. Ich kann aber nicht die Entscheidung eines jungen Menschen übernehmen, was er studieren will. Das muß jeder selbst überlegen. Ich kann nur informieren.

Präsident Ludwig Bieringer: Wird eine Zusatzfrage gewünscht? Bitte, Herr Professor.

Bundesrat Dr. Peter Böhm (Freiheitliche, Wien): Frau Bundesministerin! Erachten Sie es für wirklich gerecht, im Beruf bewährte und engagierte aktive Lehrer wenn auch nicht rechtlich, so zumindest gesellschaftlich und moralisch vorzeitig in den Ruhestand zu drängen, um für solche Junglehrer Platz zu machen, die bereits zu Beginn ihres Studiums um die geringen bis fehlenden Chancen wußten, in den Schuldienst aufgenommen zu werden?

Präsident Ludwig Bieringer: Bitte, Frau Bundesministerin.

Bundesministerin für Unterricht und kulturelle Angelegenheiten Elisabeth Gehrer: Es wird niemand in den Ruhestand gedrängt. Es gibt Angebote, die angenommen werden können oder nicht. Ich stelle mir vor, daß Menschen zwischen 50 und 60 Jahren reif genug sind, selber entscheiden zu können, ob sie ein Angebot annehmen wollen oder nicht. Das Angebot für den Vorruhestand basiert auf Freiwilligkeit, und es wird besonders von Lehrerinnen, deren Männer schon in Pension sind, sehr gerne angenommen. Es wird also niemand hinausgedrängt. Wir brauchen in den Schulen das Wissen und die Erfahrung gerade auch der älteren Kollegen und Kolleginnen.

Präsident Ludwig Bieringer: Für eine weitere Zusatzfrage hat sich Herr Bundesrat Wolfram Vindl zu Wort gemeldet.  Bitte.

Bundesrat Wolfram Vindl (ÖVP, Tirol): Herr Präsident! Sehr geehrte Frau Bundesministerin! Kann man abschätzen, bis wann die Lehrerarbeitslosigkeit behoben sein wird beziehungsweise wann wieder ein Lehrermangel bestehen wird?

Präsident Ludwig Bieringer: Bitte, Frau Bundesministerin.

Bundesministerin für Unterricht und kulturelle Angelegenheiten Elisabeth Gehrer: Da die Lehrer derzeit zu 50 Prozent in der Altersstufe zwischen 47 und 60 Jahren sind, könnte es möglich sein, daß es in ungefähr zehn bis 13 Jahren, das heißt 2010, einen Lehrermangel gibt  wenn nicht die Möglichkeit des Vorruhestandes angenommen wird und sich somit die Alterskurve entzerrt. Wir wissen aber jetzt schon, daß wir bis zum Jahr 2030, 2040 etwa 300 000 Schüler und Schülerinnen weniger haben werden. Das heißt, daß dann zwar viele Lehrer in Pension gehen werden, es aber weniger Schüler geben wird und weniger Lehrer gebraucht werden. Man muß also sagen: Langfristig gesehen wird die Zahl der Lehrer und Lehrerinnen nicht mehr enorm wachsen können. Bei 300 000 Jugendlichen weniger gibt es einfach 300 000 Schulplätze weniger.

Präsident Ludwig Bieringer: Herr Bundesrat Mag. Günther Leichtfried, ich bitte um Ihre Zusatzfrage.

Bundesrat Mag. Günther Leichtfried (SPÖ, Niederösterreich): Sehr geehrte Frau Bundesministerin! Tatsache ist, daß sehr viele Junglehrer auf der Straße stehen  Sie haben es gerade selbst gesagt  und daß damit intelligentes Potential nicht oder nur unzureichend eingesetzt ist.


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