Bundesrat Stenographisches Protokoll 640. Sitzung / Seite 60

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Für eine sehr große Aufregung hat im Vorjahr ein Auspflanzversuch im Raum Tulln in Niederösterreich gesorgt, bei dem gentechnisch verändertes Erdäpfelsaatgut  ich sage bewußt "Erdäpfel" und nenne nicht den deutschen Ausdruck "Kartoffel" (Bundesrätin Haunschmid: Sehr gut!)  , österreichisches Erdäpfelsaatgut im Feldversuch angebaut worden ist. (Rufe: Chips! Pommes frites!)   Pommes frites kenne ich natürlich auch von meinen vier Kindern, keine Frage. Aber ich liebe, wie gesagt, den Ausdruck "Erdäpfel" und vermeide bewußt den Ausdruck "Kartoffel".

Nach einer sehr heftigen medialen Diskussion, die nach diesem Auspflanzversuch stattgefunden hat, wurde dann verfügt, daß dieses Feld geräumt werden mußte. Die Erdäpfelknollen mußten also wieder herausgenommen werden. (Bundesrat Dr. Tremmel: In dieser Region ist der gebräuchliche Ausdruck "Erdäpfel"!)  Da stimme ich Ihnen zu.

Wo stehen wir heute in der Gentechnikdebatte?  Wenn wir die Diskussion in dieser Gentechnikdebatte verfolgen, dann erkennen wir  das ist heute auch schon zum Ausdruck gekommen, und ich möchte es noch unterstreichen , daß die Gentechnik im medizinischen Bereich überhaupt nicht mehr wegzudenken ist. Sie zu negieren, hieße, bewußt wieder ins medizinische Mittelalter zurückzufallen.

Als Beispiel  ich nenne dieses Unternehmen bewußt  möchte ich hier die Firma Biochemie Kundl in Tirol erwähnen, ein High-Tech-Unternehmen, das österreichweit 1 900 Menschen Beschäftigung bietet. Dieses High-Tech-Unternehmen exportiert 96 Prozent seines Umsatzes und kann letztlich nur auf der Grundlage dieser neuen Technik produzieren. Auch wenn Antibiotika dort nach wie vor aus natürlich vorkommenden Pilzen hergestellt werden, so wird doch in einigen Jahren durch gentechnologisch veränderte Pilzstämme wesentlich günstiger und besser produziert werden können. Das ist ein Fortschritt, den niemand hier in diesem Hause davon bin ich überzeugt bewußt verhindern möchte.

Daneben werden in diesem Unternehmen, das ich beispielhaft angeführt habe, auch Arzneimittel produziert, die nur mit Anwendung der Gentechnik erzeugt werden können, die also auf natürlichem Wege in dieser Form nicht produziert werden könnten. Solche Medikamente leisten beispielsweise in der Krebstherapie ausgezeichnete Dienste. Im medizinischen Bereich ist die Gentechnik also an der Tagesordnung.

Etwas, was heute noch nicht sehr klar formuliert worden ist, möchte ich besonders betonen und sehr deutlich sagen: Vergessen wir nicht, daß die Gentechnik auch Arbeit schafft!  Ich wiederhole: Gentechnik schafft auch Arbeit! Vergessen wir das nicht!

Viel diffiziler  diesem Themenbereich wurde heute schon sehr große Aufmerksamkeit geschenkt  ist der Einsatz der Gentechnik in der Lebensmittelproduktion. Es gibt sowohl bei den Produzenten, bei den Erzeugern, als auch bei den Konsumenten Gruppen, die der Auffassung sind, daß die diesbezüglichen gentechnischen Möglichkeiten in Österreich nicht genutzt, ja daß sie vom Gesetzgeber verhindert werden sollten.

Bei den Produzenten ist eine Gruppe, die so denkt, jene der Biobauern. Bei den Konsumenten gibt es ebenfalls eine Gruppe, die aufgrund der verschiedensten Ängste und auch zum Teil berechtigter Bedenken Sorge haben, daß dadurch unter Umständen Gefahr für Leib und Leben droht.

Wenn wir als Gesetzgeber den Einsatz von gentechnisch veränderten Lebensmitteln oder Lebensmittelbestandteilen verhindern wollten, müßten wir in Österreich zwar sicherlich nicht verhungern, das ist keine Frage. Wir würden uns aber, wie ich meine, der Chancen begeben, die im kontrollierten Einsatz dieser Technik im kontrollierten Einsatz dieser Technik liegen.

In Österreich ist insofern Vorsorge getroffen worden, als nach wie vor kein gentechnisch behandeltes Saatgut bezogen werden kann. Ein Vorredner meinte, es könne bezogen werden. Es kann aber tatsächlich vom Gesetz her kein gentechnisch behandeltes Saatgut in Österreich auf den Markt kommen. Die Sortenliste, die amtlich aufliegt und öffentlich einsehbar ist, enthält derzeit keinerlei Sorte, die gentechnisch verändert oder behandelt worden wäre.


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