Bundesrat Stenographisches Protokoll 720. Sitzung / Seite 125

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Verständnis für den Widerstand, den Untergrund war damals sicher vorhanden. Vor allem möchte ich sagen, dass die „O5“ in Wien für den Aufbau der Zweiten Republik sicher einen Beitrag geleistet hat. Auch wir mussten zur Kenntnis nehmen, dass einer unserer sehr bekannten politischen Vertreter, Dr. Willfried Gredler, einer davon war.

Zum Krieg: Deserteure, Kampfeinheit, zum Teil aber Kameradenmörder – Beispiel Eis­meer-Front. Russen mit Musik spielten bei den Bunkern um Überläufer, die deutschen Soldaten mögen überlaufen. Neun Kameraden im Bunker, darunter ein Cousin von mir, werden von zwei Überläufern erschossen. Alle neun im Bunker wurden von zwei Überläufern erschossen. Das ist das Problem!

Also wir müssen unterscheiden. Wir müssen unterscheiden, mit welchen Menschen wir es zu tun haben. Diese Art von Deserteuren sind Mörder. Das war immer so und das muss auch in Zukunft so sein, und dafür möchte ich auch das Verständnis von all jenen haben, die für die heutige Situation sehr stark in die Bresche gesprungen sind.

Deserteure, Partisanen in Kärnten, die neben den Kindern den Vater erschossen haben – nicht Einzelfälle. Katastrophale Zustände. Das waren Leutnants, das waren Hauptmänner, das waren die Rädelsführer der kleinen Partisanengruppen.

Zur Nachkriegszeit: Nazi-Verfolgung, viele heimatlos, Vertreibung, rechtlos. – Wer war denn für die erste Zeit nach dem Krieg verantwortlich?

Mein Beispiel – ich habe sie mit voller Brutalität gespürt –: Fünf Geschwister, Mutter 1944 verstorben, Vater drei Jahre in Wolfsberg; am elterlichen Hof rechtlos, fünf Kinder heimatlos, fünf Kinder elternlos. Ich war im Alter von 12 bis 14 Jahre Almhalter, konnte nicht in die Schule gehen.

Das, meine lieben Freunde, ist mir heute bei den Ausführungen des Kollegen Schen­nach in den Sinn gekommen. Ich habe noch nie darüber geredet, aber da sind mir all diese Fakten wieder in Erinnerung gekommen, die einen als Mann, der heute glaubt, im Leben zu stehen, daran erinnern, mit welcher Arroganz damals Politik betrieben wurde.

Herr Konecny, ich bin auch bereit zur Aufarbeitung der Geschichte, wir sollten alle dafür eintreten. Aber dann muss auch wirklich alles aufgearbeitet werden, auch jener Teil, bei dem ich sicher nur ein kleines Rädchen bin. Diejenigen, die damals die Recht­losigkeit, die Unsicherheit erleben und ertragen mussten, waren auch Menschen. (Beifall bei den Freiheitlichen und bei Bundesräten der ÖVP.)

Trotzdem bin ich bereit – wir alle sollten dazu bereit sein! –, politische Verantwortung mitzutragen. Ich war es im Kärntner Landtag, ich bin es als Bürgermeister und ver­suche, es als Bundesrat zu sein. Kollege Schennach, es ist eben jede Diktatur schreck­lich. Wir kennen die Geschichte: Wo Diktaturen geherrscht haben und heute noch herrschen, sind Elend, Not, Rechtlosigkeit, und da haben wir noch viel zu tun. Tun wir gemeinsam alles, damit unsere Heimat nie mehr in eine solche Situation kommt!

Sehr geehrte Frau Bundesminister! Ihre Aussage ist für uns nachvollziehbar. Öster­reich ist ein Rechtsstaat – und nur so kann eine Aufarbeitung erfolgen. Dem Ent­schließungsantrag hätten wir nicht die Zustimmung gegeben, aber Sie haben ihn ohnehin zurückgezogen. – Danke. (Beifall bei den Freiheitlichen und bei Bundesräten der ÖVP.)

18.02


Vizepräsident Jürgen Weiss: Nächster Redner ist Herr Bundesrat Konecny. Verbleibende Redezeit: 7 Minuten.

 


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