Man nimmt sich in der öffentlichen Debatte in so vielen Bereichen immer wieder ein Beispiel an Finnland – in dem Punkt aber leider nie. Finnland hat ein sehr, man kann sagen, hartes System der Selektion derer, die zu einer Lehrerausbildung zugelassen werden. Das wird bei uns ausgeklammert. Alle möglichen Ideen sind da schon geboren worden, aber keiner traut sich zu sagen – ich traue mich schon, aber ansonsten vermisse ich das –, man muss sich vorher genau anschauen, wer zum Lehramtsstudium zugelassen wird.
Natürlich habe ich auch da keine hundertprozentige Garantie, dass es immer funktionieren wird und dass wir immer die Besten bekommen, aber wenigstens bei 99 Prozent. Im Übrigen hat sich dieses System in allen Ländern, die solche Qualifikationsmerkmale vorher testen, bestens bewährt. Nicht nur, dass dort die besten Lehrer tätig sind, sie sind auch am anerkanntesten. Sehr interessant ist es, wenn diese Selektion ein Land in dem einen Bereich, etwa im Sekundärbereich, macht und im Primärbereich nicht. Da kann man nämlich sehr genau sehen, dass die Lehrer dieser Bereiche unterschiedlich anerkannt werden. Also es wäre durchaus gefragt, da einmal eine sachliche Debatte zu führen und sich zu überlegen, wie wir das in Österreich machen könnten.
Ein weiterer Punkt: Reduktion der Zahl der Schulabbrecher. Das ist auch so eine No-na-Feststellung. Selbstverständlich will man das. Wir haben – die PISA-Tests haben es immer wieder gezeigt – erschreckende 20 Prozent, die nach neun Schuljahren nicht ausreichend lesen und schreiben können, wo man sich fragen muss: Warum ist das so? Prüft das keiner? Hinterfragt das keiner?
Für mich war es wirklich ein erschreckendes Beispiel, das ich zufällig gesehen habe, wo eine erwachsene Frau da gesessen ist und gesagt hat, ich kann nicht lesen und schreiben. (Bundesrat Konecny: Da ist sie hoffentlich nicht gesessen!) – Nein, hier nicht. – Sie hat neun Jahre Schule hinter sich gebracht, eine Lehre absolviert, und nie ist es jemandem aufgefallen, dass sie nicht lesen und schreiben kann. Sie hat aber die Lehre erfolgreich abgeschlossen.
Also da sind schon Fehler im System, die dringend ausgemerzt gehören, weil es zum Nachteil der Beteiligten ist. Wir wissen es doch, wie viele Erwachsene sich genieren, sagen zu müssen, ich kann nicht lesen und schreiben. Auch wenn Kurse angeboten werden, ist die Zahl der Teilnehmer an diesen eine geringe, weil sich die Leute dafür schämen. Hier müsste man dringend etwas machen, das vermisse ich aber hier.
Was haben wir da noch? – Der Anteil der Hochschulabsolventen soll steigen. Das ist eine problematische Sache, wo wir immer schon kritisch waren. Die Hochschulquote unter den 30- bis 34-Jährigen soll mindestens 40 Prozent betragen. Dazu sagen wir, nein, das muss sie nicht. Es ist unserer Ansicht nach und meiner im Speziellen eine ambivalente Angelegenheit. Wenn man fordert, dass der Akademikeranteil gesteigert werden muss, dann ist nicht gesagt, dass damit auch der Bildungsgrad steigt. Es macht auch keinen Sinn, wenn wir zwar einen höheren Anteil an Uni-Absolventen haben, aber auf der anderen Seite dann wieder mehr arbeitslose Akademiker haben. Wenn nämlich der Anteil gesteigert wird, dann werden nur die Besten genommen. Wir können ja schauen, wie viele Juristen derzeit beim AMS als arbeitslos gemeldet sind. Je mehr Akademiker es gibt, desto größer ist dann die Selektion im Berufsleben, weil die Unternehmer dann schauen: In welcher Zeit hat der sein Studium absolviert? Wie hat er abgeschlossen? Wie war seine Entwicklung? – Und der Rest bleibt dann auf der Strecke.
Und: Nicht jede Tätigkeit muss zwangsläufig mit einem Hochschulstudium einhergehen, und man kann nicht sagen, dass derjenige, der keinen akademischen Abschluss hat, deswegen automatisch gering qualifiziert ist. Wir unterhalten uns in Wirt-
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