den behandeln muss. Ja, das hat einfach mit dem zu tun, was Sie auch aus der täglichen Arbeit kennen. Großteils funktioniert Verwaltung. Stellen Sie sich nur die Vielzahl an Abläufen vor! Es gibt auch Menschen, die irren, Menschen, die Fehler machen, Menschen, die manchmal von Motiven geleitet sind, die nicht immer diejenigen sind, die sich mit der Verfassung decken. Daher hat genau dieser moderne, hochentwickelte Rechtsstaat diese Kontrolleinrichtung geschaffen. Also etwas, ein Staat, ein Gebilde, das reflexiv zu sich selbst ist, ist gerade hoch entwickelt. Daher macht nicht die kleine Zahl und das Unterdrücken von Eigenkontrolle die Modernität und den hochentwickelten Status aus, sondern der Umgang mit den jeweils eingestandenen Fehlern.
Woran wir in Österreich sicher noch arbeiten müssen, ist so etwas wie eine Entschuldigungskultur. Aktuelle Beispiele in Wien wären die Meldungen über die U-Bahn. Das könnten wir gleich unter diesem Aspekt exekutieren. Daran arbeiten wir. Daran arbeiten alle miteinander. Sie, von Seiten der Gesetzgebung, berücksichtigen bei Ihrer Arbeit hoffentlich die Impulse, die wir durch unsere Prüftätigkeit gegeben haben.
Frau Bundesrätin, ich mache einen kleinen Umweg zu Ihnen. Sie haben das Vertrauen angesprochen. In der Tat nützen wir die persönlichen Gespräche bei den Vorsprachen, bei den Sprechtagen. Es ist an mehr als jedem Arbeitstag des Jahres ein Volksanwalt, eine Volksanwältin unterwegs, um Gespräche mit den Bürgerinnen und Bürgern zu führen. Ich bin geradezu angetan von dem, was Sie und andere Bundesräte auch angesprochen haben, nämlich übers quasi Kerngeschäft hinaus auch noch Service zu bieten, und wenn ich dann diese Sätze beim Sprechtag höre: Frau Volksanwältin, Sie sind meine letzte Hoffnung, ich weiß nicht mehr weiter.
Auch hierzu bieten wir unser Service an, bieten wir unsere Auskunft an, und wir hören dann oft gewissermaßen: Sie haben jetzt überprüft, was ich ohnehin an anderer Stelle auch schon gehört habe, aber von Ihnen bekomme ich keine Honorarnote. Sie haben die Kompetenz, selber und im Haus, und jetzt weiß ich wirklich endgültig, woran ich bin, und jetzt darf ich mir noch Hoffnung machen oder darf mir die Hoffnung eben nicht machen. Also wir denken auch gewissermaßen integrativ und grenzübergreifend.
Behindertengerechtigkeit ist auch angesprochen worden. Zum einen wurde die soziale Dimension angesprochen: das One-Stop-Shop-Prinzip. Werden die Leute, wenn sie klug genug sind, auf alle Förderungen draufkommen oder werden sie das nicht?
Ich fühle mich auch als siebenfache Landesvolksanwältin betreffend Bauordnung, Raumordnung, Flächenwidmung angesprochen. Es ist nicht das schon ein Problem, dass man die Frist für die Umsetzung des Bundesbehindertengleichstellungsgesetzes wahrscheinlich wieder ein bisschen dehnen wird, sondern – darauf poche ich – es ist sehr pragmatisch zu fragen und bei jeder Neuveranlassung, bei jeder baulichen Tätigkeit, bei jeder baulichen Maßnahme im Rahmen der öffentlichen Verkehrsmittel und so weiter zu sehen, dass ich mit einigem Sachverstand, so quasi Disability Mainstreaming, mit einfachen Mitteln und mit einfachem Hausverstand oft eine behindertenfreundliche Umwelt und Mitwelt schaffen kann, damit dann so eine Lösung nicht sozusagen unter der Last des budgetären Druckes verschoben werden muss.
Wir begreifen uns also in diesem Sinn als eine Institution, die durch die Prüftätigkeit mit sehr ambitionierten Bürgerinnen und Bürgern zusammenarbeitet. In Wien haben wir einen, der ist sozusagen ein Anwalt des behindertengerechten Bauens und durchforstet die Stadt nach den Möglichkeiten des Sich-Bewegens. Aber das sollte zur Selbstverständlichkeit werden, diese Haltung. Vom Bürgermeister bis zum Minister sollte das eigentlich so sein.
Angesprochen wurde auch die Beschwerdehäufigkeit oder Beschwerdeverteilung. Schließen Sie aus dieser einmal fürs Erste gar nichts! Denken Sie lieber, da sind Traditionen dahinter, Traditionen, wieweit sich Bürger als kompetente Bürger verstehen und
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