BundesratStenographisches Protokoll797. Sitzung / Seite 67

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Das muss man vor folgendem Hintergrund sehen – auch wieder, um die Dimensionen zurechtzurücken –: Ein Land wie der Sudan hat ein Pro-Kopf-Bruttoinlandsprodukt von ungefähr 1 200 Dollar im Jahr; das sind die Teuren aus Khartum. Wenn man nach Äthiopien schaut: Dort liegt das Bruttoinlandsprodukt bei 390 Dollar pro Jahr. Des­wegen sind das tatsächlich billige Äthiopier, im Vergleich zu den teuren Sudanesen!

Das sind also ähnliche Diskussionen, wie wir sie hier in Europa haben, nur eben in einer etwas unterschiedlichen Spielklasse der Problemstellungen. Daher denke ich, dass es uns in der entwickelten Welt, in der wir sind, und Österreich als einer sehr entwickelten Demokratie, als einem europäischen Land gut ansteht, unsere Beiträge zur Entwicklungszusammenarbeit zu leisten. (Beifall bei ÖVP und SPÖ.)

Es gibt viele Schwerpunkte der österreichischen Entwicklungszusammenarbeit und der österreichischen Entwicklungshilfe, und der allerwesentlichste Schwerpunkt wird natür­lich immer die Armutsbekämpfung sein. Da ich bei Zahlen war, möchte ich an dieser Stelle schon auch erwähnen – weil ich denke, das sollten wir Politiker alle wissen –, dass es ungefähr eine Milliarde Menschen auf dieser Welt gibt, die mit weniger als 1 Dollar am Tag auskommen müssen. Das heißt jetzt nicht, dass Kollege Krusche dafür verantwortlich ist, dieses Thema zu lösen, und es ist kein Vorwurf, wenn ich diese Zahlen bringe, sondern ich meine einfach nur, dass man als europäischer Politiker dies als Parameter beachten soll, dass man wissen soll, dass das eine Tat­sache ist auf dem Globus, auf dem wir leben.

Armut bedeutet eben nicht nur, dass man nicht dabei ist, dass Menschen nicht politisch mitbestimmen können, sondern da befinden wir uns auf einem Niveau, auf dem man sich nicht um die eigene Selbstbestimmung kümmern kann, auf dem man Gewalt ausgeliefert ist und keinen Zugang zur Gesundheit hat. Das ist eigentlich wirkliche Armut! Aber nicht, wenn wir in Österreich, wenn wir eine Reform machen, darüber diskutieren, dass bei den Pensionisten jetzt 17 € weniger auf dem Gehaltszettel stehen und dann die große Protestbewegung kommt. (Zwischenruf der Bundesrätin Mühlwerth.) Da muss man sozusagen schon die Relationen betrachten.

Es ist eine Selbstverständlichkeit in der österreichischen Entwicklungszusam­menar­beit – das ist von Kollegen Krusche als Tipp gebracht worden, aber ich glaube, das wissen diejenigen, die sich in dem Bereich engagieren –, dass es darum geht, dass man Hilfe zur Selbsthilfe leistet, und dass es darum geht, dass die Menschen in den entsprechenden Gebieten sich selbst helfen können, indem sie beispielsweise in der Lage sind, ihre landwirtschaftlichen Flächen zu bewirtschaften, indem sie beispiels­weise in der Lage sind, das Thema, Wasser für ihre Region zu haben, selbst in die Hand zu nehmen.

Es ist hier ein schlechtes Beispiel, oder ich nenne es nicht so, sondern ich sage, es ist ein negatives Beispiel gebracht worden: von einer Brunnenbohrung, die daneben­gegangen ist. Gleichzeitig ist aber bekannt, dass Österreich gerade im Bereich der Wasserwirtschaft hohe Expertise hat, und es ist in dem Bereich auch schon oft gelun­gen, Menschen zu helfen.

Gerade bei der Wasserversorgung geht es um dieses Know-how, das wir transferieren können, das ist zum Beispiel auch klassisch etwas, wo es nicht nur um Geld geht. Aber weil wir auch wissen, dass es um die Entwicklung in diesen Regionen geht, ist gerade das Wasser ein gutes Beispiel, weil überall dort, wo Wasser nicht so leicht verfügbar ist, die Kinder losgeschickt werden, um Wasser zu holen. Sie gehen zum Beispiel nicht in die Schule, sondern sie gehen Wasser holen.

Das heißt, hier geht es schon um Themen, über die man als Humanist, glaube ich, nicht so flapsig hinweggehen kann, dass man sich nur daran erfreut, dass ein Projekt, in dessen Rahmen einmal ein Brunnen gebohrt worden ist, nicht funktioniert hat, oder


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