BundesratStenographisches Protokoll803. Sitzung / Seite 24

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Bundesminister für Arbeit, Soziales und Konsumentenschutz Rudolf Hundstorfer: Ich darf zur Frage des Fachkräftemangels, bevor ich zur Lage in Österreich komme, nur eine Gesamtbemerkung machen: Wir haben weltweit ein Problem mit Fachkräften, wir haben weltweit ein Problem, Fachkräfte zu finden.

Was wir in Österreich tun, ist Folgendes: Einerseits haben wir in Österreich das be­währte System der dualen Lehrlingsausbildung. Dieses bewährte System der dualen Lehrlingsausbildung ist ja unbestritten. Wir haben derzeit, in Summe gesehen, mit Stand von Ende November rund 128 000 Lehrlinge in Lehrverträgen in diversen Beru­fen stehen. Diese Zahl ist insofern erfreulich, als wir erstmalig nach zwei Jahren beim ersten Lehrjahr eine Steigerung der Zahl der Lehrlinge hatten, was gegenüber den letz­ten Jahren, ich gebe zu, eine minimalistische Steigerung von 1,9 Prozent ist, aber ein Plus ist ein Plus. Das heißt, wir haben eine Steigerung. – Punkt eins.

Punkt zwei: Was wir noch tun, ist, die Schulung der Fachkräfte aus der Arbeitslosigkeit voranzutreiben. Da haben im heurigen Jahr allein bis Ende November 159 000 Perso­nen an solchen Schulungen teilgenommen. Wir hatten heuer schon 14 000 Menschen in Arbeitsstiftungen, wo es auch darum geht, Qualifikationen voranzutreiben.

Und was wir auch forciert haben und forcieren werden, das ist eine Arbeitsstiftung für niedrig qualifizierte Jugendliche, wo es um den Erwerb eines Lehrabschlusses geht. Da stecken 1 500 Personen drinnen. Außerdem haben 10 000 Frauen beim Programm „Frauen in Handwerk und Technik“ mitgemacht, um Mädchen in nicht traditionelle Lehr­berufe und FacharbeiterInnenintensivausbildungen zu bringen.

Wir haben heuer für den Bereich Gesundheits- und Pflegeberufe bereits 4 000 Men­schen ausgebildet oder bilden sie gerade aus oder weiter. Bei der „Aktion Zukunft Ju­gend!“ geht es darum, dass wir Jugendlichen eine Chance geben, wenn sie jung ar­beitslos sind – jung heißt in dem Fall 20, 21, 22 Jahre –, dass sie in ein Qualifizierungs­angebot kommen. Das waren heuer auch schon allein 67 000 Jugendliche. Es gibt auch die Ausbildungsgarantie, wo wir Jugendlichen, die keine betriebliche Lehrstelle finden, sagen, wir garantieren euch eine Ausbildung. Das sind im heurigen Jahr in Sum­me knapp 10 000 Menschen.

Wir sind derzeit dabei, neue Förderansätze in der dualen Lehrlingsausbildung zu entwi­ckeln, damit wir neben der traditionellen Lehrlingsförderung, die wir haben, auch noch neue Förderansätze in Richtung Beratung und Betreuung für Betriebe und Lehrlinge anbieten, wobei es darum geht, die Drop-out-Rate zu reduzieren und Ausbildungserfol­ge besser abzusichern.

Das ist ein sehr umfangreiches Programm, wobei uns in die Zukunft gerichtet klar sein muss – und das ist jetzt die nonchalante Bemerkung des Herrn Bundesrates von den Grünen –, wir haben weniger Jugendliche, denn das, was 1999/2000 nicht geboren wur­de, steht 2015 nicht am Arbeitsmarkt zur Verfügung – ob wir wollen oder nicht.

Diesen Rückgang haben wir, alle Zahlen liegen auf dem Tisch. Wir werden 2015 um 10 000 15-Jährige weniger haben als heute, und wir haben eine Situation in der Gesell­schaft, dass die verbleibenden 15-Jährigen zu einem hohen Prozentsatz eine schuli­sche Ausbildung weitermachen und nicht eine betriebliche Ausbildung, ob wir das jetzt wollen oder nicht. Auch in unserem traditionellsten Ausbildungsland, in Vorarlberg, wo immer 50 Prozent eines Geburtsjahrganges in die Lehre und 50 Prozent in die Schule gegangen sind, gibt es Verschiebungen. Und dass in den Ballungsräumen die Ver­schiebung schon ein ganz anderes Ausmaß angenommen hat, ist bekannt. In Wien sind es nur mehr 25 Prozent eines Geburtsjahrganges, die eine Lehre anstreben. 75 Pro­zent streben irgendwas an, nur keine Lehre, nämlich weitergehende schulische Ausbil­dungen.

 


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