Das sind Entwicklungen, über die man jetzt diskutieren kann, soviel man will. Wir fangen die Jugendlichen, die Gefahr laufen, keine Ausbildung weiter zu machen, auch noch zusätzlich mit dem Projekt Jugendcoaching ab, das wir jetzt bewusst in Wien und in der Steiermark beginnen und das dann auf alle Bundesländer ausgedehnt wird, wo wir in die Schulen gehen und im letzten Schuljahr die jungen Menschen beraten und ihnen Hilfestellung geben.
Mein Ziel ist, das ist ja bekannt, es soll keinen 15-Jährigen geben, der nach Ende der Schulpflicht sagt, ich weiß nicht, was ich tun soll. Ich will haben, dass jeder 15-Jährige eine Ausbildung weiter macht, egal, welche Ausbildung. Ob es eine Schule ist, eine Lehre ist, eine Teillehre ist, das ist ganz egal. Dieses Projekt Jugendcoaching treiben wir jetzt voran. Da gibt es tolle, sehr punktuelle Versuche in den Bundesländern. Aber klar ist, wir haben eine gewisse Zahl an Jugendlichen, die nicht eine Lehre machen, die aber auch keine Schule machen, und diese müssen wir abfangen, aber die werden trotzdem nicht unser Problem lösen, dass wir um 10 000 15-Jährige weniger haben und 2016 noch einmal weniger haben.
Das wird unser Problem nicht lösen, weil das, was nicht geboren wurde, einfach nicht da ist. Das ist einmal Punkt eins. Sie brauchen sich nur die Zahlen der Volksschulen heuer anzuschauen: so wenig Volksschüler wie noch nie. Sie brauchen sich nur die nackten Zahlen anzuschauen, das sind alles österreichweite Zahlen; natürlich gibt es regionale Unterschiede. Und: Das, was ich heute in der Volksschule nicht habe, habe ich in der Zukunft nicht am Arbeitsmarkt. Demzufolge, ob wir wollen oder nicht, ob es uns Spaß macht oder nicht: Wenn wir ein gewisses Niveau aufrechterhalten wollen, brauchen wir Migration. Das kann man drehen und wenden, wie man will: Wenn wir weiterhin 8,4 Millionen Österreicherinnen und Österreicher bleiben wollen, dann brauchen wir Migration. Wenn wir sagen, wir geben uns zufrieden mit 7 Millionen Österreichern in 30 Jahren, dann brauchen wir keine Migration.
Man muss sich nur politisch im Klaren sein, was man will. Will man weiterhin ein wachsendes, pulsierendes Land sein, dann brauchen wir Zuwanderung, mit Regeln, mit deutscher Sprache, das ist alles nicht das Thema, nur wir brauchen sie. Man kann da den Kopf schütteln, ja, aber schauen Sie nach Tirol und erklären Sie mir, wie Sie den Tiroler Wintertourismus ohne Migration bewerkstelligen wollen! Wenn Sie mir darauf eine Antwort geben, dann gratuliere ich Ihnen. (Beifall bei SPÖ und Grünen sowie bei Bundesräten der ÖVP.)
Sie werden nämlich draufkommen, dass der Salzburger, der Tiroler, der Kärntner, der steirische Wintertourismus sowie der burgenländische Sommertourismus ohne Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit Migrationshintergrund nicht zu bewerkstelligen ist. Ob uns das jetzt Spaß macht oder nicht, das könnt ihr auch drehen und wenden, wie ihr wollt. Ich weiß, dass das der Freiheitlichen Partei keinen Spaß macht, aber es sind die nackten Zahlen so nüchtern. Und ich kann Sie nur ersuchen, sie endlich einmal anzuerkennen, und reden Sie mit Ihren freiheitlichen Wirtschaftstreibenden, die im Tourismus tätig sind! – Danke. (Beifall bei SPÖ und Grünen sowie bei Bundesräten der ÖVP.)
Präsidentin Mag. Susanne Neuwirth: Wird eine Zusatzfrage gewünscht? – Bitte.
Bundesrätin Monika Mühlwerth (FPÖ, Wien): Die nackten Zahlen, Herr Minister, sagen aber auch, dass es, wie Sie es ja selber gerade erwähnt haben, sehr viele zugewanderte arbeitslose Jugendliche gibt, bei denen diese Programme, die Sie gerade zitiert haben, noch nicht gegriffen haben. Und solange wir das nicht im Griff haben, sagt die Freiheitliche Partei: keine Zuwanderung. Wir bleiben dabei.
Die Microsoft-Chefin von Österreich hat jüngst beklagt, dass es einen Mangel an Technikern in Österreich gibt, obwohl wir im Telekommunikations- und IT-Bereich ganz gut aufgestellt sind. Sie empfiehlt eine stärkere Zusammenarbeit von Wirtschaft und For-
HomeSeite 1Vorherige SeiteNächste Seite