arbeiten muss. Das kommt nicht von alleine, sondern da muss man schon etwas tun dafür.
Man muss auch – das wissen wir alle, und in vielen Bereichen geschieht es auch –, die Schüler, die schwach sind, schon am Wege begleiten.
Da fällt mir ein, ich habe einmal eine Dokumentationssendung gesehen, die brachte ein mich tief beeindruckendes Beispiel einer jungen Frau, die erzählt hat, wie es ihr in Österreich neun Jahre lang gelungen ist, alle Lehrer zu täuschen und sich durchzuschummeln. Die konnte nicht einmal ungenügend, die konnte überhaupt nicht lesen und schreiben. Sie hat dennoch einen positiven Pflichtschulabschluss geschafft und danach eine Lehre angeschlossen, die sie auch positiv abgeschlossen hat. Sie hat immer noch nicht lesen und schreiben können, und niemandem ist es aufgefallen. Da fragt man sich schon: Wie geht das? (Bundesrat Kneifel: Die kann aber nicht so dumm gewesen sein!) Nein, das sage ich ja auch nicht. (Bundesrat Kneifel: Das ist doch ein Zeichen von Intelligenz!)
Kollege! Ich würde überhaupt nie die Behauptung in den Raum stellen, dass jemand, der nicht lesen und schreiben kann, dumm sein soll. (Bundesrat Kneifel: Das ist ein Naturtalent!) Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun, und wir wissen, dass die, die nicht lesen und schreiben können, extreme Fertigkeiten und Strategien entwickeln, um das vertuschen zu können. Die machen das sogar unglaublich geschickt, aber irgendwann kommt es heraus, und sie sind – das wurde heute schon gesagt – extrem unglücklich. Es bedeutet ja totalen psychischen Stress, ständig eine Entdeckung zu befürchten.
Kurse gibt es ja auch jetzt schon, und wir haben gehört, dass es in den Bundesländern Privatinitiativen gibt, aber die Scham ist zu groß, diese auch in Anspruch zu nehmen. Die Betroffenen genieren sich, da hinzugehen und zu sagen, zu bekennen: Ich kann nicht lesen und nicht schreiben!, obwohl es das Richtige wäre und ihnen das helfen würde.
Wir müssen also auch bei den Förderungen in der Schule ansetzen, die ja in manchen Bundesländern, in Wien zum Beispiel, zurückgefahren worden sind. Das muss man auch sagen. Da muss ich schon auch kritisch sagen: Wir müssen schauen, dass wir unser Geld in die richtigen Kanäle leiten!
Es ist ja nicht unbekannt, dass ich kein Freund der Gesamtschule bin und das als Experiment betrachte, in dem Geld verbraten wird. Wenn man nach Deutschland schaut und sich deutsche Studien anschaut, dann sieht man, dass keinesfalls bewiesen ist, dass die Gesamtschule die bessere Schule ist, die den sozialen Ausgleich schafft. Das wird dort widerlegt beziehungsweise wird bestätigt, dass dem nicht so ist, dass das Gegenteil der Fall ist. Der Wissens- und Kenntnisunterschied zwischen einem Gesamtschüler und einem Gymnasiasten in Deutschland beträgt zwei Jahre. Also was ist jetzt so toll daran? Da meine ich: Schauen wir lieber, dass wir die Schüler gut fördern, geben wir dort das Geld hin, und machen wir nicht ständig ein neues Experiment, eine neue Baustelle auf in der Hoffnung, dass sich dann etwas ändern wird! (Beifall bei der FPÖ.)
In dem konkreten Fall, ein Angebot zu schaffen, um Menschen, die diese Basiskompetenzen nicht haben, diese nachholend erwerben zu lassen, sind wir voll dabei und werden daher diesem Antrag zustimmen. (Beifall bei der FPÖ.)
13.09
Vizepräsident Mag. Harald Himmer: Zu Wort gelangt nun Herr Bundesrat Dönmez. – Bitte.
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