BundesratStenographisches Protokoll807. Sitzung / Seite 74

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terricht in der Klasse“, „Begabungs- und Begabtenförderungen sowie Maßnahmen der inklusiven Pädagogik“, „Unterrichten im Lehrerteam (Teamteaching)“.

Toll, ja! Und warum hat man das bis jetzt noch nicht gemacht? Warum brauche ich ei­nen neuen Schulversuch, wenn ich das mache? – Ja, es sind mehr Ressourcen, das weiß ich schon. Dieses Mehr an Ressourcen hätte man aber auch den Hauptschulen geben können. (Zwischenrufe bei der SPÖ.) Dazu muss man nicht das Türschild aus­wechseln. Das ist, was jetzt erst mal vorläufig passiert, aber wir wissen, wohin die Rei­se gehen wird.

Sie glauben, dass Sie damit alle Probleme, die es jetzt an den Schulen gibt, beseitigen werden. Ich sage Ihnen etwas: Es gibt schon eine Gesamtschule, und zwar seit Jahr­zehnten, die heißt bei uns Volksschule. Wenn das jetzt alles so wunderbar wäre, wie Sie sich’s einbilden oder wie Sie es behaupten, dann dürfte es nicht möglich sein, dass von der Volksschule österreichweit – Wien natürlich wie immer am stärksten betrof­fen – 20 Prozent der Schüler, die in weitere Schulen gehen, nicht ausreichend lesen und schreiben können.

Wenn das Modell Gesamtschule so toll ist, dann müsste das ja in der Gesamtschule Volksschule funktionieren. – Tut es aber nicht!

Aber Sie halten weiterhin an der Gesamtschule fest, geben sich dem berauschenden Gefühl hin, dass Sie damit Bildungsgerechtigkeit schaffen und dass Sie die Unter­schiede, die es zweifellos gibt, von jenen, die von zu Hause aus mehr gefördert wer­den, von denen wo das überhaupt nicht passiert, von jenen Familien, wo Kinder noch erzogen werden, beseitigen. Ich bleibe bei dem Wort „Erziehung“, und ich finde das auch richtig, auch wenn auch das mittlerweile so einen bisschen einen Hautgout be­kommen hat. Bei manchen darf man das schon gar nicht mehr sagen, weil Erziehung – das sagen ja die Psychologen – heißt Ziehen in eine Richtung.

Ich bekenne mich dazu: Ich habe gewisse Vorstellungen, wie meine Kinder aufwach­sen sollen, ohne dass ich sie jetzt behindern will, aber ich habe schon gewisse Vor­stellungen, wie man sich benimmt, was man tut, was man nicht tut, et cetera. Das nenne ich Erziehung; das möchte ich auch leben und habe es auch gelebt.

Aber man glaubt, dass diese Bildungsungerechtigkeit mit einer Gesamtschule eliminiert wird. In Deutschland weiß man, dass das nicht so ist. Die sozialen Unterschiede sind in der Gesamtschule nicht eliminiert worden. Und ich verstehe nicht, warum man an dem jetzt festhält und glaubt, die Defizite der Gesellschaft lösen sich in Luft auf, nur weil man eine andere Schulform hat. Daher prophezeie ich Ihnen – und das durchaus mit Verstand, um auf den Kollegen Mayer einzugehen –, dass das genau so nicht pas­sieren wird.

Es kommt noch dazu, dass wir ja vor allem Zuwanderer aus bildungsfernen Schichten haben, die wir ja schon in der Volksschule nicht mit ins Boot holen können. Es ist ein­fach nicht gelungen. Und es ist nicht immer die Schuld des Lehrers, wenn ein Schüler nichts lernt. Es wird zwar so zwangsweise gesagt – es gibt auch so ein Lehrer-Bashing –, dass immer der Lehrer Schuld ist, aber das ist auch nicht immer der Fall. Mittlerweile kommt es dazu, dass Schulen Aufgaben übernehmen müssen, für die sie gar nicht gedacht sind. Wofür eigentlich die Schule da sein sollte, da kann man sich an Finnland ein Beispiel nehmen. In Finnland ist die Schule dafür da, dass dort unter­richtet wird. Die haben aber natürlich auch Psychologen, Sozialarbeiter, Kranken­schwestern, Leute aus dem Elternbereich, die quasi als Assistenten auch fungieren. Da sind Sie ja alle nicht bereit, das zu machen. Und daher hat die Schule neben dem Unterrichten ein ganzes Konvolut an gesellschaftlichen Mängeln – das muss man ja sagen – auszugleichen. Und damit ist auch das beste Personal überfordert.

Was aus freiheitlicher Sicht ganz dringend gebraucht wird, ist die Nachhaltigkeit des Lernens. Da bleibe ich dabei, das fordere ich jedes Mal wieder. Die Ausbildung der


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