BundesratStenographisches Protokoll807. Sitzung / Seite 75

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Lehrer muss meiner Meinung nach verbessert werden, und zwar auch dahingehend, dass nur jene Lehrer werden, die auch dafür geeignet sind. Damit meine ich nicht nur jene, die gerne Lehrer werden möchten, aus welchen Gründen auch immer – und es ist nicht nur immer wegen dem Juli und dem August –, sondern es sind ja auch durchaus Leute dabei, die ein Ideal haben und trotzdem nicht für den Beruf geeignet sind. (Bun­desrat Kneifel: Das stimmt!) Das ist einer der wenigen Berufe, bei dem man wirklich eine echte Eignung haben muss, denn nirgends wirkt es sich so fatal aus, wie wenn Leute auf unsere Kinder losgelassen werden, die dafür absolut ungeeignet sind. Das heißt, es muss bei der Lehrerausbildung ein Hebel eingebaut werden oder eine Schie­ne eingezogen werden, die zu 99 Prozent, denn 100 Prozent gibt es nicht, garantiert, dass wirklich nur jene Lehrer werden, die dafür geeignet sind.

Dann aber fordere ich, dass man diese Lehrer auch ihren Job machen lässt. (Zwi­schenruf des Bundesrates Perhab.) Ich bin kein Fan der Mitsprache der Eltern. Ich habe es selbst – nicht nur einmal, sondern öfter – in der Schulzeit meiner Kinder erlebt, dass die Eltern Aufstände gemacht haben, und zwar nicht deswegen, weil der Lehrer irgendwie sehr ungerecht war oder sich wirklich etwas hat zuschulden kommen lassen, wo man als Elternteil sagt: Da muss man ja eingreifen, da kann man nicht zuschauen!, sondern wegen ganz trivialer Dinge, etwa: zu streng, hat zu oft Vokabel geprüft oder zu viel geprüft oder was auch immer. Und das war interessanterweise bei Lehrern, die bei den Schülern, auch bei den der Oberstufen, absolut anerkannt waren. Denen ist der Ruf vorausgeeilt, sie seien zwar streng, aber sie seien sehr gute Lehrer. Trotzdem ha­ben sich die Eltern der Unterstufe permanent beschwert. Das finde ich nicht gut. Das ist keine gute Entwicklung.

Es geht auch keiner her und erklärt dem Elektriker, wie er den Schaltkasten anbringen soll. Daher kann ich davon ausgehen, dass ein Pädagoge, der eine sehr gute Ausbil­dung hat und geeignet ist, auch in der Lage ist, den Job zu machen. Und es funk­tioniert wunderbar, wenn sich die Schüler mit den Lehrern gewisse Dinge ausmachen – unabhängig von den Eltern! Also man muss wirklich nicht bei – ich sage es jetzt etwas salopp – jedem „Käse“ als Elternteil hergehen und dem Lehrer erklären, was er wie zu tun hat.

Eines ist mir auch noch wichtig – und das ist immer wieder zu sagen, denn es geht ja, wenn wir von Schule sprechen, auch um Bildung –: Es geht bei Bildung vor allem darum, die jungen Menschen zu kritischen Menschen zu erziehen: zu Menschen, die Dinge hinterfragen und nicht einfach alles glauben, was man ihnen serviert, die sich auch Wissen aneignen. Bildung ist dann letzten Endes auch ein Selbstzweck.

Und da kommt zu den Lehrern noch eines dazu: Bei aller guten pädagogischen Ausbil­dung ist auch das Wissen gefragt. Und es ist beileibe nicht immer garantiert, dass die Lehrer auch wirklich ein solides Fachwissen haben. Da weiß ich wirklich, wovon ich spreche, ohne dass ich jetzt pauschal alle Lehrer verurteile und sage, die können alle miteinander nichts. Aber wir wissen, auch da gibt es sehr große Unterschiede. (Bun­desrat Kneifel: Was man nicht weiß, muss man glauben!) Und der Respekt der Schü­ler fußt auch darauf, dass sich der Lehrer in seinem Fach auch wirklich „1a“ auskennt.

Ich glaube, es muss – auch das sei noch einmal wiederholt von mir, und davon bin ich überzeugt – ein gleichberechtigtes Miteinander von Maturanten, von Akademikern und von solchen geben, die „nur“ – unter Anführungszeichen eine Lehre gemacht haben. All das, muss ich jetzt leider sagen, Frau Minister, finde ich in dieser Regierungs­vorlage nicht. Wir sind nicht für die Gleichmacherei und für den Einheitsbrei, sondern für eine Vielfalt der Schulen, aber auch der Schüler gemäß ihrer Begabungen. (Beifall bei der FPÖ.)

13.27

 


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