BundesratStenographisches Protokoll807. Sitzung / Seite 80

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chen worden, dass Pädagoginnen und Pädagogen eine große Rolle bei der Umset­zung spielen.

Ich muss sagen – und das möchte ich ganz dezidiert festhalten; du hast es auch schon gesagt; ich bin auch Lehrerin –: Es gibt in Österreich gute Pädagoginnen und Pädago­gen, die wissen, wovon sie reden! (Beifall bei ÖVP, SPÖ und FPÖ.)

Sie sind in Zukunft stark gefordert, denn neben den benoteten Zeugnissen wird es auch differenzierte Leistungsbeschreibungen geben müssen, die die Leistungen, Stär­ken sowie Fähigkeiten und Kompetenzen von Schülerinnen und Schülern besser dar­stellen. Es ist eine verpflichtende differenzierte Leistungsbeschreibung zu erstellen. Das hat es bisher nicht gegeben, und das ist auch – man könnte es fast so sagen – eine alternative Form der Leistungsbeurteilung, nämlich viel breiter gestreut. Man kann zum Beispiel Kompetenzraster machen, es können Portfolios angelegt werden. Somit werden die Schule und auch die Leistungsbeurteilung wirklich stark weiterentwickelt.

Es gibt Gespräche mit den Eltern – dies wurde auch schon angesprochen –, in denen darauf eingegangen wird, was die Schüler können, was sie nicht können, wo sie sich noch weiterentwickeln können und müssen und wie es mit der Berufswahl aussieht. Richtung Berufsorientierung wird ein starker Akzent in der Neuen Mittelschule gelegt werden.

Die Beurteilung – Kollege Dönmez, du hast es angesprochen – stellt tatsächlich auch eine Herausforderung dar. Das sehe ich auch so. Ich spüre das in meinen Gesprächen mit den Lehrerinnen und Lehrern als Bezirksschulinspektorin. Es gibt jetzt in der 5. und 6. Schulstufe eine fünfteilige Notenskala, in der 7. und 8. eine siebenteilige Notenskala. Bisher hat es eigentlich in jeder Leistungsgruppe fünf Noten gegeben. Das heißt, es wird hier schon zu starken inhaltlichen Veränderungen kommen und gleichzeitig natür­lich auch zu großen Herausforderungen. (Bundesrätin Blatnik: Aber das ist ja posi­tiv!) – Das ist auch positiv, ja.

Allerdings muss man sagen, weil dieser grundlegende und vertiefende Lehrplan ange­sprochen wurde: Es war auch ein großes Anliegen der Eltern, das an mich herange­tragen wurde, dass Schülerinnen und Schüler, die möglicherweise nicht dem AHS-Lehrplan entsprechen, auch in der 5. und 6. Schulstufe bestens gefördert werden und mit in der Gemeinschaft bleiben können. Ich sehe in der Aufhebung der Leistungsgrup­pen den großen Vorteil, dass alle Kinder beisammen sind, die weniger Guten von den Guten lernen können und die Guten auch beispielgebend vorangehen können.

Wichtig war mir – weil das angesprochen wurde, dass es sehr viele Einwände gegeben hätte –, dass das Fach „Ernährung und Haushalt“ in den Pflichtgegenstandkatalog hi­neingekommen ist, denn gerade in Zeiten, wo wir darüber sprechen, dass wir gesunde Schuljausen, gesunde Schulküchen benötigen, Kinder zu dick sind, brauchen wir die­sen Gegenstand sehr dringend. Das finden auch viele Betroffene sehr positiv.

Ein bisschen skeptisch wird beurteilt – das möchte ich schon auch sagen –, dass der Gegenstand „Werkerziehung“ nur mehr als ein Gegenstand geführt wird. Da gibt es starke Bedenken seitens der Lehrerschaft, gerade auch, was das Textile Werken be­trifft, wo jetzt Buben und Mädchen Gleiches lernen. Natürlich ist das gender-mäßig be­grüßenswert, aber von der Organisation her ist das vielleicht doch nicht so leicht. Übertrieben formuliert: Gestern hat jemand gesagt, dass Burschen auch in der 4. Klas­se Hauptschule Stricken lernen müssen. Davon kann natürlich keine Rede sein. Der Lehrplan wird entsprechend offen gestaltet werden.

Es gibt also eine Reihe von Veränderungen: Team-Teaching, neue Lehrpläne, neue Formen der Leistungsbeurteilung, neue Stundentafeln. Das sind gewaltige Herausfor­derungen, diese brauchen natürlich auch entsprechende Veränderungen – das ist auch schon angesprochen worden, da stimme ich überein – in der LehrerInnenausbildung, aber auch, was das neue Lehrerdienstrecht betrifft.

 


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