BundesratStenographisches Protokoll807. Sitzung / Seite 82

HomeSeite 1Vorherige SeiteNächste Seite

Ich möchte mich ganz besonders bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern meines Hauses bedanken – da war sehr, sehr viel Detailarbeit notwendig – und beim Regie­rungspartner, der in diesen Prozess eingestiegen ist. Es hat auch einen sehr inten­siven – Herr Bundesrat Dönmez, Sie haben ja aus einigen Stellungnahmen zitiert – Be­gutachtungsprozess gegeben, dem noch viele Detailgespräche gefolgt sind, in die noch sehr, sehr viele Meinungen, auch der Praktiker, eingeflossen sind.

In einem Punkt unterscheidet sich der Zugang des Regierungspartners von meinem Zugang und jenem meiner Regierungsfraktion. Wir sehen die Neue Mittelschule als Schritt des Machbaren, des derzeit Machbaren auf dem Weg zur gemeinsamen Schule. Ich sehe die Neue Mittelschule aber auch als einen Baustein einer ganzen Pa­lette von Maßnahmen, die notwendig sind, vom Kindergarten als Bildungseinrichtung, von weiteren Investitionen auch in die Volksschule, die Neue Mittelschule und dann die ausdifferenzierte Oberstufe. Das ist für mich die Kette einer Entwicklung, setzt aber natürlich innere Differenzierung voraus. Wenn man bezüglich der Neuen Mittelschule jetzt vielleicht den Vorwurf der Gleichmacherei bringt, so ist das einfach falsch und oberflächlich betrachtet.

Es setzt voraus, dass jeder einzelne Schüler, jede einzelne Schülerin individuell betreut wird, gefördert wird, aber natürlich auch individuell beurteilt wird. Es hilft ja nichts, wenn es unterschiedliche persönliche Neigungen, einen unterschiedlichen Arbeitseinsatz und Arbeitseifer gibt – um jetzt Markus Hengstschläger, den ich sehr schätze, zu folgen –, so gibt es auch unterschiedliche Ergebnisse. Und unterschiedliche Ergebnisse müssen wir auch differenziert bewerten, differenziert abbilden, letztlich auch differenziert beur­teilen.

Das Ergebnis ist klar: eine Bildungswegentscheidung mit 14 Jahren. Das setzt eindeu­tige Berechtigungen voraus, die man mit Abschluss der Neuen Mittelschule erwirbt. Da braucht es Klarheit und Transparenz.

Daher – wir haben lange über diesen Punkt diskutiert, Sie haben es ausgeführt –: „grundlegend“ und „vertiefend“. Aus meiner Sicht ist das nahezu eine Ideallösung, um hier in der Beurteilung noch mehrere Kriterien zu öffnen, in der Motivation und in der Wertschätzung zu bleiben, wenn Einzelne – und das betrifft ja drei Gegenstände – das AHS-Niveau nicht erreichen, da eben in der Beurteilung ein Stück aufzumachen. Natür­lich muss sich das dann auch in der Bildungswegentscheidung und Berufsentschei­dung niederschlagen.

Was mir in diesem Zusammenhang aber wichtig ist, ist, dass „grundlegend“ und „ver­tiefend“ nicht der Überraschungsakt bei der Übergabe des Zeugnisses ist, sondern dass es hier zwei Mal im Jahr verpflichtend Schüler-Eltern-Lehrer-Gespräche gibt. Das ist für mich überhaupt ein Schlüssel zum Erfolg, ein Weg, das Drama-Dreieck, um in der Sprache der Psychologie zu reden, aufzulösen: Täter-Retter-Opfer, Schüler-Eltern-Lehrer. Da finden Gespräche zwischen Eltern und Lehrern statt und der Hauptbetrof­fene, der Schüler, ist gar nicht dabei. Das kann ja gar nicht gut gehen!

Das heißt, hier sitzt die Schulpartnerschaft wirklich gleichberechtigt am Tisch. Eine Vereinbarungskultur wird wahrgenommen; das ist für mich auch von der Kultur und von der Haltung her ein großer Fortschritt dieses pädagogischen Konzepts, wie über­haupt – und das haben wir gestern in Niederösterreich bei einem Schulpartnerdialog diskutiert – die Änderung der Pädagogik, die Änderung der Herangehensweise das Neue und die Neuerung an der Neuen Mittelschule ist. Wenn das ausstrahlt, jetzt auch auf die Schulkultur davor und danach, dann ist das ja nur wünschenswert.

Ich möchte hier auch sehr gerne Markus Hengstschläger zitieren, der ausdrücklich be­tont: Vielfalt ist die Überlebenschance einer Gesellschaft. Es gilt Vielfalt zu fördern.

 


HomeSeite 1Vorherige SeiteNächste Seite