Auch das Menschenbild, das dahinter steht, gefällt mir natürlich besonders gut, nämlich dass jeder von uns irgendetwas ganz besonders gut kann, und damit auch jeder in Kombination aus individueller Leistungsvoraussetzung und aus harter Arbeit erfolgreich sein kann – eben auf unterschiedlichen Gebieten. Und das auch ein Stück besser in der Schule zu entwickeln und zu begleiten, sehe ich als großes Ziel und Herausforderung.
Ungeachtet dessen – und ich glaube, es ist vorhin ja auch das Wort „Erziehung“ gefallen – dürfen wir die Bedeutung der Familie im Kontext der Bildung nicht vernachlässigen. Es gibt beispielsweise ganz, ganz viele Studien, die uns belegen, dass die Anzahl der Bücher, die es im Elternhaus gibt, einen direkten Einfluss auf die Lesekompetenz der jungen Menschen hat. Und in diesem Sinn – das mag jetzt ein bisschen wie ein Appell klingen – ist es mir auch ein Anliegen, dass wir bildungspolitische Themen nicht nur schulpolitisch diskutieren, nicht nur unter Ausbildungsaspekten und unter dem Blickpunkt des ökonomischen Nutzens, sondern dass wir uns ganz stark auch der gesellschaftspolitischen Dimension von Bildung bewusst werden. Da geht es – und da kann ich der Frau Bundesrätin Mühlwerth nur zustimmen – um Identität, Selbstwertgefühl, Zuversicht, Selbständigkeit, Mündigkeit, Zivilcourage, um Werte, die es auch im Sinne der gelebten Werte hier zu vertreten gilt.
Was mir noch wichtig ist zu erwähnen, ist vor allem der Punkt mehr Verantwortung am Schulstandort, bewusste Schwerpunktsetzung an den Schulstandorten, wobei sich die vier Schwerpunkte, die im Gesetz angeführt sind, nicht auf den gesamten Schulstandort beziehen müssen, sondern das kann auch klassenweise umgesetzt werden. Das heißt, auch hier sind Differenzierungen möglich. – Ich glaube, dass das ein sehr, sehr wichtiger Schritt ist.
Die Berechtigungen habe ich schon angesprochen. Für mich persönlich ist die Neue Mittelschule dann ein Erfolg, wenn es uns gelingt, dass mehr Menschen entlang ihrer persönlichen Interessen, Neigungen und Begabungen ihren zukünftigen Bildungsweg gehen und ihre zukünftige Berufsentscheidung treffen können, und wenn es gleichermaßen gelingt, mit der Kultur des Ernstnehmens der Schüler und Schülerinnen, mit der Motivation der Lehrer und Lehrerinnen auch einen Schritt zu mehr Identität und Selbstverantwortung zu leisten.
In Summe ist diese Reform eingebettet in ein ganzes Maßnahmenbündel – verpflichtendes Kindergartenjahr, Bildungsstandards, neue Matura, Neue Mittelschule, Ganztagsschule, Nachholen von Bildungsabschlüssen –, und die große Aufgabe, die ab morgen vor uns liegt, ist die Umsetzung dieses Reformvorhabens in ganz Österreich. Da gilt es auch, sehr, sehr achtsam zu sein: Gerade die Überleitung vom Prototypen in die Serie birgt auch noch einiges an Risiko. Pioniere sind meistens diejenigen, die auch ein bisschen herausragen. Jetzt gilt es, das wirklich vom Neusiedler See bis zum Bodensee mit Engagement umzusetzen.
Es ist mir wichtig, dass die Lernbegleitung, dass die Ressourcensicherung, dass vor allem die Budgetsicherheit auch im Finanzrahmengesetz gegeben ist, dass wir also all diese Elemente fixiert haben, und dass wir die Standorte mit der Schulaufsicht, mit den Pädagogischen Hochschulen gut in der Entwicklung begleiten, denn mit dem Hissen der Fahne, der Montage des neuen Türtaferls und der neuen Lernkultur allein ist es nicht getan – das muss jeden Tag gelebt werden.
Ich kann das nur unterstreichen, was Sie, Frau Bundesrätin, gesagt haben: Arbeiten wir gemeinsam an einer Kultur des Gelingens und freuen wir uns auch gemeinsam, wenn es Erfolge gibt! Ich glaube, das braucht gerade der Bildungsbereich und alle, die in der Schule arbeiten, ganz, ganz dringend. – Vielen, vielen Dank. (Beifall bei SPÖ und ÖVP.)
14.04
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