BundesratStenographisches Protokoll812. Sitzung / Seite 120

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matura wird leider verschoben und gleich so zu tun, als ob sie auf den Sankt Nimmerleinstag verschoben werden soll, finde ich wirklich unfair. Und das sage ich, obwohl wir damals gegen die Zentralmatura gestimmt haben, aber nicht, weil wir prinzipiell dagegen sind.

Die Zentralmatura ist eine wirklich langjährige Forderung der Freiheitlichen, die sich schon in den Bildungsprogrammen der achtziger Jahre gefunden hat. (Bundesrat Beer: Früher schon! Siebziger!) – Oder siebziger Jahre! Danke. Siebziger Jahre. Noch früher! Bitte schön. Ich sehe, die Kollegen lesen unsere Parteiprogramme. Das kann nur gut sein. (Heiterkeit bei der SPÖ.)

Aber das fordern wir wirklich schon lange. Wir waren mit der vorwissenschaftlichen Arbeit unzufrieden. Und ja, ich gebe auch zu, im Hintergrund ist auch so ein gewisses Bedenken dahin gehend gewesen, ob man nicht wieder zu einer weiteren Senkung des Niveaus kommen wird. Das ist auch noch nicht ganz ausgeräumt, muss ich sagen.

Aber ich finde es richtig, auf die Kritik oder auf die Sorgen von Eltern, Lehrern und Schülern einzugehen und zu sagen: Für jene, die sich nicht ausreichend vorbereitet fühlen, verschieben wir sie um ein Jahr. Und all diejenigen, die sich fit genug fühlen, kön­nen sie ja machen, auch wenn es wahrscheinlich ein bisschen schwierig sein wird, in jeder Kurie die Zweidrittelmehrheit zu erzielen. Ich hoffe, dass das gelingt. Also warum soll es nicht sein? Man hat dann auch Zeit, auf jene Bedenken einzugehen, die ja auch schon im Vorfeld geäußert worden sind.

Die Politik hat zuerst einmal gesagt: Nein, wir verschieben sie nicht. Dann, nachdem der Druck zu groß geworden ist, hat man gesagt: Na gut, verschieben wir sie doch. Und es gab ja auch sachliche Kritik. In Mathematik zum Beispiel hat der Mathe­matikdidaktiker Peschek gesagt: Da könnte es zu große Unterschiede geben, weil als Maßstab nicht nur das hergenommen werden soll, was man können soll, wenn man eine Zentralmatura macht, sondern auch das, was die Schüler schon können. Also dieses alte Motto, man soll die Schüler dort abholen, wo sie sind, mit dem ich auch nicht immer einverstanden bin.

Ich glaube, eine Zentralmatura hat schon den Sinn herauszufinden: Wo ist der Level? Was müssen die Schüler können? Und das, egal, ob sie jetzt aus einer AHS oder aus einer BHS kommen, halte ich schon für wesentlich.

Aber ich muss es auch in Kauf nehmen, zumindest am Anfang, dass ich sage: Okay, dann fliegen halt ein paar Schüler in der einen oder der anderen Schule durch. Das will man aber offensichtlich nicht. Man hat da irgendwie Angst, dass es ein schlechtes Bild auf das Bildungssystem oder auf die Lehrer wirft, wenn zu viele durchfallen. Ich sehe das aber durchaus als Chance zu fragen: Woran hakt es denn? Woran liegt es in der Schule, dass diese Schüler schlechter waren?

Erst dann haben wir nämlich wirklich die Vergleichbarkeit – nicht, wenn man vor lauter Angst, dass zu viele durchfallen könnten, gleich wieder die Latte nach unten legt und sagt: Das darf um Gottes Willen nicht sein. Darüber könnte und sollte man nach unserem Dafürhalten auch noch nachdenken.

Das Zweite ist, dass auch beim Fach Deutsch Kritik geäußert worden ist. Wir haben das gestern im Ausschuss besprochen. Der Herr Sektionschef hat versucht, das ein bisschen zu zerstreuen und hat gesagt: Nein, das ist alles nichts so!

Aber auch da, würde ich sagen, muss man die Kritik ernst nehmen, die sich vor allem daran entzündet, dass bei der Grammatik, Orthographie, Beistrichsetzung der Rahmen zu breit gespannt ist. Das heißt, keiner weiß genau, welche Fehler jetzt wirklich zählen und was ein gravierender oder ein weniger gravierender Fehler ist. Wie viele gravierende Fehler darf man tatsächlich machen?

 


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