Meine sehr geehrten Damen und Herren! Da richte ich mein Wort vor allem auch an Sie, lieber Herr Bundesrat Dönmez, die Reife- und Diplomprüfung ist und bleibt eines meiner großen Regierungsprojekte. Die neue Reife- und Diplomprüfung bedeutet ohne Zweifel einen Paradigmenwechsel, in allererster Linie für die Lehrerinnen und Lehrer. Den haben sie bislang alle selbst bewerkstelligt, Fragen ausgearbeitet, geprüft, beurteilt, benotet. Ohne irgendwelche Standards, klar vorgegebene Kompetenzniveaus zu haben, erfolgt hier ein Paradigmenwechsel, jedenfalls in zentralen Fächern – das wird in den meisten Fällen Deutsch, Mathematik, lebende Fremdsprache sein –, wo an einem Tag zu einer genau fixierten Uhrzeit bei den schriftlichen Prüfungen die Fragen zentral vorgegeben werden.
Das ist ein Paradigmenwechsel für ganz Österreich. Ich sage aber gleichzeitig, das ist auch ein höchst notwendiger Paradigmenwechsel, weil diese Vorgangsweise zu einer Objektivierung der Matura führt und weil wir damit auch Anschluss an internationale Entwicklungen finden, denn immerhin haben 23 von 27 Staaten bereits standardisierte Formen der Matura im Einsatz. Und wenn wir jetzt auf europäischer Ebene zum Beispiel über nationale Qualifikationsrahmen sprechen, dann können wir auch vor internationalen Entwicklungen nicht einfach Halt machen.
Es war daher richtig, sich im Jahr 2009 auf dieses Entwicklungsprojekt einzulassen und es war wichtig, dass wir im Jahr 2009 diese gesetzliche Basis geschaffen haben, denn seit diesem Zeitpunkt arbeiten die Universitäten, die Pädagogischen Hochschulen und das BIFIE mit höchster Konzentration an der Vorbereitung und Umsetzung dieser Maßnahme. Ich möchte mich an dieser Stelle ganz besonders bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern auch des BIFIE bedanken, die hier wirklich Pionierarbeit leisten und diesen Bereich sehr gut vorbereiten.
Ich freue mich, dass speziell im Unterrichtsausschuss, auch von Ihrer Partei, vom Herrn Abgeordneten Walser, die Arbeit des BIFIE und auch aller Betroffenen und Beteiligten explizit gelobt wurde. Ich möchte auch in Richtung von Frau Mag. Rausch sagen, die Schulpartner waren und sind laufend in die Entwicklung miteingebunden. Das ist immer schon im Projekt vorgesehen gewesen.
Das, was uns auch wichtig war – und bei einem Entwicklungsprojekt dieser Dimension ist das einfach der Fall –, ist, dass natürlich auch die Rahmenbedingungen geschaffen werden mussten, Lehrpläne kompetenzorientiert, Lehrbücher kompetenzorientiert zu haben und natürlich alle Details, die dazu notwendig sind, in den entsprechenden Verordnungen zu klären, also Verordnung für den AHS-Bereich, Verordnung auch für den BHS-Bereich. Da geht es um 1 000 Kleinigkeiten.
Es sind aber dann im Einzelfall keine Kleinigkeiten: Darf das Wörterbuch verwendet werden? Ja, nein, welches? Taschenrechner? Ja, nein, welcher? Wie schaut das bei den mündlichen Prüfungsfragen mit dem Ziehen der Prüfungsgebiete aus? Geht das gezogene Prüfungsgebiet wieder zurück „in den Topf“ – unter Anführungszeichen – und kann für den neuen wieder neu gezogen werden? Das sind ganz viele Details und Einzelheiten, die zu lösen waren.
Ich muss Ihnen ganz ehrlich sagen, ich bin sehr froh, auch über die Diskussion heute hier im Bundesrat, dass wir jetzt nicht mehr darüber sprechen, ob es diese neue Matura in Österreich geben soll oder nicht, sondern dass es um die Frage des Zeitpunktes und um die Frage der Vorbereitungsdauer geht.
Und wenn ich mir anschaue, Herr Bundesrat Dönmez, wie es um die Halbwertszeit bildungspolitischer Maßnahmen bestellt ist, dann stelle ich fest, wenn wir hier Maßnahmen einführen, dann haben wir eine Halbwertszeit – ich schätze jetzt einmal – von 50 Jahren.
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