BundesratStenographisches Protokoll819. Sitzung / Seite 33

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heiten als Opfer dargestellt werden, die immer schützenswert sind, egal, ob es sich um eine Einzelperson oder um eine kleine Gruppe handelt. Aber speziell in diesem Fall, in dem es ja um die Christen geht, also weltweit gesehen auch eine Minderheit, gibt es das jetzt nicht mehr. Das hat mich ein bisschen verwundert. Wie das geht, kann man auch im Buch „Unter Linken“ von Jan Fleischhauer nachlesen. Er hat das sehr schön aufgelistet; und man weiß, wie das funktionieren würde.

Noch einmal zum Thema: Leider Gottes wird dieses Wertethema von aktuellen und bri­santen Themen, wie Frau Kollegin Kurz es angesprochen hat, überdeckt. Leider ist nicht in den Köpfen aller, dass tatsächlich über 200 Millionen Christen aufgrund ihres Glaubens verfolgt werden. 200 Millionen bis 400 Millionen Christen – das sind schon Zahlen, die man sich noch einmal ins Gedächtnis rufen muss – werden wegen ihres Glaubens diskriminiert. Und Jahr für Jahr werden bis zu 175 000 Christen wegen ihres Glaubens ermordet!

Die Länder, in denen diese Dinge passieren, muss ich nicht noch einmal aufzählen. Aber auch in Deutschland und selbstverständlich gerade auch bei uns in Europa findet das tagtäglich statt. Es findet auch bei Menschen statt, die zum Beispiel vom islami­schen zum christlichen Glauben konvertiert sind. Diese Menschen haben Angst, teilen dies zum Teil gar nicht mit, bekennen sich gar nicht offiziell dazu, weil sie diskriminiert werden, in Bedrängnis gebracht werden, verfolgt werden und manchmal auch wegen einer Konversion zu einem anderen Glauben zu Tode kommen. Und diese verfolgten, bedrängten und diskriminierten Christen sind auf unsere Solidarität angewiesen.

Aber gerade in Europa, gerade hier bei uns wird auf diese Christen nach wie vor allzu oft vergessen. Und im christlich-islamischen Dialog, den wir heute ja auch schon ange­sprochen haben, gelten sie hauptsächlich als Dialogverhinderer, und es muss schon fast ein drohendes Todesurteil im Raum stehen, damit sich etwa die offizielle Meinung positiv zur Religionsfreiheit äußert.

Es gibt einige Menschenrechtsorganisationen, die sich für verfolgte Christen einsetzen. Es wäre wünschenswert, wenn sich viele Christen diesen Hilfswerken und ihrer wich­tigen Arbeit für verfolgte und bedrängte Christen zuwenden würden und diese unter­stützen würden. Aber zumeist gilt die Arbeit dieser Organisationen als politisch nicht korrekt. Vor allem wenn es um Christenverfolgung in Ländern islamischen oder auch kommunistischen Hintergrundes geht, ist diese politisch nicht korrekte Art ein Thema.

Es ist wichtig, diese ideologische Barriere zu durchbrechen und die Auseinanderset­zung mit der Christenverfolgung auf die politische Agenda zu setzen. Wir müssen uns viel, viel häufiger damit beschäftigen.

Nun ein kleiner Exkurs in meine private Geschichte, ich möchte einfach noch zeigen, wie weit solch ein Fanatismus gehen kann. Wie Sie alle wissen, war ich viele Jahre in Algerien wohnhaft und wollte gerne ein algerisches Kind aus einem Waisenhaus adop­tieren. (Präsident Mayer gibt das Glockenzeichen.) – Das erzähle ich jetzt noch fertig. (Präsident Mayer: Ich bitte um eine kurze Geschichte! – Heiterkeit.)

Ich habe versucht, ein Kind von dort zu adoptieren, und habe mit der Unterstützung von hoher Ebene, von Ärzten versucht, diesen Weg zu beschreiten. Und wie ein Men­schenrecht dort tatsächlich gesehen wird, hat sich gezeigt: Ich durfte kein Kind adop­tieren, weil ich keine Muslima war und natürlich auch nicht konvertiert bin. Also es ist wichtiger, einen bestimmten Glauben zu haben, als einem Kind eine Zukunft bieten zu können, die vielleicht eine bessere gewesen wäre. (Beifall bei FPÖ und ÖVP.)

10.16


Präsident Edgar Mayer: Zu einer abschließenden Stellungnahme hat sich noch ein­mal Herr Vizekanzler Dr. Spindelegger zu Wort gemeldet. – Bitte.

 


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