BundesratStenographisches Protokoll827. Sitzung / Seite 52

HomeSeite 1Vorherige SeiteNächste Seite

Ich ersuche alle, diesen Weg mit uns zu gehen. (Beifall bei SPÖ und ÖVP.)

15.34


Vizepräsident Mag. Harald Himmer: Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Bun­desrat Mag. Pisec, Bachelor. – Bitte.

 


15.34.51

Bundesrat Mag. Reinhard Pisec, BA (FPÖ, Wien): Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrter Herr Minister! Sehr geehrte Damen und Herren! Also alles eitel Wonne ist es natürlich nicht, obwohl der Ausbau des Wissenschaftsstandortes Österreich im Sinne der Schaffung eines Postgraduate Degrees wie des PhD oder des Philosophiae Doctor natürlich zu begrüßen ist. Warum ist nicht alles eitel Wonne? – Es wurde der Kopf errichtet und irgendwie auf das Gerüst vergessen.

Sehr geehrter Herr Minister! Sie haben es eingangs gesagt, der Bologna-Prozess wurde implementiert. Ich darf korrigieren: Wenn wir vergleichen zwischen ordentlicher Universität und außerordentlicher Universität – und das ist das Studium in Krems, es ist eine außerordentliche Weiterbildung, bis dato noch; vielleicht ändert sich das noch, zurzeit ist es so –, so wurde dieser Bologna-Prozess nicht implementiert.

Was ist der Bologna-Prozess? – Er wurde bekanntlich Anfang des 21. Jahrhunderts in Österreich flächendeckend, beinahe überall umgesetzt. Es handelt sich um dieses dreistufige System mit Bakkalaureus – klingt vielleicht etwas besser als Bachelor –, Master – den Magister hat man leider abgeschafft – und PhD. In Krems wird das Bakka­laureat nicht angeboten, und das ist meiner Meinung nach nicht gerecht.

Ziehen wir einen Vergleich mit unserer ein paar hundert Meter von hier entfernten Hauptuniversität Wien, die übrigens nächstes Jahr das 650-jährige Jubiläum feiert! In Krems, zirka 20 Jahre alt, hat ein Student, wenn er zum Doktorrat antreten möchte, im Sinne des neuen Bologna-Prozesses bereits fünf Jahre hinter sich, fünf Jahre Anlernen und Fähigkeit Erlernen, wissenschaftlich zu arbeiten. Abgerechnet wird in der heutigen Zeit nicht mehr in Jahren, sondern in ECTS-Punkten, es gibt ja dieses europäische Hochschulsystem. Ein Bakkalaureat-Studium braucht zirka mindestens 180 bis 240 ECTS-Punkte – das ist ein Haufen Arbeit – und das Master-Studium angehängt zwei Jahre mehr, noch einmal 120 Punkte. In Krems ist das nicht der Fall, denn dort gibt es gar kein Bakkalaureat-Studium, und ein Master’s Degree kann man schon mit 60 Punkten erwerben.

Mir fehlen in diesem Gesetz die Zugangsvoraussetzungen für diesen dreijährigen Promotionslehrgang zum PhD, die sind nicht angeführt. Vergleicht man die Systeme – öffentliche Universität mit dem langwierigen Bachelor-System und Master-System, also Bologna-System, und Krems –, so ist Krems doch irgendwie ein Geschäftsmodell. Dort muss man 10 000 bis 20 000 € auf den Tisch legen, um ein Master’s Degree zu machen, und an der Universität Wien, an unserer schönen Universität studiert man für 17 € pro Semester. Dadurch ist natürlich wesentlich mehr Chancengleichheit gegeben, weil jeder studieren kann, weil jedem die Möglichkeit dazu gegeben wird. Das ist in Krems nicht der Fall.

Was ist das Resultat aufgrund dieser enorm hohen Beträge? – Dass dort natürlich nicht die Jungen studieren! Es heißt, man will junge Forscher heranziehen, im Gesetz steht, man will junge Forscher heranziehen. Das muss man dann aber im Gesetz anders definieren, denn in Krems ist der durchschnittliche Student bekanntlich 40 Jahre und hier auf unserer Hauptuniversität flockige 20 Jahre, der im Vergleich doch noch mehr Lebensjahre vor sich hat und somit für die Forschung wesentlich inter­essanter ist.

 


HomeSeite 1Vorherige SeiteNächste Seite