da müsste man sich gegenüber ehrlich sein – sollte es für den Vater oder die Mutter bei der Zeugnisverteilung keine Überraschung geben, wenn es um die Noten geht, denn es besteht genügend Möglichkeit, sich im Laufe des Jahres hier auch einzubringen und nicht erst am Ende eines Semesters oder am Ende eines Schuljahres wach zu werden.
Wann werden Noten zum Problem? – Fragen wir uns das einmal! Zum massiven Problem werden Schulnoten, wenn Eltern, Schüler oder manchmal auch Lehrer oder Professoren etwa zum Beispiel ein Persönlichkeitsurteil hineinprojizieren, das in den Noten und Zeugnissen nichts verloren hat. Das muss man klar und deutlich herausstreichen. (Bundesrat Dörfler: Applaus!)
Zum Streitpunkt werden Noten und Zeugnisse auch dann – und das kennen wir auch –, wenn sie eigentlich als Grundlage dafür dienen, dass Eltern oder Großeltern Zuwendungen – auch materieller Art – von guten Noten abhängig machen. Wer von uns kennt nicht in seinem Umfeld vielleicht Situationen, in denen jemand gesagt hat: Wenn du einen Einser hast, dann kriegst du das und das dafür. – Sollte das der richtige Ansporn sein? – Ich glaube, es kann ein Ansporn sein, es soll aber nicht davon abhängig gemacht werden, ob der Sprössling das eine darf oder das andere nicht darf. (Bundesrat Mag. Himmer: Positives Doping!)
Ich möchte dazu kommen – und glaube, das sieht man schon aus meinen Eingangsbemerkungen –, und da darf ich wohl für die gesamte ÖVP sprechen: Wir bekennen uns zu einer Beibehaltung des Schulnotensystems in diesem Bereich, wo es Sinn macht, wo es sich bewährt hat und wo es auch in Zukunft diese Schulnoten weiter geben wird.
Ich darf aber auf diese spezielle Eingangsphase eingehen. Ich habe gerade mit meiner Schwester telefonisch darüber gesprochen – sie ist derzeit provisorische Schulleiterin in einer Volksschule –, wie es ihr denn mit diesen verbalen Beurteilungen geht. Wir haben gehört, es gibt rund 2 800 Schulversuche. Ich habe nachgeschaut, wie viele Volksschulen es in Österreich gibt. Es sind nicht viel mehr. Ich glaube, es sind etwa 3 130. Das heißt, wenn das überwiegende Gros das jetzt schon als Schulversuch angemeldet hat, was sich auch in der Praxis bewährt hat, dann kann das nicht so schlecht sein.
Herr Kollege Jenewein, man kann jetzt darüber diskutieren, ob es mit dem Ende der ersten Grundstufe, des ersten Teils beendet werden soll oder ob es auch noch in die dritte Volksschulklasse hineinkommt. Fest steht jedenfalls: Kinder wollen benotet werden. Das sage ich Ihnen als Lehrer, der das 28 Jahre lang auch gemacht hat. Sie fordern eine Anerkennung der Leistung und tolerieren auch eine schlechte Note, wenn sie wissen, warum bessere Noten nicht gegeben wurden. (Beifall bei ÖVP und FPÖ.)
Es steht auch außer Frage, dass natürlich in bestimmten Altersstufen ergänzende Erläuterungen zu gewissen Noten Sinn machen. Ich möchte Ihnen eine lustige Anekdote dazu erzählen: Mich hat in meinem ganzen Leben eine verbale Beurteilung bei einer Leistungsfeststellung am meisten bewegt – oder ich habe mir diese am besten gemerkt –; nicht die Noten in verschiedenen Gegenständen, sondern als es darum ging, wer als Chorschüler in unserem Hauptschulchor – damals noch ein Knabenchor – geeignet war. Jeder hat ein Stück vorsingen müssen. Als der Schüler Günther Köberl drangekommen ist, hat er sich die Bundeshymne vorgenommen. Und nach wenigen Takten hat mich der Klassenvorstand und Chorleiter zur Seite geholt und gesagt: Nein, doch eher nicht! – Dieses „doch eher nicht“ habe ich mir lange gemerkt. Auch verbale Beurteilungen können sehr prägend sein, glauben Sie mir das. (Allgemeine Heiterkeit.)
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