BundesratStenographisches Protokoll839. Sitzung / Seite 75

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gen kommen, aber – das haben wir schon gehört – wir sind sozusagen in der Halbzeit­pause oder am Ende der ersten Halbzeit, was diese Strategie 2020 betrifft. Es gibt derzeit eine Halbzeitbewertung. Dennoch zeigt sich klar – und diesen Weg ist Öster­reich auch gegangen –, dass in Zeiten der Krise Investitionen in Bildung als langfristige wachstumsfördernde Maßnahme besonders wichtig sind. Ich hoffe, darüber sind wir uns alle einig, auch wenn manche diesen Bericht ablehnen.

Die lettische Ratspräsidentschaft stellt den gemeinsamen Bericht von Kommission und Rat zum strategischen Rahmen „Education and Training 2020“ in den Mittelpunkt. Da­rin werden die Fortschritte und die vereinbarten Ziele bewertet und neue Prioritäten für den kommenden Arbeitszyklus von 2015 bis 2017 festgelegt. Ein wichtiger Bereich un­ter der lettischen Präsidentschaft ist die Förderung von Kreativität, Innovation und digi­talen Fertigkeiten. Die Förderung digitaler Fertigkeiten ist ein wesentlicher Schritt auf dem Weg zu einem digitalen EU-Binnenmarkt.

Was versteht man unter diesen digitalen Fertigkeiten? – Ich bin beim Recherchieren für meinen Redebeitrag auch ein bisschen im Internet unterwegs gewesen, dort heißt es: „E-Skills for Jobs 2015/2016: Eine Kommunikationskampagne zur Bewusstseinsförde­rung“. Was sind E-Skills? – Wir bezeichnen damit Kompetenzen, die Personen oder Unternehmen benötigen, um innerhalb einer globalen Informationswirtschaft wettbewerbs­fähig zu sein.

Lassen Sie mich das anders formulieren: Ich habe es selbst erlebt, da ich auch im Schuldienst tätig bin, dass einer, der bei uns in die erste Klasse der Neuen Mittelschule geht, die erste Stunde am Computer verbracht und dort von einer Kollegin sozusagen die grundlegende Einführung erhalten hat. Die Kollegin hat irgendetwas falsch ge­macht, worauf der kleine Franz – so hat er, glaube ich, geheißen – gesagt hat: Frau Lehrerin, darf ich Ihnen helfen? – Und er hat ihr helfen können. Das heißt, dort sind Fertigkeiten und Fähigkeiten oft schon sehr weit und viel weiter, als wir das annehmen.

Das ist auch notwendig, um die Herausforderungen anzunehmen, denn wir wissen – und diese Kampagne zielt auch darauf ab –, dass das Bewusstsein für digitale Fertigkeiten im Bereich der Informations- und Kommunikationstechnologien einfach zu steigern ist, wenn wir in Österreich, wenn wir aber auch als Gesamteuropa erfolgreich sein wollen.

Einen weiteren Schwerpunkt hat meine Vorrednerin, Frau Kollegin Kurz, schon ange­sprochen: Das ist die Zusammenarbeit bei der Berufsbildung. Darauf darf ich dann noch kurz eingehen.

Was mir persönlich auch gefallen hat, ist die Vorausschau – obwohl es dort noch kei­nen definierten Schwerpunkt gibt –, dass die luxemburgische Präsidentschaft den Schwer­punkt auf die Mehrsprachigkeit in der Bildung legen wird. Ich war kürzlich in Riga bei der Tagung über Gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik und bin dort mit dem Taxi vom Flughafen zum Hotel gefahren, dabei wurde ich in ein Gespräch mit dem Taxifah­rer verwickelt. Er hat perfekt Deutsch gesprochen und hat mir von seinen Kindern er­zählt – eine Tochter ist in Amerika, ein Sohn in China –, worauf ich ihn gefragt habe, wie denn das mit den Sprachen geht. Seine Tochter spricht sechs Sprachen, der Sohn spricht fünf Sprachen. Dort wächst man so auf, und dort ist nicht nur die Zweispra­chigkeit, sondern Drei- oder Viersprachigkeit gefragt. Den Menschen, die es verstehen, sich auch mit anderen zu unterhalten und sie zu verstehen, wird die Zukunft gehören! Darauf müssen und werden wir in Österreich auch reagieren, davon bin ich überzeugt.

Es wurde von Kollegen Längle und auch von Kollegin Kurz schon die Schulabbrecher­quote angesprochen, diese beträgt in Österreich 7,3 Prozent. Im europäischen Schnitt liegen wir damit gut, wenn man nur darauf verweist – ich habe mir das jetzt noch schnell ausgedruckt –, dass Spanien mit 24 Prozent, Malta mit 22 Prozent und auch


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