BundesratStenographisches Protokoll839. Sitzung / Seite 109

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Das große Vorbild wurde heraufbeschworen, Finnland: Finnland ist so gut und Finn­land schneidet so gut ab, und daher muss die Gesamtschule jetzt auf Biegen und Bre­chen her. – Ein bisschen nehme ich da den Appell des Herrn Bundesrates Dönmez mit, der immer sagt, man soll die Ideologie weglassen.

Ja, das kann auch die andere Seite einmal weglassen, nämlich diese Ideologie, die so an der gemeinsamen Schule festhält und meint, sie sei die Heilsbringerin, die alles Übel an der Schule und jede Schwierigkeit wie durch Zauberkraft verschwinden lassen wird. – Das ist leider nicht der Fall!

Man hat sich auf die Gesamtschule eingeschworen und hat, ohne dass man abgewar­tet hat, wie es funktionieren könnte, diese, nachdem man zuerst Modellregionen ge­macht hat, 2012 als Teil des Regelschulwesens einzementiert.

2014 kam dann die Überprüfung der Bildungsstandards, wo sich herausgestellt hat, dass die Neue Mittelschule, wie sie mittlerweile heißt, gegenüber der Hauptschule im Nachteil ist. Sie ist schlechter als die Hauptschule. Letztere ist trotzdem immer noch besser, sogar in Wien, obwohl man in Wien die Hauptschule wirklich kaputtgespart hat.

Jetzt, 2015, gab es endlich die geforderte Evaluation, und siehe da, das Ergebnis war das gleiche: Die NMS ist schlechter als die Hauptschule! Jetzt können Sie sagen: Na ja, das sagt immer die Opposition, die FPÖ im Besonderen, aber die Autoren der Eva­luation, deren Ergebnis übrigens zwei Monate unter Verschluss gehalten worden ist – warum auch immer; vielleicht wollte man dieses doch nicht so gute Ergebnis für das Ministerium nicht sofort veröffentlichen, sondern ein bisschen damit warten –, kommen zu dem Schluss, dass die Erreichung der pädagogischen Ziele an den untersuchten ersten beiden Generationen der NMS nicht im erwarteten Ausmaß festgestellt werden kann.

Ich finde es besonders interessant, zu welchem Schluss die Autoren dieser Evaluation noch kommen, und zwar:

„Der Beitrag der NMS in gesellschaftlicher Hinsicht, insbesondere zur Förderung von Bildungsgerechtigkeit und Chancengleichheit, ist nach den bisher vorliegenden Daten eher gering.“

Das ist nichts Neues! Sie hätten nur nach Deutschland schauen müssen. Dort hat eine Bildungs- und Forschungsstudie des Max-Planck-Instituts schon vor Jahren das wider­legt, was Sie immer schon wollten und was Sie hoffen, dass die gemeinsame Schule bringt, nämlich dass dadurch soziale Ungleichheiten ausgeglichen werden.

Also das Max-Planck-Institut in Deutschland kommt zu der Auffassung, dass das Ge­genteil der Fall ist, nämlich dass die sozialen Ungerechtigkeiten einzementiert werden und die Schüler der Gesamtschule hinter jenen der Gymnasien sozusagen hinterher­hinken. Das überrascht uns gar nicht so sehr – es sind immerhin zwei Bildungsjahre, die da fehlen –, doch es überrascht uns, dass die Gesamtschule auch hinter der Real­schule nachhinkt. Also da hätten Sie nur zum Nachbarstaat schauen müssen und kei­nen „Lebendversuch“ um viel Geld machen müssen, der nicht das bringt, was Sie ei­gentlich wollten.

Dass die ÖVP-Bildungssprecherin Brigitte Jank damals gesagt hat, es sei fraglich, ob diese Mittel zielgerichtet eingesetzt sind, darüber sind wir jetzt nicht überrascht, denn die beiden Regierungsparteien sind sich ja nicht immer einig, obwohl es bei der ÖVP schon aufweichlerische Tendenzen gibt in die Richtung, ob nicht die Gesamtschule doch etwas Gutes wäre.

Aber interessant ist, was zum Beispiel Günter Haider dazu gesagt hat, der ja ursprüng­lich durchaus ein Befürworter der Gesamtschule war, und zwar:

 


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