BundesratStenographisches Protokoll839. Sitzung / Seite 114

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Langbericht abwarten, um nicht Details zu veröffentlichen, aufgrund derer dann vielleicht missinterpretiert werden kann, was im Langbericht zutage tritt.

Ende Februar ist dann alles im Gesamten vorgelegen, und wir haben es zum ersten Mal in der Bildungsreformkommissionsgruppe diskutiert. Am nächsten Tag habe ich dann die Schulpartner und die Landesschulratspräsidenten und Landesschulratspräsi­dentinnen informiert. Unvorsichtigerweise wurden die Ergebnisse schon am Vorabend rausgespielt, und am nächsten Morgen wurde in den Medien quasi die Vernichtung die­ses neuen pädagogischen Konzeptes herbeigeschrieben. Ich verwahre mich wirklich sehr dagegen!

Ich bin sehr erbost gewesen, dass das an die Öffentlichkeit gelangt ist, weil ich danach ein Mediengespräch machen wollte und weil ich den Schulpartnern zugesagt habe, es denjenigen, die es betrifft, zuerst zu erzählen. Das ist leider nicht gelungen.

Ich glaube, dass man grundsätzlich wissen muss, dass, wenn große Reformprojekte an­gegangen werden, diese eine Vorlaufzeit brauchen. Das ist klar. Zweitens kann es, wäh­rend sie anlaufen, natürlich zu dem einen oder anderen Unfall kleinerer oder größerer Art kommen, und ich möchte mich jetzt nicht für ein Datenleck, das keines war, recht­fertigen müssen.

Im Dezember, zwei Tage nachdem ich mein Amt angetreten hatte, lag in der Tat ein Brief auf meinem Schreibtisch. Darin wurde mir mitgeteilt, dass es zu einem Missver­ständnis zwischen einer Zulieferfirma und dem BIFIE gekommen ist und dass man da­ran arbeitet. Ein Datenleck wurde überhaupt nicht angesprochen, und ich habe diesen Brief abgezeichnet. Zwei Monate später wurde das von einer Tageszeitung hochge­spielt, die ich dann eindringlich bitten musste, uns diese verschlüsselten Daten zu ge­ben, weil wir sie nicht hatten, damit wir stoppen konnten, was passiert ist. Das Haus, die Beamtinnen und Beamten, das BIFIE selbst trifft hier absolut keine Schuld.

Uns war nicht bekannt, was auf diesem Server entschlüsselt war, denn der Server ging am selben Abend, an dem die Abendausgabe dieser Zeitung erschienen ist, offline. Wir konnten in diesem Fall mit der Exekutive, der Polizei und mit Experten und Expertinnen aus der IT-Branche nur ganz schwer ermitteln, was da dahinter gesteckt ist. Aber das ist Vergangenheit.

Danach war es natürlich nicht einfach, den Eltern zu vermitteln, dass wir PISA und die Feldtestungen trotzdem machen. Die müssten einige Monate vorher erfolgen. Aus Da­tensicherheitsgründen habe ich diese Testungen abgesagt, weil wir noch nicht heraus­finden konnten, was hier dahintersteckt.

Und seien wir froh, weil internationale Vergleiche nicht schlecht sind. Wir haben uns bei PISA gesteigert. Es ist also nicht das, was Sie gesagt haben, eingetreten, sondern wir sind in den Bereichen, die getestet wurden, beim letzten Mal schon um etliches besser geworden als bei der vorletzten PISA-Testung. Es wird, wie gesagt, heuer ge­lingen, dass wir jetzt im Frühling Feldtestungen und im gleichen Jahr im Herbst auch die Echttestungen durchführen. Gegen Ende nächsten Jahres – also Ende 2016 – wer­den die Endergebnisse vorliegen.

Ich hoffe doch, dass sich die Anstrengungen gelohnt haben, denn ich möchte an dieser Stelle natürlich all den Pädagoginnen und Pädagogen, den Lehrerinnen und Lehrern ein großes Dankeschön sagen. Es war für sie nicht einfach, als wir Bildungsstandards eingeführt haben. Auch das war ein großes Projekt, das man einem Institut überant­wortet hat, weil das Haus nicht imstande gewesen wäre, alle Schülerinnen und Schüler einer Kohorte – über 70 000 Kinder in der Pflichtschule – zu testen. Man muss sich die Dimensionen einfach vor Augen führen. Das sind nicht ein paar hundert oder ein paar tausend Kinder, das waren 70 000 Schülerinnen und Schüler.

 


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