BundesratStenographisches Protokoll839. Sitzung / Seite 117

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wortung auch sagen. Ich glaube, nichts ist schlimmer, als unseren Kindern nicht diese Möglichkeiten und Chancen zu geben, zu trennen und es darauf ankommen zu lassen, wo jemand lebt oder aus welcher familiären Situation ein Kind kommt. Das sollte wohl keine Rolle spielen.

Ich halte es daher für nicht gerechtfertigt, ein Projekt, das kurz vor dem Durchbruch steht, wie heuer die Zentralmatura für alle AHS-Schülerinnen und ‑Schüler, im Vorhi­nein schon so schlechtzureden, dass man glaubt, es würde nicht gelingen. Ich bin da­von überzeugt, dass es gelingen wird.

Es nützt auch nichts, wenn man einen Vergleich mit anderen EU-Staaten vorbringt – den ich durchaus vorbringen könnte –, laut dem jedes Jahr Prüfungen für ganze Kohor­ten wiederholt werden müssen, weil es zu Fehlern gekommen ist. Wir haben, was die Übermittlung der Aufgaben anlangt, ein Hochsicherheitssystem initiiert und installiert. Wir haben sieben Sicherheitsschleusen eingebaut. Glauben Sie mir, wir tun alles, was mög­lich ist, um zu garantieren, dass möglichst nichts passiert. Aber wo Menschen am Werk sind, können auch Fehler passieren. Was aber nicht passieren soll, ist die Verunsiche­rung derer, die betroffen sind.

Ich schreite nun zur Beantwortung der 31 Fragen und möchte mit Frage 1 beginnen.

2008/09, ich habe es schon gesagt, die Neue Mittelschule war als Schulversuch konzi­piert, um einen ersten Schritt in Richtung einer gemeinsamen Stufe der 10- bis 14-Jäh­rigen zu machen. Es waren kaum AHS-Standorte dabei.

Die ersten zwei Generationen der Neuen Mittelschule, die jetzt evaluiert worden sind, sind sehr akribisch an die Sache herangegangen, und so wurde beschlossen – ich fin­de auch, etwas zu früh, weil ich auch gerne die Evaluierung abgewartet hätte, aber es lag natürlich nicht in meiner Entscheidungsbefugnis –, das im Schuljahr 2012/13 ins Regelschulwesen zu überführen. Es hätte wahrscheinlich auch noch gut getan, ein Jahr zu warten, bis man die Ergebnisse gehabt hätte. Nichtsdestotrotz können wir aus den Evaluierungsergebnissen ableiten, was man anders machen könnte. Aber dazu komme ich später noch.

Über die Ziele – das ist die Frage 2 – des ursprünglichen Schulversuchs zum Regel­schulwesen ist zu sagen, dass es natürlich die gleichen sind und dass man ein neues pädagogisches Konzept für eine Alterskohorte initiieren will: statt Leistungsgruppen in­dividuelles, nach innen differenziertes Unterrichten mit Begabungs- und Begabtenför­derung gleichermaßen wie das Fördern von Kindern, die mehr benötigen. Das erfolgt, wenn man möchte, im Teamteaching, im partiellen Herausnehmen von ganzen Grup­pen, die man besonders fördern möchte, um so die Kinder möglichst beisammen zu las­sen und nach innen zu differenzieren.

Was ist aber geschehen? – Durch die Nicht-, oder Fast-nicht-Teilnahme der AHS-Un­terstufenstandorte ist eine auch soziale und intellektuelle Durchmischung, wie sie im ursprünglichen Konzept vorgesehen war, nicht im entsprechenden Ausmaß erfolgt. Daher kann man auch nicht erwarten, dass die Leistungen einer Neuen Mittelschule, Bildungsstandards oder die jetzige Evaluierung betreffend, besser wären als an AHS-Unterstufenstandorten. Die Zeit ist auch zu kurz, als dass man sagen kann, dass die Neue Mittelschule eklatant bessere Ergebnisse als die alte Hauptschule bringt. (Vize­präsident Himmer übernimmt den Vorsitz.)

Wir dürfen nicht vergessen, dass das Klima besser, die Schulangst geringer und das Zusammenleben angstfreier geworden sind. Ich glaube schon, dass das ganz wichtige Determinanten sind, um in dieser Altersgruppe dieses Ich-fühle-mich-wohl-im-System-Gefühl zu erreichen. Es funktioniert nicht, einen Trichter anzusetzen, Wissen hineinzu­füllen und ausspucken zu lassen, was gelernt wurde. In angstbesetzter Umgebung kön-


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