viele Leserbriefschreiber, Personalvertreter, Schüler und Eltern das Thema Bildung mit immer mehr Unzufriedenheit beleuchten, dann ist es doch Zeit und notwendig, darüber ernsthaft zu diskutieren.
Sie haben ja am 15. Februar einen Brief bekommen. – Ich weiß schon, dass Herr Jeannée ab und zu überspitzt formuliert, er hat mit dem Brief an Sie jedenfalls so begonnen:
„Pfuschen, schlampen, hudeln, schludern, stümpern, schustern, murksen.“ Ich gebe noch einmal zu, das ist ein Stil, der überzeichnet, aber Jeannée zeigt schon auch auf, und so verwendet er „Verben, also Tätigkeitswörter, die Ihre ,Tätigkeit‘ für oder vielmehr gegen das österreichische Schulwesen im Allgemeinen und die Zentralmatura im Besonderen fatal wiedergeben“.
In diesem Kommentar beziehungsweise in diesem Brief an Sie wird auch Frau Rohrer der Tageszeitung „Die Presse“ zitiert:
„Wie kann es sein, dass die Abwicklung einer an und für sich guten Sache wie der Zentralmatura handwerklich derart verhunzt werden kann?“
Es wird in diesem Brief auch Frau Schurian aus dem „Standard“ zitiert:
„Lautete eine Aufgabe der Zentralmatura, ein Konzept für die Zentralmatura zu entwickeln, die Kandidatin Gabriele Heinisch-Hosek würde mit einem glatten ‚Nicht genügend‘ durchfallen.“
Den Untergriff mit dem Würstelstand – da sind wir uns einig – ersparen wir uns jedenfalls, denn der war aus meiner Sicht zu giftig.
Österreich hat das teuerste Bildungssystem im OECD-Vergleich und hat durchschnittliche PISA-Ergebnisse, das ist ein Faktum, daran gibt es nichts zu deuten. Österreich hat ein Pflichtschulsystem, das derzeit nicht in der Lage ist, die Grundtechniken, das Grundwissen sozusagen, ausreichend und hundertprozentig zu vermitteln: Sinnerfassend lesen, schreiben und rechnen werden immer mehr auch zum Problem im Bereich der Grundschulausbildung. Das heißt, wenn das nicht gewährleistet werden kann, dann braucht man aus meiner Sicht über Reformen im Überbau des Bildungswesens nicht nachzudenken. Ich muss einmal am Fundament ansetzen und das Grundproblem lösen, denn es ist schon erstaunlich, dass es in alten Schulangeboten – mit Klassen von teilweise über 30, 40, 50 Kindern – sehr wohl möglich war, diese Grundtechniken in einer Qualität zu vermitteln, die wir uns heute alle wünschen würden. (Bundesrätin Kurz: Wer sagt das?)
Was haben wir? – Wir haben hohe Nachhilfekosten, und ich darf bei den Nachhilfekosten Ergebnisse eine Studie der Arbeiterkammer, die die Kosten für Nachhilfe im Jahr 2014 durchleuchtet hat, anführen: Einzelunterricht kostet in Österreich durchschnittlich 31,78 €, wobei die Tarife zwischen 18 € und 46 € liegen. Jetzt erklären Sie mir, wie sich eine Billa-Verkäuferin oder ein durchschnittlicher Handwerker, der ein Kind hat, das dringend Nachhilfeunterstützung benötigt, einen Stundensatz von 31 € leisten können.
Gruppenunterricht kostet durchschnittlich 15,69 €, die Tarife liegen hier zwischen 6,23 € und 33 €. Auch 15,69 € können sich die wenigsten Menschen in der unteren Einkommensschicht leisten. Was heißt das letztendlich? – Das bedeutet, dass einkommensschwache Bevölkerungsschichten beziehungsweise Kinder aus einkommensschwachen und sozial benachteiligten Familien im Bildungssystem damit einmal mehr auf dem schlechteren Weg unterwegs sind (Bundesrätin Kurz: Ja, weil ihr gegen die Gesamtschule seid!), weil sich ihre Eltern diese Nachhilfekosten einfach nicht leisten können.
Abgesehen davon wissen wir, dass es auch eine Hürde gibt, überhaupt zum Nachhilfeunterricht zu gehen. Die Besseren holen sich die Nachhilfe ins Haus, das geht ano-
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