BundesratStenographisches Protokoll839. Sitzung / Seite 124

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nym ab, und die anderen können es sich gar nicht leisten. Ein gutes Bildungssystem – und das ist ja wohl auch Zweck und Ziel, da sind wir uns einig – muss klarstellen und ausreichend dafür Sorge tragen, dass es keine sozialen und keine Einkommensunter­schiede im Bildungswettbewerb in Österreich gibt. Das ist aber letzten Endes nicht der Fall.

Auch das Thema Bildung und Integration ist ein Problem. Ich meine dazu, Frau Bil­dungsministerin, dass es jedenfalls in Schulen mit einem gewissen Anteil an Kindern aus mehreren Sprach- und Kulturumgebungen notwendig ist, den Schüler-Lehrer-Schlüs­sel wesentlich zu verändern. Sie können heute niemandem mehr zumuten, 25 Kinder mit zum Beispiel sieben Muttersprachen in einer Schulklasse qualitativ ausreichend und zufriedenstellend unterrichten zu können. Das ist eine Überforderung. Hierzu hat mir ein Pädagoge – ein ehemaliger Schulkollege, der mit Begeisterung Pädagoge war und es heute immer weniger ist – gesagt: Ich bin eigentlich nur mehr Problem- und Chaosmanager, nicht mehr Pädagoge, wie ich es noch vor 20 Jahren war.

Das hat natürlich auch mit folgender Sache zu tun – man muss sich das fragen, ich war immerhin zwölf Jahre Kinderbetreuungsreferent in der Kärntner Landesregierung –: Wie gut vorbereitet kommt heute ein Kind aus gutem Hause oder aus sozial schwieri­gen Verhältnissen überhaupt in die Schule? – Das verpflichtende Vorschulkindergar­tenjahr war ein richtiger Schritt, kann das aber bei Gott nicht alles ausgleichen. Das heißt, wir haben auch ein Sprach- und Integrationskompetenzproblem im Bereich Bil­dung.

In der „ZIB 2“ wurde gestern ausreichend beleuchtet, dass verunsicherte Pädagogen, verunsicherte Schüler, die einen mehr, die anderen weniger, und eine verunsicherte Öffentlichkeit derzeit massiv von der Zentralmatura überfordert sind. Außerdem gibt es eine Art Wettbewerb zwischen Neuer Mittelschule und Hauptschule. Warum hat man die gute alte Hauptschule einem Wettbewerb ausgesetzt? Sie hat Großartiges im Bil­dungssystem Österreichs geleistet. (Bundesrätin Kurz: Ach Gott!)

Auch viele von uns haben sie absolviert, und ich denke, die Dümmsten sind ja nicht ge­rade herausgekommen. Lesen, Schreiben und Rechnen hat man dort jedenfalls gut ge­lernt, wahrscheinlich oft besser als heute in manchen Neuen Mittelschulen.

Zu den Mietschulden, dass heute in Österreich die Bildungsabteilung der Republik bei der Besitzabteilung, sprich BIG, Schulden machen muss: Ich glaube, wenn man in der Schule Mathematik richtig gelernt hat, dann weiß man, dass man nicht unbedingt auf Vorschuss, auf Pump sozusagen, Bildungspolitik machen kann. (Bundesrätin Kurz: Ja eh!)

Frau Minister! Beim Thema Kleinschulen gebe ich Ihnen recht: dass eine Konzentration auf regionale Bildungszentren, wie wir sie auch in Kärnten eingeführt haben, gut ist. Da wird es aber noch Überzeugungsarbeit brauchen. Abgesehen davon muss man natür­lich auch den spezifischen Bereich ländlicher Raum beachten: Die Post ist weg, die Polizei ist weg, das Wirtshaus sperrt zu, und die Kleinschule sperrt auch zu. Das sind Entwicklungen im ländlichen Bereich, die immer wieder schöngeredet werden.

Wir haben gerade im letzten Plenum Konzepte zur Stärkung des ländlichen Raumes diskutiert. Die Schule ist Identität, die Schule ist Kultur (Bundesrätin Kurz: Ja eh, die will eh niemand wegnehmen!), die Schule ist eine Art Mittelpunkt eines Dorfes, das vie­les an alten Infrastrukturen und Angeboten nicht mehr hat. Damit muss man sehr sorg­sam umgehen. Ich glaube aber, mit richtigen und guten Angeboten kann man durchaus vernünftig eine Schnittstelle zwischen Kleinschulen und regionalen Schulzentren finden.

Bei einer leidigen Diskussion, die jetzt wieder aufgeflammt ist, war ich damals mit Gabi Burgstaller allein auf weiter Flur in der Landeshauptleutekonferenz: Ich halte nichts da­von, die Macht über die Landeslehrer den Landeshauptmännern zu überlassen. Öster-


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