BundesratStenographisches Protokoll839. Sitzung / Seite 126

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eines der spannendsten ist. (Ruf bei der SPÖ: Stimmt!) Sie arbeiten für die Zukunft un­serer Kinder. Sie arbeiten dafür, dass wir ausgebildete Jugendliche bekommen, ausge­bildete Menschen, die auf den Arbeitsmarkt drängen, die dann Arbeit verrichten, die fleißig sind, die auf das Leben vorbereitet sind. Darum sind Sie zu beneiden.

Auf der anderen Seite muss ich leider sagen: Sie tun mir auch ein bisschen leid. (Hei­terkeit bei der ÖVP.) Sie tun mir ein bisschen leid, weil Sie ein Erbe angetreten haben, das sicher nicht leicht war. Sie haben einiges von Ihrer Vorgängerin übernommen, das Sie jetzt ausbaden müssen (Bundesrat Schennach: Vor allem von der Frau Gehrer!), wir haben das auch schon gehört. Sie tun mir auch ein bisschen leid, weil Sie es schaf­fen, in fast jedes Fettnäpfchen zu hüpfen, das sich auf dem Weg zu einer guten Lö­sung auftut.

Es geht ums Eingemachte. Es geht um das Wichtigste; es geht um unsere Kinder. Es geht darum, dass wir unseren Kindern gute Bildung bieten und dass sie eine gute Zu­kunft haben. Das heißt für uns: Für die Bildung sollte eigentlich nichts zu teuer sein. John F. Kennedy hat ja schon gesagt: „Es gibt nur eines, was auf Dauer teurer ist als Bildung: keine Bildung.“

Es ist schon okay, wenn die Bildungskosten hoch sind, wenn am Ende der Output stimmt. Es ist schon okay, wenn die Bildungskosten hoch sind, wenn wir eine hohe Zu­friedenheit mit dem Bildungssystem haben. Nur muss man leider in der jetzigen Situa­tion sagen, es treffen beide Fälle nicht zu.

Einen wesentlichen Beitrag zur Entwicklung der Kinder liefern in erster Linie die Eltern (Bundesrätin Kurz: Leider nicht immer! – Bundesrätin Posch-Gruska: Sollten sie!), das wissen wir. Sie sind die Keimzelle. Aber auch diese Eigenverantwortung wird nicht immer wahrgenommen, da gebe ich Ihnen schon recht. Auf der anderen Seite sind es die Schulen, und da vor allem die Lehrer, die für die Entwicklung der Kinder maßgeb­lich sind. Dafür einmal ein großes, großes Danke an unserer Lehrer und unsere Päda­gogen, die tagtäglich in den Schulen mit den Kindern arbeiten, Engagement zeigen, Kraft in die Ausbildung der Kinder stecken, denen aber leider – und das muss man heute auch in dieser Debatte wieder feststellen – nicht immer dafür gedankt wird! Das Bashing, das immer wieder, auch medial, an unsere Lehrer herangetragen wird, führt dazu, dass sie demotiviert sind, dass sie sich selbst hinterfragen, dass sie das Schul­system hinterfragen.

Wir sollten im Wesentlichen keine Diskussion über das Schulsystem führen, sondern wir sollten eigentlich über die Qualität der Bildung diskutieren und darüber, was am En­de des Tages dabei herauskommt. Bildung beginnt bei den Kleinsten – das haben wir heute auch schon gehört, Sie haben das genauso gesagt –, sie beginnt eigentlich be­reits im Kindergarten. Im Kindergarten wird die Grundlage geschaffen. In der Volks­schule wird dann versucht, Schwächen, die vielleicht auftreten, auszumerzen bezie­hungsweise werden Stärken noch ausgebaut. In der Mittelschule wird dann die Qualität gesteigert, und die Kinder werden auf die Zukunft vorbereitet. Wir diskutieren allerdings zurzeit immer nur über die Altersgruppe der 10- bis 14-Jährigen, aus verschiedensten ideologischen Gründen, und vergessen in manchen Bereichen dann doch, dass die Bildung bereits im Kindergarten beginnt. (Bundesrätin Kurz: Das vergessen wir nicht!)

Wir geben heute für die Bildung sehr viel Geld aus, aber trotzdem gibt es einige Zah­len, die nicht sehr positiv sind: Wir haben in Österreich bundesweit zirka 75 000 soge­nannter NEETs: Schulabbrecher, Jugendliche, die nicht am Arbeitsmarkt Fuß fassen, Jugendliche, die irgendwo im System verschwinden, die am Ende des Tages meistens erst wieder bei der Mindestsicherung irgendwo auftauchen, die leider, und da muss man auch etwas machen, nicht vom AMS vermittelt werden. (Ruf bei der SPÖ: Wir ha­ben schon gesagt, dass wir das machen!) Das heißt, sie gehen irgendwo im System unter. Da gehört etwas gemacht. Jeder achte Schüler bricht die Schule ab.

 


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