BundesratStenographisches Protokoll839. Sitzung / Seite 127

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Wir alle kennen bekannte Schulabbrecher, das ist schon klar. Es wird immer erzählt, Al­bert Einstein war ein Schulabbrecher – stimmt –, Thomas Mann war auch ein Schulab­brecher – stimmt auch –, nur waren das Ausnahmen und nicht die Regel. (Zwischenruf der Bundesrätin Kurz.)

Wir alle kennen die Realität: 47 Prozent der Arbeitslosen haben nur die Pflichtschule ab­geschlossen. Die Arbeitslosenquote in dieser Gruppe beträgt mittlerweile 24 Prozent, und das ist alarmierend. Da gehört etwas getan. Selbst wenn sie eine Beschäftigung finden, müssen die jungen Menschen feststellen, dass der Betrag, den sie verdienen, meistens um bis zu 600 € geringer ist als bei denjenigen mit einer besseren Ausbil­dung. Das sind Daten von der Statistik Austria, die ich da zitiert habe.

Talente fördern ist, wie wenn man einen Schatz hebt. Ein Schulabbrecher ist ein verlo­rener Schatz. Genau da müssen wir mit unserem Bildungssystem ansetzen.

Es sind Fehler passiert in der Vergangenheit, in den letzten Monaten, in den letzten Jahren. Die FPÖ hat heute schon sehr, sehr viele aufgezählt und hat auch ein 31-Fra­gen-Programm erarbeitet und was auch immer. (Ruf bei der ÖVP:  einen Haufen Rechtschreibfehler!) – Viele Rechtschreibfehler waren dabei, viele Satzzeichenfehler waren dabei. Auch da könnte man nachhelfen, aber darum geht es heute nicht, son­dern es geht heute darum, wie wir unser Bildungssystem verbessern können. (Zwi­schenruf der Bundesrätin Mühlwerth.)

Wer einen Fehler gemacht hat und ihn nicht korrigiert, der begeht in Wirklichkeit einen zweiten Fehler. Und das müssen wir verhindern. Wir haben Fehler gemacht im Bil­dungssystem – unbestritten –, die Frage ist jetzt aber, ob diese Fehler behoben wer­den. Bei der Anfragebeantwortung haben wir ja auch schon einiges gehört, wie diese Fehler behoben werden können oder behoben werden sollen. Ich möchte nur auf drei Punkte nochmals kurz eingehen, weil sie mir wichtig sind.

Die Evaluierung der Neuen Mittelschule zeigt ganz deutlich, dass dieses System in der jetzigen Form nicht den gewünschten Effekt gebracht hat, den wir uns alle vorgenom­men haben. Da muss man nachjustieren. Da muss man einiges verbessern. Es wären viele Zitate aus dem Bericht möglich, die das sehr, sehr deutlich zeigen. Fakt ist aber: Wir müssen schauen, wo wir ansetzen können, um das System besser zu machen. Das System gibt es jetzt, und es nach so kurzer Zeit wieder komplett zurückzufahren, wäre auch verkehrt. Das wäre der zweite Fehler, den wir nicht machen dürfen. Wir müssen jetzt schauen, wie wir das weiterentwickeln und positiv gestalten können.

Stichwort Zentralmatura: Mir wurde berichtet, selber habe ich es leider nicht sehen können, dass im Simpl zum Beispiel bereits ein Kabarettstück über die Zentralmatura läuft, in dem sich zwei 70-Jährige unterhalten und der eine sagt: Heast, wie geht’s dir? Hast du die Matura schon? Sagt der andere: Ich weiß es nicht, ich war bei der ersten Zentralmatura, aber ich weiß nicht, ob ich sie bestanden habe, bis heute nicht.

Das heißt, da gibt es schon durchaus Situationen, in denen sich die Menschen darüber lustig machen. Da gehört korrigiert. Jetzt ist ein großer Schaden da gewesen. Es ist korrigiert worden, es ist versucht worden, zu korrigieren. Ich hoffe, dass das in Zukunft besser gemacht wird.

Der dritte Punkt, auf den ich noch eingehen möchte, ist die Verunsicherung der Eltern, der Schüler und der Lehrer, auch die Verunsicherung dahin gehend, dass man die Schul­größen korrigieren und nur mehr in Großschulen unterrichten möchte. (Bundesrätin Kurz: Das wurde doch längst erklärt! Kann er lesen?) Ich möchte nur erinnern: Gerade in Niederösterreich haben wir Regionen mit sehr kleinen Schulstrukturen. Und, Frau Minister, da muss ich Ihnen leider schon eines sagen: Wenn Sie glauben, dass es die Lehrer auf dem Land gemütlicher angehen und nicht so viel Engagement hineinlegen,


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