BundesratStenographisches Protokoll856. Sitzung / Seite 22

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300 Milliarden €, verursacht der Bund; den Rest Länder, Gemeinden und die Sozialver­sicherungen.

Wir haben uns am Montag und am Dienstag bei einer Studienreise in der Schweiz vor Ort ein Bild darüber gemacht, wie gut organisierter Föderalismus funktionieren kann. Das Beispiel Schweiz ist auf uns nicht zu übertragen, schon gar nicht eins zu eins, aber man sollte es studieren.

Wir waren beispielsweise in Bern beim Haus der Kantone und haben dort Jean-Michel Cina getroffen, mein Schweizer Gegenüber in der Konferenz der Kantonsregierungen. Darüber hinaus waren wir in der Denkwerkstatt Avenir Suisse und haben uns auch dort wertvolle Inputs geholt. Dabei ist allerdings ein Fakt herausgekommen, und das, meine Damen und Herren, möchte ich erwähnen, weil wir gerade einen neuen Finanzaus­gleich verhandeln: Wir haben dort stundenlang mit Experten gesprochen, und die ha­ben uns erzählt, dass der im Jahr 2008 in Kraft getretene Finanzausgleich 15 Jahre lang verhandelt wurde. Vorangegangen war eine Klärung beziehungsweise Außer­streitstellung der vielschichtigen Problemlagen, und verbunden war der neue Finanz­ausgleich mit einer umfassenden Aufgabenentflechtung.

Das heißt für uns: In den nächsten sechs Monaten kann man nur einen Anfang ma­chen, schauen, dass wir einen Finanzausgleich zustande bringen, der mit Hängen und Würgen irgendwie von allen halt noch einmal mitgetragen wird, auch wenn er unge­recht ist – das beweisen uns ja mehrere Bundesrechnungshofberichte –, aber er kann ein Einstieg zum Umstieg sein.

Ich möchte daher vorschlagen, dass eine Verhandlungsgruppe eingerichtet wird. Diese soll in maximal fünf Jahren – und ich sage nicht, in eineinhalb Jahren, weil das nicht machbar ist, wenn wir Aufgabenreform, Aufgabenentflechtung und Finanzausgleich dis­kutieren – auf Augenhöhe zwischen Bund und Ländern unter Einbeziehung der Ge­meinden die Systeme diskutieren und diese Diskussion zu einem Ergebnis bringen. (Beifall bei ÖVP, SPÖ und Grünen.) – Gregor Hammerl war auch bei uns im Landtag immer der, der als Erster geklatscht hat. (Bundesrat Mayer: Ein Einpeitscher!)

Der bekannte Ökonom Professor Christian Keuschnigg von der Universität St. Gallen und der Leiter des Instituts für Föderalismus an der Universität Innsbruck Professor Pe­ter Bußjäger haben uns in Zürich die Ergebnisse ihrer Studien präsentiert, die wir erbe­ten haben. Diese neuen Studien sollen auch einen Beitrag zur Versachlichung leisten und könnten für die von mir vorgeschlagene Verhandlungsgruppe eine wichtige Dis­kussionsgrundlage darstellen.

So räumt etwa Bußjäger durch die internationalen Vergleiche mit dem Vorurteil auf, dass die österreichischen Bundesländer zu klein für den Föderalismus seien. Ebenso weist er auch einen internationalen Trend zur Dezentralisierung nach, während Keusch­nigg ganz besonders das Subsidiaritätsprinzip hervorhebt: Aufgaben mit bundesweiter Reichweite werden besser und billiger zentral erbracht, aber insgesamt soll nach die­sem Prinzip die Aufgabenerfüllung möglichst bürgernah erfolgen.

Ich bin mir sicher, dass sich auch der steirische Landesfinanzreferent Landeshaupt­mann-Stellvertreter Michael Schickhofer, mein Regierungspartner, hier mit unser aller Unterstützung besonders einbringen wird. Er war ja schon vor einigen Monaten in der Schweiz und hat sich dort die positiven Beispiele der Regionalpolitik angeschaut. Wir jedenfalls ziehen in diesem Zusammenhang an einem Strang.

Das Subsidiaritätsprinzip und die Dezentralisierung müssen noch stärker Ordnungs­prinzipien auch Europas werden, wenn nicht die teils berechtigte, teils populistisch-de­magogische Zentralismuskritik zerstörerische und desintegrierende Formen annehmen soll, wie der Blick auf die EU zeigt.

 


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