hundert, und wir sind heute mit den Herausforderungen des 21. Jahrhunderts konfrontiert.
Meine sehr geehrten Damen und Herren, deswegen müssen wir gemeinsam neue Wege gehen und alles hinterfragen, auch uns selbst hinterfragen. Es gehört zur politischen Reife, auch sich selbst zu hinterfragen, so wie ich auch als Bürgermeister meine eigene Gemeinde hinterfragt und neu gestaltet habe. Gemeinsam neue Wege zu gehen heißt, diese gemeinsam mit Bund und Ländern, gemeinsam mit den Staaten in Europa mit dem ganz großen Ziel zu gehen, dass unsere Kinder auch das erleben dürfen, was wir über Jahrzehnte erleben konnten, nämlich: Frieden, Freiheit und breiten Wohlstand.
Meine Damen und Herren! Frieden entsteht nicht dadurch, dass die Friedlichen friedlich sind. Frieden entsteht dadurch, dass die Friedlichen stärker sind als die Aggressoren, dass die Toleranten stärker sind als die Fanatiker, und schlussendlich dadurch, dass die Demokraten stärker sind als die Diktatoren. Demokratie ist nicht einmal im 21. Jahrhundert eine Selbstverständlichkeit – und nicht einmal bei uns. Sie erlebt auch in Europa eine wahre existenzielle Krise.
Das Brexit-Votum sehe ich – verzeihen Sie mir diesen Ausdruck – als Sternstunde für die Demokratie, und zwar in zweierlei Hinsicht: Zum einen weil die Abstimmung den mahnenden Finger in Richtung Europäische Union, in Richtung europäische Institutionen erhoben hat, nämlich verbunden mit der Aufforderung, bürgernahe und vertrauenswürdige Politik zu machen. Die Menschen haben damit beispielsweise auch das Totalversagen in der europäischen Flüchtlingspolitik abgestraft.
Zum anderen aber zeigt das Brexit-Votum auch, wie direkte Demokratie demagogisch gebraucht und auch missbraucht werden kann. Populisten, die eine Abstimmung gewinnen, am Tag darauf ihre Versprechen revidieren und sich in breitem Maße aus dem Staub machen, wenn der Schaden angerichtet ist, sind ein Lehrstück für alle europäischen Demokratien; übrigens auch ein Lehrstück für einen Bundespräsidentschaftskandidaten, der schnell am Schuhabsatz eine Kehrtwendung vollzogen hat.
Gemeinsam neue Wege zu gehen heißt deswegen auch, gegen das radikale Kurzzeitdenken aufzutreten – das radikale Kurzzeitdenken, das besondere Gift für jede Demokratie. Es bedeutet eben nicht, das Ganze im Auge zu haben, sondern nur den nächsten Wahltermin. Und wir wissen aus den Erfahrungen der letzten Jahre in der Steiermark, dass Menschen bereit sind, Reformen mitzutragen, Stichwort Gemeindezusammenlegung, Stichwort Bezirksneuorganisation et cetera.
Ich bin mir bewusst, Gerd Krusche von der FPÖ wird bald nach mir sprechen und womöglich – so gut kenne ich ihn inzwischen – auch ein bisschen kritisch argumentieren, dass die Reformpartnerschaft zum Beispiel die letzte Wahl vor einem Jahr nicht gewonnen hat, sondern beide beteiligten Parteien auch Stimmenverluste einfahren mussten. Ja, das ist schon richtig, wobei man auch weiß, dass das Hauptmotiv für die Wahlen im Jahr 2015 in der Steiermark auch ein bundespolitisches Thema war, das alles überlagert hat, nämlich bereits seinerzeit die Frage der Flüchtlinge.
Gerade in schwierigen Zeiten ist die Chance für Oppositionsparteien sehr groß, weil der Protest immer zugunsten der Oppositionsparteien ausschlägt, denn vor allem Populisten geben oft vor, für komplexe Themen einfache Lösungen anbieten zu können, sie brauchen aber ihre Lösungskompetenz nicht unter Beweis zu stellen. (Bundesrat Meißl: Lasst uns erst!)
Aber, meine Damen und Herren, regieren ist ein Rendezvous mit der Realität. Und gerade die Freiheitlichen haben damit einschlägige Erfahrungen, als sie 2000 in die Regierung kamen und sehr schnell von der Realität eingeholt wurden – Wiederholung: nicht ausgeschlossen.
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