BundesratStenographisches Protokoll870. Sitzung / Seite 77

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Zur Black Box: Es sind damit auch Investmentfonds genannt, aber Investmentfonds sind ja eine Problematik an und für sich, denn da weiß der Investor nicht, was in einem Investmentfonds wirklich enthalten ist. Das muss man auch einmal sagen: Drei Viertel der angebotenen Investmentfonds, der Abertausenden von Investmentfonds weltweit, schlagen den ganz banalen Index nicht. Also ein ganz normaler Index – wenn man zum Beispiel den MSCI World nimmt oder den MSCI Europe, der sich aus dem Portfolio aus weltweiten Aktien oder aus europäischen Aktien zusammensetzt, oder den DAX aus deutschen Aktien oder den österreichischen mit dem ATX-Wert –, ein ganz banaler In­dex ist manchmal besser als die gesamten Fonds, die von Fondsmanagern aktiv getradet werden.

Interessant ist auch die Entwicklung: Wir reden immer von Industrie 4.0, auch von WKO 4.0, und ich möchte hier von Finanz 4.0 reden – diesen Begriff habe ich mir er­laubt für mich selbst festzulegen, denn hier steht die künstliche Intelligenz vor der Tür und diese Anlageberater, diese Fondsmanager werden es noch schwer haben im Le­ben, denn hier kommen objektive Maßstäbe zum Zug.

Mithilfe dieser künstlichen Datenprozesse, die hier gefüttert und gespeichert werden, kommt man zu einem Ergebnis, das sicherlich objektiver ist, als es manche hinter die­sen Investmentfonds stehende Finanzmanager haben wollen. Daher ist dieses Gesetz so wichtig, wichtig ist aber auch die Automatisierung und die technische Entwicklung, die in diese Richtung geht. Insofern haben auch die Roboter manchmal etwas sehr Posi­tives geleistet, wenn in diesem Bereich der Mensch, der Bankenfondsmanager obsolet wird. – Das war das erste Gesetz.

Im dritten dieser Gesetze, die hier auf der Tagesordnung stehen, geht es auch um eine EU-Verordnung. Diese betrifft die MiFID-Richtlinie. Das kommt aus der Finanzkri­se 2008, wird jetzt endlich umgesetzt und betrifft den Schutz des Investors, soll den Fi­nanzmarkt verbessern, vereinheitlichen und standardisieren, betrifft die Kunden- oder Investorbeziehung zwischen Bank, Finanzintermediär oder Handelsplattformen.

In diesem Sinne möchte ich wieder betonen, darauf hinweisen, dass noch immer die mit Abstand besten Handelsplattformen, die transparentesten, meistgefragten, mit der höchsten Liquidität und mit der seriösesten Berechnungsmethode, was die Preisfestset­zung betrifft, die Börsen sind, nach wie vor, und vor allem die Wiener Börse.

In diesem Sinne möchte ich wirklich ein Plädoyer dafür halten, dass diese Wiener Bör­se eine Renaissance bekommt, damit wir endlich von dieser Fremdkapitalfinanzierung wegkommen, die die großen Unternehmen maßgeblich beeinträchtigt und wodurch KMU-Betriebe hier Finanzierungsprobleme haben. Nur zum Vergleich: Die Marktkapitalisie­rung bei Börsen liegt europaweit bei circa 60 Prozent des jährlichen Volkseinkommens. In Dänemark, in den Niederlanden und in Schweden liegt diese bei 100 Prozent, in Ös­terreich gerade einmal bei 28 Prozent. Da ist noch jede Menge zu tun. Da ist jede Men­ge Feldarbeit, um es einmal in der Sprache der Landesverteidigung auszudrücken, not­wendig, um Schwung, Dynamik in die Wiener Börse, auf den Wiener Finanzplatz zu bringen.

MiFID ist, wenn man so will, der Rückhalt dafür, dass sich das Gerüst, innerhalb des­sen sich diese Finanzmarktordnung, dieses Ordnungssystem breitmachen kann, verbes­sern kann.

Im Zusammenhang mit dieser gesamten MiFID-Gesetzgebung: Die Börse hat das im­mer gehabt und war nie mit dieser Problematik beschäftigt, war die mit Abstand beste Handelsplattform.

Auch der Hochfrequenzhandel – auch hier eine Technologisierung im Finanzmarkt – ist sehr wesentlich, so paradox es klingt, weil dieser für die Liquidität und für die Umsätze sorgt, damit andere Betriebe, die an die Börse kommen, auch zu Investoren kommen


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