BundesratStenographisches Protokoll883. Sitzung, 883. Sitzung des Bundesrates am 12. Juli 2018 / Seite 17

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zent lediglich auf dem 27. Platz und EU-weit an 18. Stelle. In Wahrheit gibt es also, wenn Sie meinen Ausführungen gefolgt sind, nicht zu viele Studierende, sondern schlicht und einfach zu schlechte Studienbedingungen, und die Bundesregierung ist in der Ver­antwortung, diese zu verbessern. (Bundesrätin Schulz: Das machen wir!) Ich hoffe, wir werden von Ihnen, Herr Minister, noch genau hören, ob und inwiefern Sie da Maß­nahmen setzen werden. Ich werde jedenfalls gut zuhören. (Zwischenruf des Bundesra­tes Mayer.)

Für uns Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten ist jedenfalls ein klares Bekennt­nis der Bundesregierung zu einer ausreichenden Hochschulfinanzierung ganz ent­scheidend. Es braucht eine Verbesserung der Betreuungsverhältnisse, und zwar nicht durch eine sukzessive Reduktion von Studienplätzen, sondern durch mehr Professu­ren. Es muss besser und leichter möglich sein, Studium und Beruf zu vereinbaren, oh­ne finanziell dafür bestraft zu werden. Es braucht außerdem mehr Maßnahmen zur so­zialen Durchmischung im Studienbereich und ein ganzheitliches Konzept für die Wei­terentwicklung des gesamten tertiären Sektors. Dazu gehört für uns auch ganz be­sonders der Ausbau an Studienplätzen im Mint-Bereich, also in den Bereichen Mathe­matik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik, denn wir wissen, die Nachfrage an qualifizierten Arbeitskräften in diesem Bereich ist ganz besonders hoch und muss gestillt werden.

Unserer Meinung nach ist im Sinne einer Bildungs- und Chancengerechtigkeit der glei­che und daher gebührenfreie Hochschulzugang für alle ganz wesentlich. Bildung ist ein Menschenrecht, ich glaube, darüber sind wir uns einig, daher kann und soll das auch für den tertiären Bildungsbereich gelten.

Abschließend kann ich sagen, Österreich kann es sich nicht leisten, auf Talente, auf un­ser größtes Kapital, nämlich das Wissen, zu verzichten. Daher bin ich schon sehr ge­spannt auf Ihre Ausführungen. (Beifall bei der SPÖ sowie des Bundesrates Stögmüller.)

9.34


Präsidentin Inge Posch-Gruska: Danke sehr.

Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Bundesrat Mag. Reinhard Pisec. – Bitte.


9.34.29

Bundesrat Mag. Reinhard Pisec, BA MA (FPÖ, Wien): Sehr geehrte Frau Präsiden­tin! Sehr geehrter Herr Bundesminister! Sehr geehrte Damen und Herren! Um sich der Konzeption des Wissenschaftsstandortes Österreich anzunähern, ist es notwendig, ei­ne Begriffsdefinition vorzunehmen und sich mit den Wissenschaftsfeldern, den Wis­sensorten und den Wissensformen im Wandel auseinanderzusetzen und diese für den Wissenschaftsstandort zu bestimmen.

Wissensfelder sind die Naturwissenschaften, die Geisteswissenschaften und die So­zialwissenschaften. Die Wissensorte – ich komme aus Wien – sind die Universität Wien, die Alma Mater Rudolphina, und auch außeruniversitäre Forschung. Ich konzentriere mich in meinen Ausführungen auf die innerbetriebliche Forschung in den Unterneh­men. Wissensformen im Wandel, das ist vor allem der Digital Turn, das Zeitalter der Di­gitalität, mit dem wir uns auseinandersetzen müssen.

Zu den Wissensfeldern: Wann wurden die Naturwissenschaften begründet? Francis Bacon, ein großer Universalgelehrter aus dem 16. Jahrhundert hat gemeint, Erkennt­nisse werden nur aus Beobachtungen, aus dem Experiment, aus der empirischen For­schung gewonnen. Er war der Wegbereiter der Naturwissenschaften.

Die Geisteswissenschaften hatten ihren Ursprung in Wilhelm Dilthey, dem deutschen Philosophen aus dem 19. Jahrhundert, der die Geisteswissenschaften begründete. Die Methoden der Geisteswissenschaft: die Heuristik, das Auffinden des Quellenmaterials,


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