zent lediglich auf dem 27. Platz und EU-weit an 18. Stelle. In Wahrheit gibt es also, wenn Sie meinen Ausführungen gefolgt sind, nicht zu viele Studierende, sondern schlicht und einfach zu schlechte Studienbedingungen, und die Bundesregierung ist in der Verantwortung, diese zu verbessern. (Bundesrätin Schulz: Das machen wir!) Ich hoffe, wir werden von Ihnen, Herr Minister, noch genau hören, ob und inwiefern Sie da Maßnahmen setzen werden. Ich werde jedenfalls gut zuhören. (Zwischenruf des Bundesrates Mayer.)
Für uns Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten ist jedenfalls ein klares Bekenntnis der Bundesregierung zu einer ausreichenden Hochschulfinanzierung ganz entscheidend. Es braucht eine Verbesserung der Betreuungsverhältnisse, und zwar nicht durch eine sukzessive Reduktion von Studienplätzen, sondern durch mehr Professuren. Es muss besser und leichter möglich sein, Studium und Beruf zu vereinbaren, ohne finanziell dafür bestraft zu werden. Es braucht außerdem mehr Maßnahmen zur sozialen Durchmischung im Studienbereich und ein ganzheitliches Konzept für die Weiterentwicklung des gesamten tertiären Sektors. Dazu gehört für uns auch ganz besonders der Ausbau an Studienplätzen im Mint-Bereich, also in den Bereichen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik, denn wir wissen, die Nachfrage an qualifizierten Arbeitskräften in diesem Bereich ist ganz besonders hoch und muss gestillt werden.
Unserer Meinung nach ist im Sinne einer Bildungs- und Chancengerechtigkeit der gleiche und daher gebührenfreie Hochschulzugang für alle ganz wesentlich. Bildung ist ein Menschenrecht, ich glaube, darüber sind wir uns einig, daher kann und soll das auch für den tertiären Bildungsbereich gelten.
Abschließend kann ich sagen, Österreich kann es sich nicht leisten, auf Talente, auf unser größtes Kapital, nämlich das Wissen, zu verzichten. Daher bin ich schon sehr gespannt auf Ihre Ausführungen. (Beifall bei der SPÖ sowie des Bundesrates Stögmüller.)
9.34
Präsidentin Inge Posch-Gruska: Danke sehr.
Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Bundesrat Mag. Reinhard Pisec. – Bitte.
Bundesrat Mag. Reinhard Pisec, BA MA (FPÖ, Wien): Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrter Herr Bundesminister! Sehr geehrte Damen und Herren! Um sich der Konzeption des Wissenschaftsstandortes Österreich anzunähern, ist es notwendig, eine Begriffsdefinition vorzunehmen und sich mit den Wissenschaftsfeldern, den Wissensorten und den Wissensformen im Wandel auseinanderzusetzen und diese für den Wissenschaftsstandort zu bestimmen.
Wissensfelder sind die Naturwissenschaften, die Geisteswissenschaften und die Sozialwissenschaften. Die Wissensorte – ich komme aus Wien – sind die Universität Wien, die Alma Mater Rudolphina, und auch außeruniversitäre Forschung. Ich konzentriere mich in meinen Ausführungen auf die innerbetriebliche Forschung in den Unternehmen. Wissensformen im Wandel, das ist vor allem der Digital Turn, das Zeitalter der Digitalität, mit dem wir uns auseinandersetzen müssen.
Zu den Wissensfeldern: Wann wurden die Naturwissenschaften begründet? Francis Bacon, ein großer Universalgelehrter aus dem 16. Jahrhundert hat gemeint, Erkenntnisse werden nur aus Beobachtungen, aus dem Experiment, aus der empirischen Forschung gewonnen. Er war der Wegbereiter der Naturwissenschaften.
Die Geisteswissenschaften hatten ihren Ursprung in Wilhelm Dilthey, dem deutschen Philosophen aus dem 19. Jahrhundert, der die Geisteswissenschaften begründete. Die Methoden der Geisteswissenschaft: die Heuristik, das Auffinden des Quellenmaterials,
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